Abdeckerei
Betrieb für die gewerbsmäßige Verwendung brauchbarer Bestandteile von Tierleichen und das Unschädlichmachen der Reste. Das Gewerbe war oft mit dem des Scharfrichters (Henkers, Nachrichters) verbunden und galt als unehrenhaft. Dem Abdecker (Schinder) mussten alle gesundheitsschädlich befundenen und verendeten Tiere ausgeliefert werden. Die Abdeckereien befanden sich meist außerhalb der Stadt. In Wurzen befand sich das Anwesen des Scharfrichters - die "Meisterei" - in der ⇒ Alten Nischwitzer Straße, nahe dem heutigen Stadtpark. Das Anwesen reichte bis zum Uferweg am Mühlgraben (Gelände der ehem. Teppichfabrik). Deshalb auch auf dem gegenüberliegenden Ufer der FN Schinderanger. Die Tätigkeit des Abdeckers oder Schinders war dem Scharfrichter durch Privilegien zugesichert, die Einnahmen aus dem Gewerbe gehörten zu seiner materiellen Sicherstellung. Das Gewerbe blieb beim Scharfrichter bis zur Aufhebung der städtischen Gerichtsbarkeit 1841. Danach zunächst kommunales Unternehmen weit vor der Stadt, zunächst an der äußeren Collmener Straße. Danach die Kavillerei an der Lüptitzer Straße. Seit 1859 Familienbetrieb Abdeckerei Bertram. 1972 bis Ende der 1980er Jahre VEB Tierkörperbeseitigung
Adler-Apotheke
Martin-Luther-Straße 21. Seit 1.12.1904 Filiale der Stadt-Apotheke. 1923 selbständig unter dem jetzigen Namen. 1946 staatlich. Seit 15.9.1990 privatisiert
Adolf-Hitler-Straße
(1933-1945)} ⇒ Karl-Marx-Straße
Akzise, die
In der Bevölkerung bis zum Anfang des 19. Jh. übliche Bezeichnung für die Stelle am Wenzelsschlag oder Hospitaltor, wo der Akzise-Einnehmer saß, der die hier durchgeführten Waren besteuerte. An dieser Stelle stieß die alte Poststraße an die Stadt. Später stand an dieser Stelle der Fremdenhof zur Börse. Gegenüber dem Bankgebäude (ursprünglich Wurzener Bank, später bis 1990 Staatsbank der DDR, danach Deutsche Bank).} Ein Akzise-Einnehmer saß auch im Eilenburger Tor, ohne dass dort die Stellenbezeichnung bei der Bevölkerung in Erinnerung blieb.
Albert-Kuntz-Stadion
⇒ Frisch-auf-Stadion
Albert-Kuntz-Straße
Führt vom Markt in nördlicher Richtung bis Dr.-Külz-Straße/ Kutusowstraße. Seit dem 1.8.1945 benannt nach dem in Bennewitz geborenen KPD-Funktionär und zeitweiligen Wurzener Stadtrat Albert Kuntz (1896-1945 [⇒ Zum Freischütz]). 1933-1945 Seldtestraße (nach dem Reichsarbeitsminister und „Stahlhelm"-Gründer Franz Seldte [1882-1947]). Vorher der innere Teil der Eilenburger Straße. Bei Schöttgen (1717) Eilenburger Gasse (erstmalig 1522, bis zum Eilenburger Tor)
Albert-Kuntz-Straße
Albertstraße (1886-1945)
⇒ August-Bebel-Straße
Albin-Schöne-Straße (R)
Führt von der B 6 nach Südosten in die Ortslage Kornhain.
Alte Dorfstraße (D)
Die Straße durchzieht Dehnitz in einem Bogen, Am Wachtelberg 19 beginnend, bis zum Landgasthof Dehnitz. Seit dem 01.10.2007. Vorher Dorfstraße.
Alte Kaserne
Durch Treppenturm auffälliges altes Stiftsgebäude auf der ehemaligen Domfreiheit (heute Domplatz 6). Der Renaissancebau war ursprünglich Domizil früherer Domherren. Nach 1580 Nutzung durch die Stiftsregierung, 1819 nach deren Aufhebung zur teilweisen Unterbringung der nach hier verlegten Garnison (Jäger) eingerichtet. Von 1873 bis 1881 war im 1. Stock die Realschule untergebracht, aus der das Wurzener Gymnasium hervorging. Nutzung seit 1883 als Bezirkskommando. 1920 Umbau zu Wohnzwecken. 1969/70 umfangreiche Sanierung und Modernisierung der Wohnungen. 1993/95 wieder teilweise Nutzung durch das Gymnasium. Seit 1998 unbewohnt und verfallend. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel bauliche Sicherung und Sanierung 2011/12, Umbau zu einem Wohn-/ Geschäftshaus.
Alte Nischwitzer Straße
Führt vom unteren Gerhart-Hauptmann-Platz parallel zum Mühlgraben bis zur Juelstraße. Ursprünglich der einzige Fahrweg (seit 1581 in Weichbildakten "alter Fahrweg") nach Nischwitz bzw. Eilenburg. Nachdem 1845 die Eilenburger Chaussee gebaut worden war, erhielt die Straße ihre heutige Benennung. Ihre Trasse lässt sich als Altstraße interpretieren (zur Furt zwischen Nischwitz und Püchau).
Alte Post
⇒ Postgut
Alte Poststraße (N)
Seit dem 1.1.1994 für die ehemalige Dorfstraße in Nemt, die den gesamten Ort, parallel zum Mühlbach von Südost nach Nordwest durchzieht. Beim Beitritt des Dorfes Nemt als Stadtteil zur Stadt Wurzen, machte sich die Änderung notwendig, da in Dehnitz bereits eine Dorfstraße existierte.
Alter Friedhof
Eigentlich der nach 1548 vom Rat angelegte "neue" Gottesacker, der sich vom Rondell bis zum Johannishospital erstreckte und bis zur Weichbildgrenze und der äußeren Stadtmauer im Süden reichte. Er machte sich notwendig, da auf dem Jacobskirchhof und dem Wenceslaikirchhof der Platz für Bestattungen nicht mehr ausreichte. Im Zusammenhang mit der Neuanlage des Friedhofs erfolgte auch der Bau der ⇒ Heiliggeistkirche. Symmetrische Aufteilung des Geländes durch Längs- und Querwege (sicher erst nach dem 30-jährigen Krieg).} 1598 erste Erweiterung des Friedhofs über die Weichbildgrenze der Stadt hinaus nach Süden. Die Massengräber für die Pestopfer von 1607 befinden sich bereits auf dem neuen Areal, das Pesthäuschen markiert noch die Weichbildgrenze. Auch später noch zweimal Erweiterungen nach Süden, so dass 1830 schon das Dreifache der ursprünglichen Ausdehnung erreicht wurde. 1866 letzte Erweiterung um eine Parzelle an der Südostecke, auf der bis dahin ein "Pulverhäuschen" gestanden haben soll (Klinkhardt 1995). Obwohl 1887 der "Neue" Friedhof angelegt wurde, fanden auf dem nunmehr "alten" Gottesacker noch bis in die Mitte des 20. Jh. Beerdigungen statt (1924 letzte Bestattung mit Feier in der Heiliggeistkirche; 1940 letzte Erdbestattung; 1948 letzte Urnenbestattung)} 1929/30 Errichtung des ⇒ Ehrenmales für die Gefallenen des 1. Weltkrieges an der Südseite.} Nach 1945 zunehmender Verfall der Grabstätten. 1975 gab die Kirchgemeinde den Friedhof in städtischen Besitz. Danach Umgestaltung des Geländes und Einbeziehung in die seit 1925 bereits bestehende Parkanlage am Bahnhof. Dabei auch Beseitigung der Reste des sogenannten Soldatenwinkels im Südostteil (hier wurden 1806-1815 insgesamt 254 in Wurzener Lazaretten verstorbene fremde Soldaten bestattet). 2015 durch Heckenpflanzung wieder kenntlich gemacht.
Alter Park
Eigentlich die ursprüngliche Parkanlage (1880, ⇒ Stadtpark), von der Parkstraße (heute Geschwister-Scholl-Straße) bis zur alten Weichbildgrenze - etwa Linie Aussichtsturm – Rosentor - reichend. 1883 in städtischen Besitz übergegangen.
Alte Saue
⇒ Gelbe Lache
Altes Backhaus
"Beim alten Backhaus" bezeichnete den Standort des Gebäudes (Abriss 1902) auf der Bleiche. Es stand am westlichen Rand der Bleiche inmitten der Straße. Bei Werl 1869 und im Katasterplan 1878 ist es noch eingetragen.
