ab 1. Hälfte 10. Jh. - Das Mittelalter: Burgward, Bürgerstadt und Bischofsresidenz

 

1. Hälfte 10. Jh. Einbeziehung des mittleren Muldegebiets in das Herr-schaftsgebiet der sächsischen Liudolfinger und deutschen Könige.
924 Heinrich I. hält sich im mittleren Muldegebiet auf. Er flieht aus einem Hinterhalt der Ungarn auf die Burg Bichni (Püchau).
929 Unterwerfung der Daleminzer durch Heinrich I. Gründung der Burg Meißen. Kriegszug nach Böhmen. Muldenfurten erhalten besondere militärische Bedeutung.
961.VII.29. Der Burgward Wurzen wird erstmalig in einer Schenkungsurkunde Ottos I. als civitas vurcine, im "anderen Gau Neletici gelegen", genannt.
973 Der maurische Gesandtschaftsarzt Ibrahim ibn Jakub nennt Wurzen im Bericht über seine Reise von Magdeburg nach Prag.
995? Otto III. schenkt dem Bischof Aico von Meißen die Burgwarde Wurzen und Püchau. Damit kommt der Burgward Wurzen als weltlicher Besitz an das Bistum Meißen (ggr. 968).
  Weltliche und geistliche Oberherrschaft wechseln in den nächsten 200 Jahren wiederholt (Merseburg, Meißen).
1004-1017 Polenkriege unter Heinrich II.
  Boleslaw I. Chobry dringt bis nach Wurzen vor.
1017 Eine aus dem Heer Heinrichs II. entlassene Heerschar der Liutitzen überschreitet bei Wurzen die Hochwasser führende Mulde. Dabei geht ihr mitgeführtes Götterbildnis verloren.
  Heinrich II. legt die Mulde als Grenze zwischen den Bistümern Merseburg und Meißen fest.
1080 Als Verbündeter Heinrichs IV. im Kampf gegen die Fürstenopposition gelangt der böhmische Herzog Wratislaw II. mit seinem Heer bis nach Wurzen. Hier überschreitet er die Mulde auf dem Weg nach Leipzig.
um 1100 Nordöstlich der Burg entsteht eine Kaufmannssiedlung mit der Kirche St. Jacobi (spätere "Altstadt").
1114 Bischof Herwig von Meißen gründet zur Verstärkung der Missionstätigkeit das Kollegiatstift Wurzen. Bau eines kleinen (romanischen Münsters. Vorgänger der gotischen Stiftskirche St. Marien) im Bereich der Burg. Nennung eines bischöflichen Zolls (telonium Wurczense).
  Erstmalig Nennung eines territorium Wurczinense.
  Gleichzeitig Landesausbau durch verstärkte bäuerliche Siedlung.
1154 Kührener Ansiedlungsvertrag.
  Die Meißner Bischöfe lassen Wurzen und das Wurzener Land durch eigene Vögte verwalten. Südlich der Wurzener Burg ist eine Dienstmannensiedlung entstanden.
um 1200 Die Rechtsstadt entsteht zwischen den Siedlungskernen Burg mit Vorburg (westlich des Marktes), der Dienstmannensiedlung im Rietzschketal und der Kaufmannssiedlung "Altstadt". Wurzen erhält Magdeburger Stadtrecht, Ringmauer und Graben sowie 4 Stadttore.
1223 Erste Erwähnung eines Scholasticus beim Stift. Hinweis auf die Existenz einer Stiftsschule.
1274.VIII.22. Erste Erwähnung der Wenceslaikirche. Sie liegt als Pfarrkirche außerhalb der Mauern. Die Jacobskirche ist ihrer Parochie einverleibt.
1260 Bau des gotischen Ostchores der Stiftskirche.
1284 Der Markgraf von Meißen erkennt landesherrliche Rechte der Bischöfe von Meißen über Wurzen und das Wurzener Land an.
1340 Erste Erwähnung des Crostigalls. Noch 1423 werden die Her-ren von Crostigall beurkundet.
1347 Erste namentliche Nennung eines Bürgermeisters: Heidenreich von Nizschwitz.
1358 Bischof Johann I. (von Eisenberg) stellt in seinem Testament 100 Schock breiter Prager Groschen zur Befestigung des Wur-zener Schlosses bereit.
1381 Um das Wurzener Land entbrennt der "Pfaffenkrieg" zwischen dem Erzbischof von Magdeburg und dem Bischof von Meißen.
1384 Erstmalige Nennung der "Altstadt".
um 1400 Es hat sich bereits eine rege handwerkliche und gewerbliche Tätigkeit ausgeprägt. Wichtige Gewerbe sind Brauerei, Müllerei, Bauhandwerk.
1413 Bau eines Grabens um die Vorstadt ("Wenzelsvorstadt"). Alle Einwohner, die zwischen diesem und der eigentlichen Stadtmauer wohnen (die "Pfahlbürger"), erhalten ebenfalls Bürgerrecht. Noch nach 1504 werden Versuche fortgesetzt, die äußere Stadtmauer nach Süden und Osten zu erweitern (dabei Nutzung zweier Steinbrüche auf dem Crostigall), 1512 müssen diese Bemühungen wegen zu hoher Kosten eingestellt werden.
