Volkstrauertag 2019 in Wurzen

Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein

                                                                                                                                    17.11.2019

 

Ehrendes Gedenken und Mahnung – Andacht zum Volkstrauertag 2019 in Wurzen

Der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein hatte gemeinsam mit der Stadt Wurzen und der Kirchgemeinde zum zweiten Male zu einer offiziellen Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag zum Wurzener Ehrenmahl für die Gefallenen des 1. Weltkrieges eingeladen. Über 50 Wurzener waren auf den alten Friedhof gekommen, um gemeinsam an alle Opfer von Gewalt und Krieg zu erinnern und das Ehrengedenken zu halten.

Pfarrer Alexander Wieckowski hielt eine kurze Andacht und betonte, daß der Volkstrauertag einen Raum und eine Zeit für das notwendige Trauern und Gedenken schafft. Es geht dabei nicht nur um die Menschen unter uns, die im Krieg Angehörige und Freunde verloren haben, es geht auch um das Wachhalten und Erinnern an die menschenfeindliche Gewalt und Zerstörung, die jeder Krieg mit sich bringt. Über 700 Namen von Wurzener Bürgern, die im 1. Weltkrieg ihr Leben verloren, sind hier verzeichnet. Auf dem Wurzener Friedhof sind aus dem 1. Weltkrieg 55 Soldaten, 3 Zivilisten und 2 Gefangene beerdigt, aus dem 2. Weltkrieg wurden 104 Soldaten, 12 Bombenopfer, 3 Zivilisten, 17 ausländische Kriegsgefangene bestattet. Anschließend sprach OBM Jörg Röglin das Ehrengedenken. Stadtchronist Wolfgang Ebert hatte seine Ansprache einem konkreten Gefallenen aus Wurzen gewidmet, dessen Feldpostkarten fast 100 Jahre nach Kriegsende gefunden wurden. 1916 ist er in den Kämpfen an der Somme gefallen, vielleicht liegt er auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Fricourt in der französischen Picardie unter den 17.000 namenslosen deutschen Gefallenen. Die gesamte Andacht wurde vom Posaunenchor musikalisch umrahmt, dazu gehörte der Choral „Ich hatte einen Kameraden“, dessen Text von Ludwig Uhland stammt und der in den Befreiungskrieg gegen die napoleonische Fremdherrschaft erstmals ertönte.

Der Toten zu gedenken, gehört zur menschlichen Kultur. Der Gefallenen zu gedenken, der gewaltsam Umgebrachten, derer, die im Kampf oder Krieg, durch Unrecht und Verfolgung gestorben sind, gehört zur politischen Kultur.  Es entspricht unserer Tradition, daß jeder Tote, auch jeder Gefallenen oder durch Unrecht und Gewalt Umgekommene, mit seinem Namen genannt wird und er Recht auf ein Grab hat. Für die namenslos Gefallenen sind in vielen Ländern Gedenkstätten für den unbekannten Soldaten eingeweiht worden. Eine der beeindruckendsten Gedenkstätten haben Mitglieder des Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein vor wenigen Jahren in Frankreich besucht: Die internationale Gedenkstätte gegenüber dem Nationalfriedhof Notre-Dame-de-Lorette in der Picardie, in welcher die Namen von fast 600.000 Soldaten in alphabetischer Reihenfolge eingraviert sind – Verbündete und Feine von einst ohne Unterscheidung der Nationalität. Auch viele Namen von Wurzener Gefallenen sind darunter.

Die Andacht wurde mit dem gemeinsamen Gesang der deutschen Nationalhymne und der Europahymne beendet.

Dr. Jürgen Schmidt

Vereinsvorsitzender

 

Der Text der Andacht von Pfarrer Wieckowski ist in der Rubrik Veröffentlichungen zu finden

 

Fotos: Schmidt

  • Über 50 Wurzener waren zur Andacht auf den alten Friedhof gekommen
  • Wolfgang Ebert erinnerte konkret an einen Wurzener Gefallenen
  • OBM Röglin sprach das Ehrengedenken und legte ein Kranz nieder