Alte Schmiede
1.: Die Schlossschmiede zwischen Schlossbrauerei (Stiftsbrauerei, heute Amtshof 2) und Schlossgraben (noch 1637: „die alte Schmiede ufm Schloß“). 2.: Im Volksmund für die 1992 abgerissene Schmiede Jacobsplatz 11 (⇒ Schmiedegasse), die noch bis in die 1980-er Jahre in Betrieb war. Die Schmiede wird seit dem 17. Jh. in den Akten der Stadt erwähnt. An ihrer Stelle befindet sich seit 1994 eine Bankgebäude (Wurzener Bank, nach Sanierung 2005 die Volksbank). Im südlich angrenzenden Bereich bis 1995 die Arkaden-Apotheke
Altes Krankenhaus
Das erste Krankenhaus der Stadt, nachdem städtische Armen- und Krankenpflege 1846 getrennt wurden; 1851 im ⇒ Armenhaus auf dem Köpfplan eingerichtet ("neues Krankenhaus"). 1872 in das ehemalige Militärhospital (Altes Lazarett [1.]) verlegt. Nachdem 1911 das neuerbaute städtische Krankenhaus (⇒ Kreiskrankenhaus) bezogen werden konnte, wurde das Gebäude in der heutigen Albert-Kuntz-Straße 25 Altes Krankenhaus genannt. Das Gebäude hat nach Bau des städtischen Krankenhauses an der Eilenburger Straße (heute Kutusowstraße) verschiedenen Zwecken gedient, z.B. von 1957 bis 1967 als Tuberkulose-Station des Kreiskrankenhauses. Danach Pflegeheim. Zuletzt war es 1991-1992 Asylbewerberheim. 1994 abgerissen. Auf dem Gelände entstand bis 1996 ein Alten- und Pflegeheim des Muldentalkreises (in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt)} Altes Lazarett, auch Militärhospital} 1.: Das 1839 fertiggestellte Gebäude vor dem Eilenburger Tor (heute Albert-Kuntz-Straße 25) für die damals in Wurzen garnisonierten Jäger. 2.: Das 1887/88 erbaute Gebäude Crostigall 11. 1901/02 Einbau von Wohnungen. 1995 Sanierung.
Alte Stadt
Ersterwähnung 1384. Noch bis um 1860 Bezeichnung für Altstadt (in der alten Stadt). Im Gegensatz dazu die Neue Stadt (Wenzelsvorstadt oder Wenzelsviertel).} Alte Wache, Alte Hauptwache, zuletzt auch Alte Polizeiwache} Es sind bei der Bezeichnung Alte Wache zwei unterschiedliche, wenn auch benachbarte Stellen zu unterscheiden:}
1.: Die Alte Hauptwache befand sich bis nach 1880 in einem kleinen Fachwerkhaus direkt an der Liegenbank, in Höhe des heutigen Treppenaufgangs. Es war die Wache der Wurzener Garnison (Jäger). Nach Fertigstellung der Jägerkaserne 1889 zog sie in das dortige Wachgebäude an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße um. Das Gebäude an der Liegenbank wurde um diese Zeit abgerissen. Das Wachgebäude in der Friedrich-Ebert-Straße wurde nach 1920 für verschiedene zivile Zwecke (u.a. vorübergehend als privater Kindergarten) genutzt; nach 1945 war es Polizeirevier, danach gehörte es zum städtischen Baubetrieb (später "Baurepa"). 1994 Pacht durch die Dresdner Bank, 1995 Abriss des alten Zellentraktes und Umbau für neue Bankfiliale (1996-2001), dabei Freilegung des alten Portikus. Seit 2004 Nutzung als Bildungseinrichtung.}
2.: Das Gebäude der eigentlichen Alten Wache oder später auch Alten Polizeiwache befand sich bis 1978 hinter dem Rathaus (jetzt thematisch gestaltete Spielplatz). Es war ein Anbau an das Rathaus aus der Mitte des 18. Jh. Zu ihr gehörte auch das heute noch erhaltene Stadtgefängnis im Rathaushof. Das Wachgebäude diente nicht dem Militär, sondern der Ortspolizei und - bis 1848/49 - der Kommunalgarde
Altes Zeughaus
⇒ Neues Haus
Altmarkt (noch 1852)
⇒ Jacobsplatz
Altstadt, Die
⇒ alte Stadt. Straßenzug zwischen Albert-Kuntz-Straße bzw. Gerhart-Hauptmann-Platz und Jacobsplatz, zum ehemaligen Jacobsviertel gehörig. Die enge und im Osten nach Süden abbiegende Straßenzeile geht auf eine Kaufmannssiedlung an einem alten Fernhandelsweg um 1100 zurück und ist damit zwar nicht der älteste Siedlungsteil, aber eine der drei Keimzellen für das spätere Wurzen. Der Straßenzug blieb jedoch später außerhalb der städtischen Ummauerung. Seine Bewohner bildeten (nachweislich seit Mitte des 17. Jh.) eine besondere Nachbarschaft, die ⇒ Borngemeinde. Bis nach 1945 war hier noch das Gewerbe der Töpferei ansässig. Im Haus Nr. 9 (heute im Gelände der ehemaligen Wandtafelfabrik) wurde 1856 Hermann Ilgen geboren
Altstraßen
Keine eigentlichen Straßen im modernen Sinne, sondern Trassen, die ein sehr hohes Alter aufweisen können und über Jahrhunderte in Erscheinungsbild, Reichweite und Beschaffenheit (Billig 1987) starken Wandlungen unterworfen waren. Für die Stadtflur Wurzens können folgende Trassen in Altstraßen eingeordnet werden:} Die heutige Bundesstraße 6 setzt die Tradition einer alten West-Ost-Fernstraße (via regia) fort, die bei Wurzen die Mulde querte, wobei der Flussübergang (Furt) sich auch im Laufe der Zeit verschob. Der heutige Trassenverlauf ist jüngeren Datums, er liegt erst fest seit Entstehen des landesherrlichen Geleitwesens (⇒ Geleitshaus) am Ende des 14. Jh. und des Postwesens im 18. Jh. Älteste Teile dieser Ost-West-Verbindung sind erhalten im sogenannten Rasenweg, der von Nischwitz kommend auf den Breiten Berg zulief und sicherlich von einer älteren Muldenfurt bei Püchau kam. Mit ihr im Zusammenhang stehen auch die Alte Nischwitzer Straße, die Altstadt, die Torgauer Straße und der Körlitzer Weg (Körlitzer Hohle). ⇒ Jacobsweg} Eine alte Nord-Süd-Fernstraße ist in der Trasse Albert-Kuntz-Straße/ Wenceslaigasse/ Bahnhofstra-ße/ Nemter Straße bzw. Oelschützer Straße erhalten. Sie querte ebenfalls zwischen Püchau und Wurzen die Mulde und stellt eine alte Salzstraße dar.} Auch der Großzschepaer Rasenweg dürfte ein Teil einer alten Nord-Süd-Verbindung gewesen sein (zum Elbübergang bei Dommitzsch?).} Neben den überregionalen Verbindungen gab es auch Straßen von regionaler und lokaler Bedeutung: z.B. Alte Poststraße (heute in Nemt, aber auch zuweilen bis ins 19. Jh. Bezeichnung für die Trasse Bahnhofstraße/ Liststraße/ Nemter Straße in Wurzen), Lüptitzer Straße, Trebelshainer Weg (östlich von Roitzsch)
Am Bahnhof
- Seit dem 19.10.1934 Postanschrift für die Gebäude südlich des Bahnhofsvorplatzes, der erst 1923-1925 angelegt worden war. Dazu gehört auch das Gebäude des Bahnhofs selbst} 2005/07 völlige Neugestaltung des Vorgeländes sowohl südlich als auch nördlich des Bahnhofs mit Veränderung der ursprünglichen Verkehrsführung und des Busbahnhofs sowie der Fußgängerunterführung.
- Name eines Gartenvereins südlich der Bahnlinie und östlich des Wurzener Bahnhofs.
Am Bootshaus
Sackgasse westlich des Dehnitzer Weges und südlich der Damaschkestraße, in Richtung Mulde führend. Eigenheimsiedlung. 1973 nach dem unterhalb am Muldenufer liegenden Bootshaus benannt.
Am Breiten Berg
Seit 1.1.1994 Name für den ehemals nördlichen Zweig des Nordweges. Von hier blickt man auf den Breiten Berg bei Lüptitz.
Am Bürgerwerder
Nach 1933 bis 1945 Name für den Promenadenweg entlang des Kanals zwischen Filzfabrik und Damaschkestraße (⇒ Bürgerwerder).
Am Doktorteich
1.: Seit dem 11.1.1933 Name eines neuangelegten Weges im südlichen Teil der so genannten Schladebachschen Felder. Die Sackgasse zweigt heute von der Straße Am Steinhof nach Süden zur Bahnlinie ab. Bebauung mit Eigenheimen erst nach 1960} 2.: Name der Gartensparte zwischen dem Gelände der Filzfabrik und der Leipzig-Dresdener Eisenbahnlinie. Gegründet 1950. Auf dem Gelände nördlich davon 1931 westgermanische Siedlungsfunde
Am Domthor (1853)
Stellenbezeichnung. Das "Streilsche Haus", Domgasse 17/19, dessen Abschrägung an der Westseite noch jetzt die Stelle kennzeichnet, wo das 1881 abgebrochene Domtor anschloss.