1429/30 Die Hussiten unter Prokop durchziehen das Wurzener Land.
1462 Das kurfürstliche Straßenmandat legt den Frachtverkehr auf die Muldenübergänge in Grimma und Eilenburg fest. Damit sollen die bischöflichen Zolleinnahmen an der Mulde verringert werden.
1470 Die Stiftskirche (Dom) brennt aus. Vernichtung des Archivs.
1481 Der Rat der Stadt erlangt vom Bischof die obere und niedere Gerichtsbarkeit pachtweise, 1579 erwirbt er sie durch Kauf.
1485 Nach der "Leipziger Teilung" befindet sich Wurzen mit dem Wurzener Land zwischen zwei wettinischen Territorien: dem Kurfürstentum und dem Herzogtum Sachsen. Beide wettinischen Fürsten behalten gemeinsam die "Schutzherrschaft" über die bischöflichen Territorien und die Stadt Wurzen.
1487 Bischof Johann VI. (von Salhausen) verlegt seine Residenz nach Wurzen. Der Bischof und Reichsfürst entfaltet eine beachtliche Bautätigkeit.
1491/97 Bau des jetzigen Schlosses und des Kornhauses.
um 1500 Durch die bischöfliche Hofhaltung Hebung von Wirtschaft und Verkehr, insbesondere Aufschwung in der Landwirtschaft, Fischerei, Leineweberei und Bleicherei, Müllerei und Bierbrauerei.
1508 Der Dom wird von den Brüdern Gebende instandgesetzt, Bau des spätgotischen Altarraumes.
1511 Das Domkapitel verkauft seinen Worthauer Besitz an den Rat der Stadt. Das ist neben dem Kauf der Mark Trauschken, des Rittergutes Müglenz und des Steinhofes vor dem Jacobstor die beachtenswerteste Erwerbung der Stadt.
bis 1513 Bischof Johann von Salhausen lässt die Wenceslaikirche erneuern.
1519.IV.13 Großer Stadtbrand. Ihm fallen u.a. Schloss und Rathaus zum Opfer. Verschont bleiben nur Altstadt und die Vorstadt vor dem Eilenburger Tor.
  Die Wurzener Armbrustschützen, ein Zeichen städtischer Wehrhaftigkeit, werden erstmalig genannt.
1531 Fehde Urbans von Kühnitzsch mit Bischof Johann VII. (von Schleinitz). Urban überfällt die Stadt und steckt 6 Scheunen in Brand.
1539 Beginn der Reformation in Wurzen. Kurfürst Johann Friedrich schickt als ersten evangelischen Prediger Johann Hoffmann aus Thammenhain (damals zum Kurfürstentum gehörend) an die Wenceslaikirche. Dom und Stadtherrschaft bleiben katholisch. Im Zuge der Reformation Verbesserung des städtischen Schulwesens, die "teutsche" Knabenschule vor dem Wenzelstore wird 1542 mit der Stiftsschule zur städtischen Lateinschule vereinigt.
1542 Da Kurfürst Johann Friedrich zu Beginn des Jahres das bischöfliche Wurzen besetzen lässt und einseitig die sogenannte Türkensteuer erhebt, kommt es zur Wurzener Fehde mit seinem Vetter Herzog Moritz von Sachsen. Beide Fürsten ziehen Anfang April Heere um Wurzen zusammen, das von Johann stark befestigt worden ist. Die Vermittlungen Luthers und vor allem die des Landgrafen Philipp von Hessen ermöglichen einen Vergleich zwischen den Fürsten ("Fladenkrieg").
  Einführung der Reformation in Wurzen und in den eingepfarrten Dörfern Dehnitz und Roitzsch. Die Stadt hat etwa 5000 Einwohner.
1547 Plünderung der Stadt im Schmalkaldischen Krieg durch kursächsische Reiter. Ermordung des Bürgermeisters Herre. Nach der Schlacht bei Mühlberg (24.4.) huldigt die Stadt Herzog Moritz.
1548 Der Rat legt südlich der Wenzelsvorstadt einen neuen Fried-hof an („Alter Friedhof“). Auf dem Gelände wird die Heilig-Geist-Kirche errichtet.
1555 Bischof Johann IX. von Haugwitz lässt das Jacobstor in die Mauer brechen. Erinnerungstafel heute an der Liegenbank.
1558 Der Saukrieg. Fehde des Hans von Carlowitz mit Bischof Johann IX. (von Haugwitz). Die Carlowitzschen Reiter erscheinen am 13.9. vor der Stadt, um den Bischof gefangen zu nehmen. Da ihnen auch ein zweites und drittes Mal vor den Mauern kein Glück beschieden ist, treiben sie am 8.11. den Wurzenern das Vieh, darunter 700 Schweine, von der Weide am Eilenburger Tor.
1573 Die Seilfähre an der Mulde wird erstmalig erwähnt.
1581.X.20. Rücktritt des Bischofs Johann von Haugwitz und Unterstellung der bischöflichen Territorien samt allen Hoheitsrechten unter die kurfürstliche Regierung.