Uhlig - ein bedeutender Komponist aus Wurzen

Theodor Uhlig, in Wurzen vor 200 Jahren geboren, -  an den bedeutenden Komponisten wurde erinnert

von Ralf Richter, 2022

Theodor Uhlig, in Wurzen vor 200 Jahren geboren, - an den bedeutenden Komponisten wurde erinnert

 Unser Vereinsmitglied Ralf Richter hat eine Reihe von Informationen über das Leben und Wirken von Theodor Uhlig zusammengetragen und damit eine Basis für die Würdigung geschaffen.

Theodor Uhlig – Versuch einer Würdigung
* 15. Februar 1822 in Wurzen † 3. Januar 1853 in Dresden


Richard Wagner schrieb am 12. November 1851 an Theodor Uhlig: „Ueber die beabsichtigte
Vollendung der großen Dramendichtung, die ich nun vorhabe, kann ich Dir jetzt wenig
mitteilen.“ Gemeint waren die Arbeiten am Nibelungenring, deren Beginn Wagner seinen
Freunden in dieser Zeit in zahlreichen Briefen mitteilte. Und Uhlig sei der erste gewesen, dem
Wagner von seinem Plan berichtete. Über 100 Briefe haben sich die beiden geschrieben - ein
nicht uninteressantes Kapitel Musikgeschichte im 19. Jahrhundert.

Das Taufbuch des Domes St. Marien zu Wurzen nennt im Jahr 1822 unter Nr. 35 am 26. Februar den elf Tage vorher geborenen Gottlieb Siegismund Theodor Uhlig. Als Eltern sind Carl Gottlob Uhlig als Waldhornist im Königlich-Sächsischen Schützenbataillon Wurzen und seine Ehefrau Caroline Friedrike Beit genannt. In der Literatur findet sich immer wieder der Hinweis, allerdings nicht in den Archiven, der sächsische König Friedrich August II. sei der wirkliche Vater - es ist ein Gerücht. Uhlig hatte bei seiner späteren Ausbildung ein Stipendium aus Dresden erhalten, was mit einer verwandtschaftlichen Nähe zum Dresdner Hof begründet wurde.
Mit dem Tod der Mutter wurde Theodor Uhlig im Alter von sieben Jahren Vollwaise, der Vater war bereits 1827 gestorben, und ging gemeinsam mit seiner Schwester ins Militärwaisenhaus nach Struppen bei Pirna. Dort fiel seine außerordentliche musikalische Begabung auf, er komponierte schon und spielte mehrere Instrumente. Ab 1837 studierte Uhlig mit erwähnter königlicher Unterstützung Klavier und Violine an der Musikschule in Dessau. Drei Jahre später erhielt er eine Aspiranten- und später eine Geigerstelle bei der Dresdner Hofkapelle.
1847 hatte Theodor Uhlig in Dresden Caroline Büttner (1821-1906) geheiratet. Drei Kinder
wurden geboren: Theodor, Elsa und Siegfried.
Zur Uraufführung des Rienzi 1842 begegneten sich Uhlig und Richard Wagner das erste Mal.
Beide hatten nach dem Dresdner Maiaufstand 1849 das gleiche Schicksal. Während Uhlig einige Monate in Paris verbrachte, ging Wagner für längere Zeit in die Schweiz. Dort besuchte ihn sein Freund Uhlig mehrmals. Dieser unterstützte Wagner nicht nur in finanziellen und musikalischen Dingen, sondern er teilte offenbar auch dessen weltanschaulichen Bekenntnisse.
In sechs Artikeln in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ u.a. am 23. Juli 1850 schreibt Uhlig unter dem Titel „Zeitgemäße Betrachtungen“ gegen jüdische Komponisten, wie Meyerbeer und Mendelssohn. Auf Uhligs Artikel aufbauend teilte Wagner dessen Ansichten am 3. September 1850 mit „Das Judenthum in der Musik“ in selbiger Zeitschrift.
Richard Wagner schreibt über Theodor Uhlig in „Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850“:
„Hierfür war besonders einer der jüngsten Musiker, Theodor Uhlig, von besonderer Tätigkeit
gewesen. Dieser, als Violinist im Orchester angestellt, war ein junger Mensch in der ersten
Hälfte der zwanziger Jahre, von auffallend zarter, intelligenter und edler Gesichtsbildung, der
sich durch seinen großen Ernst, seinen ruhigen und doch ungemein festen Charakter vor all
seinen Genossen auszeichnete.“
Neben seinen eigenen Kompositionen - Kammermusik, darunter zwölf Streichquartette, Lieder und kleinere Orchesterstücke - schrieb Uhlig den ersten Klavierauszug zum Lohengrin. Joseph Joachim Raff urteilt: „Uhligs Gründlichkeit ist vernichtend“ und Hans von Bülow schreibt:
„Uhligs Arbeiten verraten tiefes Wissen“.
Im Sterberegister der Annenkirchgemeinde Dresden von 1853 wird eine Kehlkopfkrankheit
(Lungen- und Kehlkopftuberkulose) als Todesursache genannt. Die letzte Wohnadresse war in
der Annengasse 19 und seine letzte Ruhestätte fand Uhlig auf dem heutigen Alten
Annenfriedhof in der Chemnitzer Straße in Dresden.
Die Nachfahren Uhligs übereigneten dem Kulturhistorischen Museum Wurzen einen nicht
unbedeutenden Teil des musikalischen Nachlasses mit über 80 Werken, davon viele
ungedruckt.

 

 

Uhligs Geburtshaus in der Dresdener Straße, Wurzen. Hier eine Aufnahme anläßlich des 1. Mai-Aufzuges in den 60er Jahren

 

 

 

Heute steht das Haus nicht mehr und nichts erinnert an Theodor Uhlig an dieser Stelle!

 

 

 

Eine geschnitzte Holztafel am Geburtshaus erinnerte Jahrzehnte an Theodor Uhlig

 

 

 

 

 

Der Wurzener Grafiker Volker Engelhardt hat ein Bildnis mit den Lebensdaten von Uhlig gestaltet

 

 

Originalskript von Uhlig

 

 

 

 

Die Grabstelle von Uhlig in Dresden bedürfte dringend einer Sanierung!

 

 

 

 

Der Dresdener Bildhauer Gustav Adolph Kietz fertigte 1853 eine Gipsplakette mit dem Bildnis von Uhlig