Am Erlenhof (N)
Straßenname seit dem 1.4.1994. Geht von der Alten Poststraße gegenüber der Kirche nach Norden ab bis zur Mühlbacher Straße. Überquert den Mühlbach, an dessen Ufer Erlen stehen.
Am Fischkasten (1680)
Vermutlich eine Stelle am Mühlgraben dicht unterhalb der Stadtmühle, "zusammt dem Platze, welcher itzund von der Bürgerschaft mit Fischkasten besetzt ist" (Schöttgen 1717).
Am Güterbahnhof
⇒ Buchenweg
Am Gutshof (R)
Seit dem 13.5.1998 für den Erschließungsweg von der Körlitzer Straße in den Ostteil des früheren Rittergutes Roitzsch.
Am Gymnasium
Seit dem 13.5.1998 für den Zufahrtsweg zum Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasium (zwischen Lüptitzer-straße und Gartensparte Ost).
Am Köpfplan (1668)
⇒ Beim Gericht; Clara-Zetkin-Platz
Am Mühlbach (D)
Straße südlich der Mühlbachrücke in Dehnitz.
Am Mühlgraben
Straße, die vom Rosental am ehemaligen Mühlenteich (heute Parkplatz) entlang bis zum Crostigall in Höhe des Steinhofes führt. Zwischen 1933 und 1945 auch Krietschpromenade nach dem Mühlenbesitzer Johann Friedrich Krietsch (1804-1880). Oberhalb des früheren Mühlenteichs befand sich seit 1880 die Villa der Familie Krietsch (2000 abgerissen).
Am Rundeel (1717)
⇒ Rondell
Am Schloßberg
Bis um 1900 unterer Teil der Finsteren Gasse bis zum Amtsweg. Im Kataster 1879 wird auch der heutige Amtsweg so benannt.}
Amselweg
Neu angelegte Zufahrt zur Eigenheimsiedlung nördlich der Nemter Straße. Name seit 1.12.1995.
Am Stadtwald
Die westlichste der von der Zillestraße nach Norden abgehenden Seitenstraßen. Seit dem 01.10.2007 nach dem nördlich davon seit 1997 angelegten ⇒ Stadtwald. Vorher Siedlerweg.
Am Steinhof
Straße zwischen Dehnitzer Weg (Unterführung) und der Gartensparte Am Doktorteich südlich der Filzfabrik. Name seit dem 1.11.1933. Heute postalisch nicht nur für die Straße, sondern auch für die Neubauten entlang der Filzfabrik bis zum Gelände des ehemaligen Steinhofs.
Amt
Bis ins 20. Jh. Bezeichnung für den Schlossbereich. Das Schloss und das Kornhaus wurden auch nach Rücktritt des letzten meißnischen Bischofs als Verwaltungssitz genutzt (Stiftsregierung, Stiftsamt). Nach 1873 blieb das Schloss Sitz des Amtsgerichts und Mittelpunkt des bis 1945 bestehenden Amtsgerichtsbezirks Wurzen.
Amtsgericht
1. ⇒ Amt. 2.: Seit 1991 für das vormalige Kreisgericht (Friedrich-Ebert-Straße 2a), seit 1994 "Amtsgericht Grimma. Außenstelle Wurzen".
Amtsgarten
Bis ins 20. Jh. Bezeichnung für den Hang nördlich des Schlosses zum Amtsweg hinunter.
Amtshof
Seit etwa 1890. Platz südlich des Schlosses bis zur Domgasse. Bei Werl 1869 noch Schloßplatz. Es ist der ehemalige Wirtschaftshof des bischöflichen Schlosses. Der heutige Name erinnert an das Amtsgericht, das von 1818 bis 1952 im Schloss untergebracht war.
Amtsmühle
⇒ Mühlen
Amtsuntertanengemeinde
Alle Grundstücke und Personen, die bis zur Bildung der Stadtgemeinde Wurzen 1843/45 unter dem Amt standen, d.h. nicht der Gerichtsbarkeit der Stadt, sondern der des Amtes (bis 1581 der bischöflichen) unterstanden, z. B. die Grundstücke am heutigen Amtsweg, am ehemaligen Teichdamm (im heutigen Rosental) und auf der Nordseite des Crostigall und die Gaudlitzhäuser.
Amtsweg
Die Fortsetzung der Straße Am Mühlgraben vom Rosental bis zur Berggasse. Name seit Ende des 19. Jh. Bis Anfang des 19. Jh. An den Amtsgärten, im Kataster 1878 Am Schloßberg. Die Bebauung auf der dem Schlossberg abgewandten Seite ist seit Anfang der 1980-er Jahre verschwunden. Das Gelände gehört heute zur Getreide AG bzw. der Dauerbackwaren GmbH.
Am Wachtelberg (D)
Die Verlängerung des Dehnitzer Weges vom Lindenweg (nördliche Flurgrenze Dehnitz) bis zum Landgasthof Dehnitz.
Am Wall (R)
Seit 1.12.1993 Name für den nördlichen Teil der alten Bergstraße (Eigenheimsiedlung).
Am Wasserwerk (D)
Verbindungsstraße zwischen Oelschützer Straße (Bahnübergang unterhalb des Wachtelberges) und Nemter Straße. Führt am Wasserwerk 1 vorbei.
Am Wenceslaikirchhof
Weg unterhalb des ehemaligen Kirchhofes. Führt von der Wenceslaigasse nach Osten bis zur Barbaragasse. Ist nordseitig bebaut. Der Weg wurde sicher erst bei Umwandlung des Kirchhofes in eine Parkanlage am Ende des vorigen Jahrhunderts in der heutigen Form ausgebaut. Der Katasterplan von 1878 nennt die Stelle noch An der Wenceslaikirche.
Am Windmühlenweg
Seit 1947 Name eines Gartenvereins zwischen Kutusowstraße und Kleegasse bzw. Theodor-Körner-Straße, südlich des Krankenhauses. Das Spartenheim erinnert mit seinen "Windmühlenflügeln" an die namengebende Tradition (⇒ Windmühlenweg und Mühlen).
Am Ziegelteich
Seit 7.2.2001 Name für die neu angelegte Erschließungsstraße im Mittelstandszentrum zwischen Lüptitzer und äußerer Torgauer Straße. Benennung in Erinnerung an den ? Ziegelteich.
An den Schultreppen
Sackgasse unterhalb der kirchlichen Amtshäuser (⇒ Pfarrhäuser) auf dem Domplatz.} Führt vom Rosental auf der überwölbten Rietzschke bis zur ehemaligen Baderei (Wenceslaigasse 10). Name (nach den vom Domplatz herabkommenden Schultreppen) taucht erst Mitte des 19. Jh. auf, als die Verrohrung des Geländes abgeschlossen war.
An der Fähre
⇒ Fährhaus
An der Hohle
Gartensparte südlich des alten Körlitzer Weges (zur Hohle). 1988 begründet.
An der Mauer
Gasse zwischen Albert-Kuntz-Straße und dem nördlichen Ende der Johannisgasse. Ursprünglich unmittelbar innerhalb der nördlichen Stadtmauer, die hier 1711/12 abgerissen wurde. Die Grundstücke auf ihrer Nordseite gehören deshalb bereits zur – ehemals auch außerhalb der Mauer gelegenen – Kannengießergasse.
An der Mulde
Seit dem 6.6.1933. Die Straße führt vom unteren Gerhart-Hauptmann-Platz nach Westen, den Terrassenhang hinab in die Muldenaue. Am unteren Ende des Hanges überquert sie den Mühlgraben, der hier Kuhmulde genannt wurde. Diese Stelle hieß deshalb früher An der Kuhmulde bzw. An der Pferdeschwemme. Ursprünglich wurde die Kuhmulde in einer Furt durchschritten, wenn man auf den westwärts gelegenen Kuhwerder gelangen wollte. Später stand an dieser Stelle eine hölzerne Brücke, diese wurde 1898 durch eine steinerne Brücke ersetzt. Über diese konnte man bequem zu den Pflanzebeeten und zur Gebhardt-Promenade gelangen. 1925 - nach Kanalbau und Erweiterungen der Mühlenwerke und der Teppichfabrik - wurde die Steinbrücke abgerissen und durch einen Rohrdurchlauf ersetzt. Westwärts in der Aue entstand eine Eichenallee, die von 1927-1934 Hindenburgallee hieß.} Der Straßenzug erinnert an die alte Verbindung der Stadt mit der Muldenfurt, diese Trasse lässt sich in eine ⇒ Altstraße einordnen.
