Stadtführung zum Tonneborn, zum König-Albert-Schacht und zum Bundesamt für Sortenwesen am 21. Mai 2016
Rund 40 Interessierte aus Wurzen und von außerhalb folgten am Samstag, dem 21. Mai 2016, der Einladung des Wurzener Geschichts- und Altstadt-Vereins zur ortsgeschichtlichen Exkursion unter dem Thema „Tonneborn, König-Albert-Schacht und Obstbaulehrgarten“ auf dem Gelände des Bundessortenamt in der Torgauer Straße. Dr. Erik Schulte, der Leiter der Wurzener Geschäftsstelle des Bundesortenamtes, und der Wurzener Stadtchronist Wolfgang Ebert präsentierten gemeinsam die geschichtsträchtigen Fluren im äußersten Nordosten der Stadt. Schon im Mittelalter spielte hier, am Osthang des Breiten Berges, das reichliche Grundwasser für die Wasserversorgung der etwa 6 m tiefer liegenden Stadt eine ganz wichtige Rolle. Der hier abgeteufte Brunnen war einst mit einer Tonne geschützt, so kam es zur Namensgebung „Tonneborn“. In hölzernen Röhren floss bis ins 19. Jh. das klare, helle Wasser bis zu den Schöpfbrunnen der Stadt, z.B. in der Jacobsgasse, auf dem Markt oder am Schloss. Zu Beginn des 20. Jh. wurde auf den benachbarten Flächen im Tiefbau dann Braunkohle im „König-Albert-Schacht“ gefördert. Mit der Braunkohle wurden Dampfkessel am Steinbruch am Breiten Berg, später auch in den Krietschwerken versorgt. Bis auf den aufgemauerten Eingang zum Tonneborn ist heute davon nichts mehr oberflächig wahrzunehmen.
Heute breiten sich hier von der äußeren Torgauer Straße bis an den Weg zur Körlitzer Hohle die mit Obstbäumen und Beerensträuchern bepflanzten Flächen des Bundsamtes aus. Die Anlagen gehen zurück auf einen Obstbaulehrgarten, den 1902 der damalige Direktor der Landwirtschaftlichen Kreisschule durch den Obstbaulehrer Hermann Wolanke anlegen ließ. Heute prüft das Bundesamt hauptsächlich neu gezüchtete Kern- und Beerenobstsorten, bevor sie für den allgemeinen Anbau in Deutschland zugelassen werden, auf ihre speziellen Eigenheiten, Verträglichkeiten und Ergiebigkeit. Dr. Schulte machte es offensichtlich viel Freude, seine Gäste mit seinem Reich vertraut zu machen und auch mit Ergebnissen der Arbeit seiner Einrichtung zu beglücken: Zum Schluss versammelten sich alle zum Verkosten schmackhafter Säfte aus den Produkten seiner Anbauflächen.

(Wolfgang Ebert, Ortschronist/ Schriftführer des Vereins)