Tag des offenen Denkmals am 12. September 2021
Der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein widmet sich gemeinsam mit der katholischen Gemeinde dem diesjährigen Thema „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“
Die katholische Herz-Jesu-Kirche im Osten der Stadt Wurzen wird gegenwärtig einer aufwändigen Fassadensanierung unterzogen. Das ursprüngliche Aussehen von 1898 – das Vortäuschen von Quaderarchitektur im Zementputz durch „Fugenrillen“ – soll nach Forderungen der Denkmalpflege wieder hergestellt werden. Das hat nicht nur finanzielle Konsequenzen für die Gemeinde. Auch das Sanierungsziel wird kontrovers diskutiert. Deshalb passt kein Gebäude in der Stadt besser als die Kirche am nordöstlichen Stadtrand an einer uralten Wegegabelung zwischen äußerer Torgauer Straße und Roitzscher Weg zum diesjährigen Thema.
„Sein und Schein“ sind hier bereits eng mit der Entstehungsgeschichte der Kirche verbunden, heute müssen wieder Lösungsansätze und -möglichkeiten gefunden werden, die das Motto für uns umreißt.
Die Kirchgemeinde, das Sanierungsbüro, der Bauträger und der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein luden deshalb zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag an und in die Kirche ein. Jeweils 11.30 Uhr und 15.00 Uhr haben Vertreter der genannten Veranstalter über die Geschichte der Kirche, über die baulichen Besonderheiten und über die bereits laufenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen berichten. Ein Schwerpunkt war die denkmalgerechte Fassadenneugestaltung, über das Herr Kewitz vom beauftragten Sanierungsbüro berichtete. Stadtchronist Wolfgang Ebert vom Altstadtverein trug bisher nicht bekannte Details zur Baugeschichte bei und würdigte den in Sachsen bislang unbekannten Architekten Joseph Cades, der in der zweiten Hälfte des 19. Jh. In Schwaben und Baden nahezu 40 neoromanische Kirchen erbaute. Darunter auch die von Urach, dem heutigen Bad Urach, die als das Urbild für die Wurzener Herz-Jesu-Kirche gelten kann. Der Wurzener Baumeister Gustav Schmidt hat sich nur des Entwurfs von Joseph Cades bedient, wenn auch mit einigen kleinen Veränderungen.
Zahlreiche Besucher am Vormittag und am Nachmittag zeigten vom großen Interesse am Kirchen-gebäude und am Fortgang der Sanierungsarbeiten.
Wolfgang Ebert