An der Muldenaue
1.: Seit 1976 Straße im Eigenheimviertel östlich des Dehnitzer Weges. Name kommt vom gleichnamigen Verein. 2.: Gartenverein, der 1910 an der Kuhmulde gegründet und nach 1924 an die Ostseite des Dehnitzer Weges verlegt wurde.
An der Obstplantage (R)
Seit dem 13.5.1998 für die Stichstraße, die am östlichen Ortsausgang von Roitzsch gegenüber der Kornhainer Straße von der Körlitzer Straße nach Norden abzweigt.
An der Rietzschke
Name eines Gartenvereins zwischen Roitzscher Weg und Rietzschke. 1962 auf Ödland bzw. im Überschwemmungsgebiet der Rietzschke angelegt.
An der Rodelbahn
Name eines Gartenvereins am Trauschkenweg in der Aue unterhalb der ehemaligen Artilleriekaserne, nördlich der ehemaligen Papierfabrik; nach 1921 angelegt. Name (erst seit 1928) kommt von der am Terrassenhang bei der Kaserne angelegten früheren Rodelbahn.
An der Sternwarte
Seit 1993 Name der Grundschule am ehemaligen Roitzscher Kirchweg, bis dahin Sputnikzentrum, ein Initiativbau der 70-er Jahre südlich oberhalb der Rietzschke. Seit 1996 befindet sich die Schule im südlich angrenzenden Neubau (1992; zunächst Teil des Gymnasiums
An der Teppichfabrik
Keine Straßenbezeichnung, sondern nur postalisch für die früheren Wohnungen im Gelände der Teppichfabrik westlich des Mühlgrabens. Beim Rückbau der Teppichfabrik nach 2004 abgerissen.
An der Wenceslaikirche (1878)
⇒ Am Wenceslaikirchhof
Anne-Frank-Weg
Seit 2002 für den nördlich des Roitzscher Weges und östlich des Anschlussgleises zum Mittelstandszentrum angelegten Erschließungsweg (Eigenheimbebauung). Nach dem jüdischen Mädchen (12.6.1929 – März 1945), der Autorin des im Amsterdamer Versteck entstandenen Tagebuchs.
Apfelweg (R)
Seit dem 1.10.2007 für das Roitzscher Teilstück des ursprünglichen ⇒ Nemter Weges zwischen B 6 und der Bahnlinie
Apotheken
1. ⇒ Ratsapotheke. 2. ⇒ Stadtapo-theke. 3. ⇒ Adler-Apotheke. 4. ⇒ Germania-Apotheke. 5. ⇒ Arkaden-Apotheke. 6. Apotheke am Stadtpark. Geschwister-Scholl-Straße 5/6. Nach Umbau der ehemaligen Arztpraxis seit dem 16.8.1993. 7. ⇒ Ringelnatzapotheke
Arafat-Villa
⇒ Villa Arafat
Arbeitsamt
Vor 1945 befand sich das Amt zeitweise im Gebäude des heutigen Amtsgerichts. Danach war es seit 1990 im Stadthaus untergebracht, dann im 1994 errichtete Gebäude vor der Stadtsporthalle auf dem Stadthausvorplatz. Seit 1998 befindet sich das Amt, jetzt Agentur für Arbeit in einem Neubau an der Nischwitzer Breite 2.
Archidiakonat
1894 abgerissenes Gebäude rechts vom Domtor in Richtung Domplatz.} Ehemaliger "Thumherrenhof", der 1580 auf Grund der Konkordie dem Rat der Stadt als Pfarrwohnung überlassen wurde. Bis 1637 Wohnung des Superintendenten. Nach Zerstörung in der Kreuz- und Marterwoche bis 1709 als Diakonat wieder aufgebaut. Das Gebäude stieß an das vor dem Ostchor des Doms stehende Kapitelhaus. Heute Grünfläche mit Gedenkstein (1000 Jahre Wurzen)
Arkaden-Apotheke
Jacobsplatz 11; auf dem Gelände der ehemaligen alten Schmiede. Seit dem 3.7.1993 bis 1995
Armenhaus
Entsprechend der neuen Armenordnung vom 22.10.1840 wurden in den Orten Wohn-häuser für Arme auf Gemeindekosten eingerichtet. 1. (W): a) Am 20.11.1850 wurde das neugebaute "Armenhaus am Köpfplan" (August-Bebel-Straße 40) eröffnet. Diese Einrichtung erwies sich in der Folgezeit als zu groß für die Stadt (Kapazität 70 Personen). Deshalb wurde in dem Gebäude ein Jahr später zusätzlich, allerdings mit separatem Eingang, das erste (neue) Krankenhaus mit untergebracht. Erst 1872 wurde dieses dann in das ehemalige Militärhospital (⇒ Altes Lazarett [1.]) verlegt. Das ehemalige Armenhaus wurde als Wohnhaus für sozial Bedürftige weiterhin genutzt. Seit 1993 Obdachlosenheim der Stadt Wurzen. 2003 abgerissen.} Vorgänger dieser Einrichtung waren: b) das Armenhaus am Crostigall (Postgasse 30), bis 1850 benutzt, dann verkauft, 1989 abgerissen, Grundstück 1990/91 neu bebaut; c) das "Capituls-Armenhaus" (An den Schultreppen 5), an der ehemaligen Treppe zum Pfarrlehen, 1937 abgerissen; d) das "Armenhaus an der Saugrube" (Berggasse 16), 1850 verkauft, Gebäude heute nicht mehr bewohnbar. 2. (D): Das 1853 erbaute Gebäude Dorfstraße 11. Heute unbewohnt 3. (N): Am Sportplatz 2, 1855 erbaut, heute Wohnungen. 4. (R): Hauptstraße 3, heute Einfamilienhaus
Artilleriekaserne
Seit 1902 (Prinz-Georg-Kaserne) nördlich des Stadtparks gelegener Standort des 8. Sächs. Feldartillerie-Regiments Nr. 78 (Gedenkstein im Stadtpark). 1920-1934 zivile Nutzung des Geländes (Wohnungen, Gewerberäume). 1935 remilitarisiert (I. Abt. Flakregiment 13) und nach Norden erweitert. 1945-1992 Nutzung durch die Rote bzw. Sowjetarmee. In dieser Zeit Erweiterung nach Norden. Seit 1996 Abriss der Neubauten. Beginn der Umgestaltung des Geländes (⇒ König-Georg-Wohnpark)
Asgard
Seit dem 22.10.1991 Name für die Gaststätte, die aus dem ehemaligen Vereinshaus der Gartenvereins "Ost" hervorgegangen ist.
Asternweg
Seit dem 4.5.1995 Straßenname in der Eigenheimsiedlung an der Kleegasse.
Auenblick
Seit dem 28.10.1998 für den neuangelegten Zufahrtsweg zwischen Warsteiner Straße und dem Auenrand im Wohn- und Dienstleistungszentrum "Eilenburger Straße" (Gelände der früheren ⇒ Artilleriekaserne).
August-Bebel-Straße
Führt von der Dresdener Straße nordwärts bis zum Ostende der Martin-Luther-Straße. Seit dem 1.8.1945 benannt nach dem Mitbegründer der S.P.D. August Bebel (1840-1913). Die Straße gehört zu dem um 1880-1890 rasch wachsenden Ostviertel der Stadt. Vorher seit dem 16.12.1886 Albertstraße, nach dem sächsischen König Albert (1828-1902).
August-Fleischer-Straße
Seit etwa 1945/46 nach dem 1923 verstorbenen Zigarrenmacher und Mitbegründer der Wurzener Sozialdemokratie August Fleischer. Die erst 1937/38 angelegte Straße verbindet die Schweizergartenstraße mit der Franz-Mehring-Straße. Ursprünglich am 1.1.1938 nach dem Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Carl Peters (1856-1918) Petersweg genannt.
Bad, Badeanstalt
Baden als Freizeitvergnügen und Sport erst nach 1830 in Wurzen fassbar; bis dahin nur als Bereich der Körperpflege und Reinlichkeit verstanden. Seit der Mitte des 19. Jh. sind Badestellen im Freien bekannt, die von der Stadt oder Institutionen betreut werden. Zunächst an den Wasserläufen: 1. das Bad auf der Bleiche (wobei nicht ganz klar wird, ob der Mühlgraben oder eine "Badestube" gemeint ist); 2. die Badestellen im Mühlgraben a) am Trauschkenstein (bis 1845), b) oberhalb der Kuhmuldenbrücke (an der ehemaligen "Pferdeschwemme", bis zum Kanalbau 1925), c) das Militärbad (um 1830 und nach 1887) nördlich der Eisenbahnbrücke im Mühlgraben, 1919 vom Arbeitersportverein "Frisch auf" übernommen, d) das Schrothsche Bad (neben der Woll-wäscherei am Amtsweg) nach 1870 bis 1918; 3. die Badestellen in der Mulde a) für Mädchen am Schützenhaus, für Männer unterhalb der Schießmauern, c) des Gymnasiums (nicht genau lokalisierbar); 4. Altes Stadtbad am Mühlgraben 1885 bis 1925; 5. Neues Stadtbad, nach Abschluss des Kanalbaus neben diesem im Juli 1927 eröffnet, seit 1985 Dammschutz vor Hochwasser, seit 1992 Umbau zu einer modernen Anlage, dabei Abriss des 1885 errichteten Umkleidegebäudes (Fachwerk-Ziegelbau), 1995 Eröffnung des Freizeit- und Erlebnisbades "Dreibrücken"; 6. Goldenes Tälchen, östlich Dehnitz durch Aufstauen des Mühlbaches 1925/26 entstanden, Nutzung bis 1991, Verfall durch Nutzung als "Jugendhaus" beschleunigt, Renaturierung weitgehend abgeschlossen; 7. (Volks-) Schwimmhalle, in der Lüptitzer Straße, Typ "Anklam", 1969-1972 erbaut. 2005/06 aufwändig rekonstruiert.
Baderei
Öffentliche Einrichtung des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wurzens, die vorwiegend hygienischen, aber auch geselligen Zwecken diente. Das Gebäude Wences-laigasse 10 wird heute Baderei genannt; dort können die Badstuben gelegen haben; das Baderwappen am Haus mag ein Hinweis darauf sein. Die Badstube ist seit 1435 bezeugt, in der Baderei tat ein vom Rat bestellter Bader Dienst; 1503 verpachtete der Rat die B
Badergasse
Eine der alten Gassen innerhalb des Mauerrings. Führt von der Südostecke des Marktes nach Osten bis zum Badergraben und mit einer nördlichen Abzweigung bis zur Jacobsgasse. Nach dem einst hier ansässigen Gewerbe benannt} Bischof Johann von Salhausen nannte sie um 1500 in Donatsgasse um (nach dem meißnischen Stifts-heiligen [vgl. Strohgasse bzw. Johannisgasse]). Noch 1852 taucht der Name Donatgäßchen auf. In der Bevölkerung wurde aber die neue Bezeichnung nicht heimisch.} Das Gelände der ehemaligen Stadtbrauerei, Badergasse 1-7, wurde 1993-1995 durch Neubebauung (Wohnungen, Gewerbe) völlig umgestaltet.
Badergraben
Platzartige Straße südlich des alten Mauerrings im Rietzschketal, zwischen Wences-laigasse und Schweizergartenstraße bzw. Jacobsplatz. Ursprünglich ein Teil der alten Stadtbefestigung. Die Rietzschke war hier bis in die Mitte des 19. Jh. zu drei Teichen aufgestaut (Baderteich). Um 1860 wurden die Teiche zugeschüttet und der Platz angelegt. Die um 1890 einsetzende moderne Bebauung schuf den bis heute noch vorhanden "City"-Charakter (Bankgebäude, Jugendstilbauten).
Badersteig
Hochgelegter Fußweg auf der nördlichen Seite des Badergrabens; sicher angelegt, um ein gefahrloses und bequemes Durchqueren des versumpften Badergrabens zwischen Baderpforte und Baderei zu ermöglichen.
Baderteich
Durch Aufstauen der Rietzschke bereits im Mittelalter südlich der Stadtmauer angelegt, das zur Fischzucht genutzte Gewässer war gleichzeitig eine Ergänzung der Stadtbefestigung (Badergraben), in der Mitte des vorigen Jahrhunderts verfüllt.
Baderpforte
Am östlichen Ende der Badergasse gelegener Durchlass durch die Stadtmauer in den Badergraben; Lage heute nur noch durch die "Schlippe" zwischen Badergraben und Badergasse zu erkennen.
Bahnhof
- Der heutige Bahnhof an der Bahnstrecke Leipzig-Dresden geht auf einen Vorgänger-bau zurück, der 1838/39 fertiggestellt wurde. Er lag damals noch weit im Süden vor der Stadt. Ein erster Umbau machte sich 1888, eine umfassende Erweiterung (mit Neubau des Güterbahnhofs) 1911 notwendig. 1923-1928 erhielten Bahnhof und Vorgelände etwa das heutige Aussehen. 2003-2007 erneute Umgestaltung des Bahngeländes (Bahnsteige) und der Außenanlagen (neue Fahrbahnen, Bushaltestellen, Parkplätze, Fußgängerunterführung, Begrünung)} Zwischen 1875/77 besaß Wurzen noch den sogenannten Muldentalbahnhof im Norden der Stadt (heute Sitz des Amtsgerichts). Zwischen 1927 und 1978 existierte am östlichen Ortsausgang von Roitzsch (Körlitzer Straße) ein Haltepunkt der Linie Wurzen-Eilenburg.
- (1838-1934) ⇒ Am Bahnhof
Bahnhofstraße
Verlängerung der Wenceslaigasse nach Süden bis zur Stephanstraße. Seit etwa 1840. Ursprünglich wurde der Weg von der Akzise bzw. dem Johannishospital nach Süden Oelschützer Weg genannt, in den Anfangszeiten des Eisenbahnbaus und -betriebs auch Eisenbahngasse. Nach 1870 begann dann die Straße bereits im oberen Teil der Wenceslaigasse (Ecke Dresdener Straße).
Bahnhofsvorplatz
Barbara, (St.)
Nach der hl. Barbara (vgl. auch Barbaragasse) nannte sich eine Präbende des Stifts (Einnahmen aus dem Dorf Körlitz). Ihr Inhaber bewohnte auf der Domfreiheit ein Haus, das Schöttgen 1717 noch als ein "Privathaus" erwähnt. Es stand neben der Superintendentur und wurde mit dieser 1879 abgerissen, als Baufreiheit für das neue Schulgebäude geschaffen wurde. Von dem "St. Barbara" genannten Haus stammt die gleichnamige Plastik im Museum sowie ein Schrank mit der Türinschrift Sancta Barbara Patrona Huius Domus Constructe 1499 (die heilige Barbara [ist] die Schutzherrin dieses Hauses, [das] 1499 gebaut [worden ist]). Die lateinische Inschrift war sicher der Text einer Tafel, die am Ostgiebel des Gebäudes angebracht war. Das lässt eine Zeichnung des Hauses im Museum vermuten. Das ebenfalls darauf abgebildete spätgotische Sitznischenportal aus der 2. Hälfte des 16. Jh. befindet sich heute am Eingang zum "Eiskeller" der ehemaligen Juelschen Villa (Alte Nischwitzer Straße 3). Von 1819 bis 1879 befand sich in dem Haus St. Barbara der Versammlungsort der St.-Johannis-Loge (⇒ Loge)
Barbaragasse
Die Gasse beginnt im unteren Teil der Wenceslaigasse, geht von dieser nach Osten ab zum Sperlingsberg, biegt dort nach Süden um und verläuft östlich des Wenceslakirchhofes bis zur Dresdener Straße. Der Name geht bestimmt bis in die Zeit des Bischofs Johann von Eisenberg (1342-1370) zurück, der als besonderer Verehrer der hl. Barbara in Erscheinung getreten ist und auch der Stifter der gleichnamigen Präbende war.
Barsinghäuser Straße
Seit dem 13.5.1998 für die Verlängerung der Alten Nischwitzer Straße nach Norden in das frühere Kasernengelände. Nach der Partnerstadt Wurzens (seit 20.10.1990) im Landkreis Hannover.
Bäßlerstraße
Seit dem 4.5.1995 Straßenname im Gewerbegebiet "Eilenburger Straße". Nach dem Unternehmer und Wurzener Ehrenbürger Carl August Bäßler (1809-1902) benannt, der die Zigarrenfabrikation in Wurzen einführte und sich um Sparkasse und Feuerlöschwesen verdient gemacht hat.
Beamtenhaus
Am Mühlgraben 4. Klassizistisches Gebäude aus der Mitte des 19. Jh., nördlich an die ⇒ Krietschvilla anschließend. Bezeichnung volkstümlich seit Anfang des 20. Jh. (weil in ihm die "Beamten" der Mühlenwerke wohnten). Baulicher Verfall seit etwa 1970. 2000 abgerissen.} Beethovenstraße} Führt vom Rondell bis zum Steinhof. Seit dem 1.8.1945 nach dem Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827). Ursprünglich hieß der östliche Teil der Straße vor dem Alten Friedhof (bis zum Johannishospital) Leichengang oder nach Werl 1869 Friedhofstraße, der westliche (zwischen der ehemaligen Akzise und dem Steinhof) zunächst Scheunengasse (nach den früher dort befindlichen Scheunen) und von 1874 bis 1922/23 Lindenstraße. Nach der Ermordung des Reichsaußenministers Walther Rathenau (1867-1922) wurde der gesamte Straßenzug nach ihm Rathenaustraße genannt. 1933 bis 1945 trug sie den Namen des ehemaligen Kampffliegers und NS-Reichsministers für Luftfahrt (Hermann) Göring (1893-1946).
Bei der Scharfrichterei
Stellenbezeichnung (⇒ Scharfrichterei)
Beim Gericht (1542, 1707)
Konnte in früherer Zeit eigentlich zwei verschiedene Stellen bezeichnen: 1. Als Am Köpfplan noch um 1870 bekannt. Richtstätte der Stadt zwischen heutigem Clara-Zetkin-Platz und katholischer Kirche. 2. Das Hochgericht (Galgen an der nördlichen Weichbildgrenze).
Bei Möbel-Zimmermann(s)
Volkstümlich für die platzartige Straßenkreuzung Dresdener Straße/ Karl-Marx- bzw. Beethovenstraße, nach dem ehemals anliegenden Möbelgeschäft (2009 mit allen Nebengebäuden abgerissen) benannt. Ursprünglich hieß diese Stelle Am Rondell (oder Rundeel).
Bennewitz
Dorf und Gemeindeverband gegenüber Wurzen westlich der Mulde. Ersterwähnung 1335 als Bonewitz. Name slawischen Ursprungs: "Ansiedlung der Leute des Bono". Ursprünglich Platzdorf um romanische Kirche (“Hinten”). Seit Ende des 19. Jh. Erweiterungen durch Industriesiedlung (Tonwarenfabrik) und Eigenheimsiedlungen (Mark Ottendorf). 1950-1974 Ortsteil von Wurzen Das Dorf gehörte anfangs zum „Wurzener Land“ und war eine der 6 „alten“ Präbenden des Stifts. 1378 ist es bereits beim Amt Naunhof verzeichnet, mit diesem kommt es 1547 zum Amt Grimma (wie Deuben und Grubnitz)
Berggasse
Die Verlängerung des Amtsweges von der Muldengasse bis zum Gerhart-Hauptmann-Platz hinauf. Der Name, der sich auf die Lage der Gasse bezieht, findet sich bei Werl 1869, ist aber sicherlich schon älter. Bei Koch und Bergt finden sich noch die Bezeichnungen Bischofsreitweg bzw. Salhausenscher Reitweg, ohne dass genauere Angaben zur Zeit der Benennung erfolgen.
Bergstraße (R)
Führt von der Kreuzung südlich des ehemaligen Rittergutes Roitzsch von der Haupt-straße nach Südosten eine Anhöhe hinan. Vermutlich seit den 1930-er Jahren, als hier die Bebauung begann. Die nördlichen Zweige der Straße heißen seit dem 1.1.1994 Kornhainer Straße bzw. Am Wall.
Berufsschule
Seit 1947 das Gebäude des ehemaligen Gymnasiums (Straße des Friedens 12); seit 1992 Berufliches Schulzentrum Wurzen (Haus 1). In der Aula im zweiten Obergeschoss befinden sich die von Max Seliger 1908/09 geschaffenen Wandbilder "Sokrates im Kreise seiner Schüler" und "Mars unterweist die Jünglinge" (1986 restauriert) 2005/06 umfangreiche Sanierung und Baumaßnahmen am Gebäude und im Außenbereich (Beseitigung des alten Baumbestandes im Schulhof).
Beyerleinsches Haus
Bis 1904 auf der Einmündung des Badergrabens in die Wenceslaigasse stehendes zweistöckiges Gebäude, das schräg in die letztere hineinragte und den Durchgang zum Badergraben auf zwei Meter verengte. Sein Abriss stand im Zusammenhang mit dem Bau der s.g. Rahnschen Häusern (Modehaus und weitere Bauten auf der Südseite des Badergrabens.
Bezirkskommando
⇒ Alte Kaserne
Bibliothek
Die heutige Stadtbibliothek ist seit 1946 im Rathaus am Markt untergebracht. Seit 1818 sind Bibliotheken, die der Öffentlichkeit zugänglich waren, in Wurzen bezeugt ("Panzers Leihbibliothek"). 1874 beschließt der Rat, eine "Volksbibliothek" zu gründen. Das wird von der Kreisdirektion abgelehnt. Erst 1878 kommt es zur Gründung der Volksbibliothek, die allerdings vom Gewerbeverein getragen wird und an der sich aber die Stadt mit Zuschüssen beteiligt. Die Bücher werden vom Feilenhauer Reinhold Adolf Köhler am Jacobsplatz verwahrt und betreut. 1919-1926 Volksbibliothek im "Vaterländischen Jugendheim" Domgasse 2. Danach wird die Volksbücherei (nunmehr in städtischer Trägerschaft) bis 1936 im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht. 1936 Umzug der Städtischen Bücherei ins Stadthaus. Nach 1946 Städtische Bücherei mit Kinderabteilung, 1948 selbständige Kinderbibliothek (eine der ersten in Sachsen). Ab 1952 Stadt- und Kreisbibliothek; 1963 Freihandbibliothek, nach 1981 mit Phonothek und Artothek. 1990 Stadtbibliothek. Seit 2004 Teil des städtischen Kulturbetriebes
Birkenwäldchen
Um die Jahrhundertwende angelegter, beim Bau des Neuen Stadtbades bis 1927 in dieses teilweise einbezogener Birkenhain auf dem Fährwinkel westlich des Freibades und nördlich des Eisenbahndammes; nach Eindeichung 1985 vollständig in das Gelände des Freibades einbezogen.
Bismarckstein
⇒ Stadtpark
Bismarckstraße
(1894-1945) ⇒ Rosa-Luxemburg-Straße
Bismarckturm
Aussichtsturm auf dem Wachtelberg, 1909 eingeweiht; 1945 durch Beschuss beschädigt, lange dem Verfall preisgegeben, 1975-1984 Sanierung und Aufbau einer Dokumentation zum Naturschutz in seinem Inneren
Blankenburg, die
In Militärkreisen vor 1890 aufgekommener Name für das Gebäude Schweizergartenstraße 16, das Baumeister Hermann Blankenburg erbaut hatte und in dem bis 1889 die 3. Komp. des 3. Jäger-Bat. Nr. 15 untergebracht war
Bleichbach
Wasserlauf, der zum Fließengefüge des Mühlgrabens gehörte und über den ehemaligen Bleichplan floss. Sein Wasser wurde zum Bleichen genutzt. Seit 1925 nicht mehr vorhanden. Mit der Gelben Lache gleichzusetzen.
Bleiche
Nicht mehr vorhandener Stadtteil unter der Gerichtsbarkeit der Stadt, aber unter der Ver-waltung des Amtes; auf einer Insel in der Aue, von Mühlgraben und Wüstem Gerinne umflossen. "Die unweit [vom Schießhaus] gelegenen Häuser nennet man 'auf der Bleiche', sie gehören unter den Rath, haben aber unter sich eine absonderliche Ordnung." (Schöttgen 1717)} Im 19. Jh. noch 28 Wohngrundstücke und ein Backhaus (Altes Backhaus). Seit 1925 vollständig im Industriegebiet der Krietschwerke (⇒ Mühlen) aufgegangen.
Bleichplan
Bis 1925 Wiesengelände in der Aue westlich der Bleiche, zwischen dem Wüsten Gerinne und der Gelben Lache gelegen. Heute ein Teil der Mühlenwerke.
Blockheizkraftwerk
⇒ Heiz(kraft)werk
Blücherstraße
(1913-1945)} ⇒ Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße
Blüthgens Restaurant
⇒ Gasthöfe ...
Boockweg
Seit dem 28.10.1998 für die Neuanlage am nördlichen Ende des Wohn- und Dienstleistungszentrums "Eilenburger Straße". Führt von der Eilenburger Straße nach Westen bis zum Auenrand. Nach Georg Boock (1891-1961), Erster Bürgermeister von Wurzen (1927-1933); Oberbürgermeister von Wurzen (1945/46) und Erfurt (ab 1946).
Boelkeweg
(1934 - nach 1945) ⇒ Paul-Geißler-Straße
Borngemeinde, Altstaedter Borngemeinde
Bewohner (Nachbarn) der Wurzener Altstadt, die finanziell und durch Arbeitsleistungen zur Wartung und Erneuerung der Wasserleitung, die vom Tonneborn in die Stadt führte, verpflichtet waren
Bootshaus
Damit wird heute die von der ehemaligen Wurzener Rudergesellschaft ab 1898 errichtete Anlage gegenüber dem Neumühlenwehr an der Damaschkestraße gemeint (⇒ Am Bootshaus). Es gibt aber noch auf der Schmölener Seite der Mulde das heute der Stadt gehörende Bootshaus der ehemaligen "Rudervereinigung Wiking“ (1926 fertiggestellt)} Bis in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg gab es noch weitere Bootshäuser am Mühlgraben vor den Müh-lenwerken
Börse, Fremdenhof zur Börse
1855 an der ehemaligen Akzise (heute Kreuzung Bahnhof-/ Beethovenstraße) erbauter Gasthof. Seit 1882 bis zur Schließung nach 1960 im Eigentum der Familie Barthel (deshalb auch bei Barthels). Wegen Baufälligkeit 1981 abgerissen und Grundstück zur Grünanlage umgestaltet. Erhalten blieben die unter dem Gebäude aufgefundenen Keller mit Tonnengewölben aus dem 18. Jh.
Brand-Ellern
(N) Flurstück östlich von Nemt, nördlich der Straße nach Burkartshain. Dort befanden sich früher auf sumpfigem Boden etliche Erlen. Dort soll es öfter gebrannt haben, und diese Brandherde mussten ständig unter Kontrolle gehalten werden.
Brandgrube, Brandgrubenfelder, Brandgruben-stücken
Flurstücke nördlich der Stadt, nördlich des ⇒ Krümmlings zwischen ⇒ Lehmgrube [1.] und Kieselberg (heute etwa das Gelände der Eigenheimsiedlung an der Kleegasse). Die zu den ⇒ Mittelfeldern hin gelegene Brandgrube ist im Zusammenhang mit der westlich benachbarten Lehmgrube zu sehen. Hier wurden die Lehmziegel luftgehärtet bzw. "gebrannt".
Brandtafeln
In Hausfassaden eingelassene beschriftete Steintafeln, die an Stadtbrände erinnern: Johannisgasse 3 (6.4.1631; heute im Museum); Schuhgasse 6 (12.9.1704; hier auch Beschriftung des alten Tür- und Fenstergewendes).
Brauerei
Bis 1993 die Grundstücke Badergasse 1-7. Für das einst in Wurzen so wichtige Brau-gewerbe gibt es heute keine gegenständlichen Zeugen mehr. Lediglich alte Keller (z.B. unter dem Rathaus) könnten darauf hinweisen.} Von den alten brauberechtigten Grundstücken sind lediglich noch das Rathaus, die Ratsgarküche (Markt 2) oder Amtshof 2 bekannt (hier stand bis 1878 das Gebäude der ehemaligen Stiftsbrauerei, das allerdings schon seit 1818 von einer Tabakwarenhandlung, ab 1839 als Zigarrenfabrik genutzt wurde).} 149 Bürger waren 1826 brauberechtigt, als die Stadt die am Markt (Nr. 5 und 6) und in der Badergasse befindliche Brauerei des Kammerherrn von Holtzendorf aufkaufte. Die "Stadtbrauerei" wurde 1888 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach 1960 wurde der Betrieb eingestellt. Baulich völlig verfallen, wurden die Gebäude in der Badergasse 1993 abgerissen und die Flächen bis 1995 neu bebaut.} Von 1887 bis 1893 gab es in der Torgauer Straße 6 die "Feldschlößchenbrauerei" (⇒ Kleingartenspar-te Feldschlößchen). Das Konkurrenzunternehmen wurde von der Stadtbrauerei AG aufgekauft und stillgelegt.
Breiter Berg
Nordöstlich von Wurzen; zum größten Teil auf Lüptitzer Flur; westlicher Teil hieß Weinberg, ein Hinweis auf Weinbau in der Bischofszeit. Die zur Stadt hin geneigten Hänge waren die Worthauer Lehden (nach der ⇒ [Wüsten] Mark Warthau).
Brösch, der
(R) Ehemaliges Sumpfgelände an der östlichen Flurgrenze von Roitzsch; wird durch die Straße nach Körlitz gequert.
Bruch, der
(D) Sumpfige Auenflur südwestlich von Dehnitz (⇒ die See)
Brücken
Bis ins 19. Jh. gab es in Wurzen nur Stege und 2 kleine Brücken (vor dem Wenzelsor und am späteren Wettinerplatz) über die Rietzschke bzw. die Mühlgrabenbrücke oberhalb der Stadtmühle. Ein Überqueren der Mulde war nur mit der Fähre möglich. Lediglich 1813 wurde die Mulde kurzzeitig durch militärische Ponton- bzw. Floßbrücken passierbar gemacht. Die Brückenbauten des 20. und 21. Jh. gehen auf Vorgänger aus dem 19. Jh. zurück}
- Brücken über Mulde und Aue: a) die Strombrücke: 1830 in Holzkonstruktion auf Steinpfeilern errichtet, 1936 Ersatz durch eine monolithische Stahl-Beton-Brücke neben der alten, 1945 Sprengung, Errichten einer Holzbrücke auf den Trümmern, 1946/48 Neubau, 1961 bzw. 1993/94 Verbreiterungen} Verlust des mittleren Pfeilers beim Hochwasser im August 2002. 2005/07 Ersatz aller Straßenbrücken durch eine neue Zügelgurtbrücke über Kanal und Aue (Vorlandbrücke) und Strom nördlich der bisherigen Brücken. Übergabe der neuen Brücke am 25.05.2007, anschließend vollständiger Rückbau der alten Brücken. b) die Flut- oder Landbrücke: 1830/31 ebenfalls in Holzkonstruktion auf Steinpfeilern, 1930 Ersatz durch Steinbrücke. Rückbau 2007 c) die Kanalbrücke: 1925 als Verlängerung der Landbrücke, 1945 Sprengung, Wiederaufbau bis 1948. Rückbau 2007} d) die Fußgängerbrücke über den Kanal, erbaut im Zuge der Umgestaltung der Aue durch die Anlage des Betriebskanals 1927, 1945 zerstört, Wiederaufbau bis 1952 ("Pionierbrücke"). e) die Eisenbahnbrücke: 1835 in Holzkonstruktion auf Steinpfeilern (erste deutsche Eisenbahnbrücke), 1875 Ersatz der Holzkonstruktion durch Stahl, 1945 Sprengung und Bau einer Notbrücke, Ersatz durch einspurige Stahlbrücke, Wiederaufbau 1967/69; Neubau (Stahlbeton) unmittelbar nördlich neben der alten Stahlbrücke 1999-2001 im Zuge des Ausbaus der ICE-Strecke Leipzig-Dresden; danach Rückbau der alten Brücke.}
- Brücken über den Mühlgraben: a) die Mühlgrabenbrücke der Staatsstraße (heute B 6): 1831 Holzkonstruktion, 1927 Abbruch und Ersatz durch Dammschüttung; b) die Kuhmuldenbrücke an der ehemaligen Pferdeschwemme: um 1890 erbaut, ursprünglich aus Holz, 1898 in Stein ausgeführt, 1927 abgerissen und durch Rohrdurchläufe ersetzt; c) an der Rodelbahn (seit 1925); d) in der Teppichfabrik (seit 1925). 2006/07 Neubau für die Verlängerung der Straße des Friedens zur ⇒ Westtangente.} e) Bockbrücke: Fußgängerbrücke in Verlängerung der Parkstraße, ehemaliger Zugang zur Gebhardt-Promenade (in den 1930-er Jahren abgebrochen); } f) die Mühlgrabenbrücke der S 11 (⇒ Westtangente) westlich der Juelstraße, 2006/07 erbaut.} 3. Brücken über Dehnitzer Lache und Mühlbach: a) am Weg zur Dehnitzer Kahnfähre (über die Lache); seit 1910 mit Beginn des Fährbetriebs; Zerstörung durch Hochwasser 1954, im Jahr darauf Neubau; nach Hochwasserschaden 1987 Sperrung und 1992 Ersatz der alten Holzbrücke durch eine 46 m lange Stahlkonstruktion aus dem Wutra-Werk; b) Steinbrücke über den Mühlbach in Dehnitz; c) Straßenbrücke über den Mühlbach (Oelschützer Straße); d) Straßenbrücke und Stege über den Mühlbach in Nemt.
Brückenschule
⇒ Förderschule für geistig Behinderte
Brummochsen Wiese
(Geol. Specialkarte Kgr. Sachsen)} ⇒ Ochsenwiese (R)
Brunnen
Neben natürlichen Oberflächengewässern (z.B. Rietzschke) waren die Brunnen für das mittelalterliche und auch noch neuzeitliche Wurzen zur Trinkwasserversorgung unent-behrlich. Drei Quellbrunnen sind mit Namen und Lage bekannt:
- der Gela- oder Quickborn in der Färbergasse;
- der Nelkeborn westlich unterhalb des Steinhofes am Crostigall;
- der Tonneborn außerhalb der Stadt an der Torgauer Straße. Außerdem hat es sicher zahlreiche Hausbrunnen gegeben. Auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofes zur Rose auf dem Crostigall ist einer noch heute vorhanden.} Vom Tonneborn wurde mindestens seit dem 17. Jh. in einer Holzrohrleitung das Wasser bis zur Jacobsgasse und zum Markt geleitet. Dort standen Röhrenkasten, aus denen das zufließende Wasser geschöpft werden konnte.
- Nach 1820 ließ der Rat bis 1880 insgesamt noch 14 Einzelbrunnen mit gußeisernen Handpumpen (die sogenannten Plumpen) anlegen. Einige von ihnen waren bis nach 1970 noch funktionstüchtig. Seit 1893 hat die Druckwasserversorgung der Stadt die Brunnen überflüssig gemacht.} Nicht mehr der Wasserversorgung, sondern stadtgestalterischen Absichten verdanken ihre Existenz: der Lutherbrunnen vor dem Dom, der ⇒ Marktbrunnen (Ringelnatzbrunnen), ein Brunnenbecken mit "Plumpe" in der Wenceslaigasse (1994); drei Springbrunnen (zwei im Stadtpark und einer südlich des Ehrenmals).
Buchenweg
Seit 01.10.2007 für „Am Güterbahnhof“. Befestigter Weg südlich des Bahngeländes zwischen Liststraße und der noch vorhandenen Südrampe der früheren ⇒ Muldenta-bahn. Volkstümlich auch Schwarzer Weg. Führt als Pfad weiter bis zum ⇒ Nemter Weg.
Büchnerweg
(1934-1945) ⇒ Haydnstraße
Bürgergarten
⇒ Friedenslichtspiele
Bürgermeister-Schmidt-Platz
Liegt im Nordosten der Stadt. Seit dem 1.8.1945 nach dem Bürgermeister und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Julius Theodor Schmidt (* 1811 in Wurzen, † 1869 in den USA). Das Gelände wurde bis ins 19. Jh. z.T. als Sand- bzw. Müllgrube genutzt. 1875/77 führten noch die Gleise der Muldentalbahn darüber. Baulich in die Stadt einbezogen wurde das Terrain erst mit dem Bau der Jäger- bzw. Infanteriekaserne. 1889-1904 hieß deshalb der vor der Kaserne neu angelegte, aber noch spärlich umbaute Platz Kasernenplatz. 1904 wurde er nach dem Ehrenbürger von Wurzen Richard Graf von Koenneritz (auf Lossa [1910 in Wurzen verstorben]) in Könneritzplatz umbenannt.
Bürgermeisterwiese
Eine Wiese am Bürgerwerder, deren Nutzung einst dem Bürgermeister vorbehalten gewesen sein soll.
Bürgerschule
Name der Stadtschule nach 1835, zunächst nur für die alte Schule auf der Südseite des Domplatzes, dann für den Neubau auf der Westseite (Mädchenschule) und den Neubau in der heutigen August-Bebel-Straße (Knabenschule). Die Bezeichnung kam nach 1919 offiziell außer Gebrauch.
Bürgerwerder
Bis ins 19. Jh. übliche Bezeichnung für ein Wiesengelände nördlich der späteren Land-brücke. Da es an das Schützenhaus anschloss und hier regelmäßig Schützenfeste statt} fanden, kam schon zu Ende des 19. Jh. im Volksmund der Name Schützenwiese auf. Dort fanden bis nach 1945 alle Arten von Volksbelustigungen (Jahrmärkte und Zirkus) statt. Nach 1945 kam die Bezeichnung Muldenwiesen auf. Der Bürgerwerder wurde 1925/27 durch den Betriebskanal zerschnitten, sein östlicher Teil ging im Gelände der Mühlenwerke auf.
Busbahnhof
Volkstümlich für die beiden wichtigen Bushaltestellen am Clara-Zetkin-Platz (angelegt 1966) und auf dem Bahnhofsvorplatz. Neu gestaltet 2003.
Canitzer Weg
Seit dem 28.10.1998 für die Neuanlage zwischen Weichertstraße und Thallwitzer Weg im Wohn- und Dienstleistungszentrum "Eilenburger Straße, nördlich der alten ⇒ Artilleriekaserne. Nach dem Dorf Canitz, nördlich von Wurzen.
Carl-Magirius-Straße
Führt von der Beethovenstraße nach Süden bis zur Bahnunterführung. Umbenennung des stadtinneren Teils des Dehnitzer Weges am 15.04.1997. Nach dem Wurzener Pfarrer Carl Friedrich Moritz Magirius (1886-1967), der sich im Widerstand gegen Nationalsozialismus und gegen Vereinnahmung der Kirche nach 1945 hervortat.
Carolastraße
(1886-1945) ⇒ Schillerstraße
Central-Theater
Name des ehemaligen Kinos in der Schweizergartenstraße. In einer Gaststätte wurde das Kino 1908 eröffnet. 1910/14 Umbau und Erweiterung auf 450 Plätze. 1948 Übernahme in die "Lichtspieltheater Sachsens"; 1953 mit den Friedenslichtspielen zum Kreislichtspielbetrieb Wurzen. Nach Schließung 1970 Umwandlung in einen Jugendclub. Die Eingangszone des früheren Kinos ist 1994/95 zur Kulturkneipe "Harlekin" umgebaut worden. Seit 1998 unbenutzt und nach Dachstuhlbrand 1999 verfallend.
Chausseehaus
Beim Bau der Muldenbrücken 1830 errichtetes klassizistisches Gebäude für die Erhebung des Brückenzolls. 1932 abgerissen. Es stand an der Strombrücke gegenüber dem Tivoli, später Gasthaus Drei Brücken
Clara-Zetkin-Platz
Im Osten der Stadt, zwischen Martin-Luther- und der weiterführenden Torgauer Straße. Seit dem 1.8.1945 nach der Mitbegründerin und Führerin der deutschen und internationalen Frauenbewegung (1857-1933). 1935-1945 Platz der SA (im Hofgebäude des Malermeisters Nürnberger am Platz hatte sich das erste Versammlungslokal der SA befunden). 1891-1935 Torgauer Platz. Ursprünglich ein altes Wegekreuz östlich vor der Stadt, an dem sich der Köpfplan befand. Seit Anfang der 1960er Jahre einer der beiden Busbahnhöfe der Stadt.
Collmener Straße
1.: Ursprünglich der "Weg nach Collmen" (seit dem 16. Jh.), dann die Straße, die von der alten Eilenburger Straße nach Norden weiterführt, wo jene nach Nordwesten als Eilenburger Chaussee abbog. Seit 1953 trägt nur noch der äußere Teil (ab Einmündung der Zillestraße) diesen Namen, der innere Teil ist seitdem die Theodor-Körner-Straße.
2.: Name des neuerschlossenen Gewerbegebietes südlich von 1. (seit 1993).
Conleyring
Seit dem 19.05.1999 für die Neuanlage im Baugebiet "Alte Gärtnerei" westlich des Dehnitzer Weges. Nach dem Major der US-Army, Victor George Conley (1917-1989), dem am 24.04.1945 Wurzen kampflos übergeben wurde.
Cremeze (1284)
⇒ Grenzgraben
Crimmitzschweg (N)
Flurweg östlich von Nemt. Er führt vom Oberen Anger an der Straße nach Burkartshain nach Südwesten in Richtung Grenzgraben. Die Flur, die der Weg durchschneidet, heißt die Krimmitzsche (Krimmitzsche Lehden). Nach Ebert (1930) könnte im Flurnamen der ursprüngliche Ortsname von Nemt weiterleben. Ein Zusammenhang mit dem 1284 genannten Cremeze drängt sich auf, aber die Herleitung aus slaw. granica "Grenze" dürfte schwierig sein. Nicht auszuschließen ist auch für den ersten Namensteil ein Patronymikon, das auf den PN "Krimaš" zurückgeht (vgl. Crimmitschau).
Crostigall, der (mundartlich dr krostscher)
Von der Wenceslaigasse oberhalb der Wenceslaikirche bis zum Steinhof hinab. Straßen-} zug, der zur so genannten Wenzelsvorstadt gehörte. Bei Ortsangaben heute sowohl "im" als auch "auf (de)m" Crostigall. Ersterwähnung 1340 (in Crostigalo). Der Name ist slawischen Ursprungs: "Eichengestrüpp".} Einer der beiden Terrassensporne am östlichen Auenrand, auf denen die Siedlungsentwicklung Wurzens begann. Hier durchstößt der darunterliegende Pyroxengranitporphyr die pleistozänen Deckschichten (Reste mittelalterlicher Steinbrüche: der "Hohlweg" und das Pandurenloch). Auf dem Crostigall waren zunächst Adlige belehnt (⇒ Freigut, Gaudlitz), später erst wurde das Terrain aufgesiedelt. Der heutige durchgehende Straßenzug entstand erst um 1700, wobei auch die Heisten im unteren Teil (Hohlweg) aufgemauert wurden. Bis 1843 Sondergemeinde: Der nördliche Teil stand "unter dem Amt" (d.h. er unterlag der Gerichtsbarkeit des Amtes), der südliche Teil unterstand dem Rat. Das Freigut (Steinhof zum schwarzen und weißen Kreuz) unterstand keinem von beiden, war schriftsässig und im Besitz der niederen Gerichtsbarkeit.
Custodie
⇒ Kustodie