Mädchenschule
1891-1949 die Bürger- bzw. Volksschule am Domplatz 7 (⇒ Diesterwegschule).
Mägdeleinschule
Wohl schon um 1542 vom Rat eingerichtet. 1600 wird "an der Mauer" ein besonderes Gebäude als Mädchenschule errichtet. Dieses fällt dem Stadtbrand vom 12.9.1704 zum Opfer. Danach wurde die Schule neben der ⇒ Lateinschule auf der Domfreiheit untergebracht. Bis 1829 nur einklassig. 1835 in der Bürgerschule aufgegangen. Das Gebäude, in dem die Mägdeleinschule untergebracht war, wurde mit anderen Gebäuden 1888 weggerissen. Der spätgotische Torbogen von 1584 blieb im städtischen Bauhof erhalten und wurde 1948 im Seitengebäude des ⇒ Museums zur Johannisgasse hin eingebaut
Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasium
⇒ Gymnasium (2.)} Malerwinkel} Oft gemalte Stelle am nördlichsten Punkt der Schlossmauer. Ursprünglich stießen hier Schloss- und Stadtmauer zusammen. In der Schlossmauer befand sich eine Rundbogenpforte. Mauer und Pforte wurden nach 1970 beseitigt, um für die Polizei eine Zufahrt zu den Amtsgärten zu schaffen.
Margaretenkreuz
Auf Anregung des Wurzener Geschichts- und Altstadt-Vereins wieder errichtetes Holzkreuz am Muldeufer auf Oelschützer Flur nördlich der Sonnenmühle. Fertigstellung 17.10.1998. Zur Erinnerung an die Grimmaerin Margarete Gey, die sich am 3.9.1924 in Grimma aus Verzweiflung in die Mulde stürzte und am 1.10.1924 am Muldeufer unterhalb des heutigen Kreuzes aufgefunden wurde. Das Kreuz ist bereits das dritte an dieser Stelle.
Marienstraße
Führt als Verlängerung der Rosa-Luxemburg-Straße nach Norden bis zur Lüptitzer Straße. Typisch für die Arbeiterwohngebiete im Osten der Stadt. Name vom 5.10.1898 bis zum 31.5.1933 und erneut seit dem 1.5.1991, nach der Tochter des Mühlendirektors Alexander Paarmann, der die Straße anlegen ließ. 1933-1945 Mutschmannstraße nach dem NS-Gauleiter von Sachsen (1879-1948). Seit 1.8.1945 Ernst-Thälmann-Straße nach dem Führer der KPD Ernst Thälmann (1886 - ermordet 1944).
Markt
Amtliche Bezeichnung wieder seit 1990. Vorher seit den 1950-er Jahren Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (die Tafel am Rathaus enthielt niemals die rechtschreiblich exakte Form!).} Der Platz von ca. 50 m x 70 m Größe wurde um etwa 1200 angelegt und war seitdem der Mittelpunkt der Rechtsstadt. Die Anlage aus der Zeit der Ostkolonisation weist typische Merkmale neben seiner Rechteckigkeit auf: Sie befindet sich vor der älteren Burg und Vorburgsiedlung, deren Grenze den Westrand des Platzes bildet. Von seinen vier Ecken gehen die Gassen exakt in die vier Haupthimmelsrichtungen ab.
Marktbrunnen
1.: Der bis um 1830 auf dem Markt existierende Röhrenkasten, zu dem das Wasser des Tonneborns geleitet wurde.
2.: Der so genannte Ringelnatzbrunnen. 1982/83 im südöstlichen Teil des Marktplatzes als Trogbrunnen mit Brunnenstock (beides aus Lobejüner Porphyr) errichtet. Die Brunnenbekrönung aus Bronze (von Dieter Dietze aus Leipzig) macht das Bauwerk als Denkmalsbrunnen kenntlich: Ein Klabautermann mit den Zügen von Ringelnatz reitet auf einem Seepferd (= Ringelnatz). Die Reliefs aus Bronze und die steinernen Wasserspeier schuf Hartmut Klopsch aus Leipzig. Einweihung am 25.6.1983 im Rahmen des 12. Parkfestes der Stadt und zu Ehren des 100. Geburtstages des Dichters. Im Zuge der Marktneugestaltung 2006 an die SO-Ecke des Marktes versetzt.
Marktkapelle
Von ihr ist nichts urkundlich oder archäologisch überliefert. Schöttgen 1717 bezieht sich auf Dr. Johann Schreiter (1578-1638), wenn er mitteilt: "Eine kleine Capelle mag zu Ende des zehenden und Anfang des eilfften Jahrhunderts am Markte gegen Abend zu, wo itzund des Kannegießers Haus ist [Markt 12/13], gestanden haben." Damit könnte eine erste Burgward-Kirche gemeint sein, auf die auch Thietmar von Merseburg in seiner Chronik Bezug nimmt. Sie müsste nach Schöttgens Ortsbeschreibung am Rande der Vorburgsiedlung östlich der Wurzener Burg gelegen haben.
Marthastraße
(Ende 19. Jh. bis 1945)} ⇒ Franz-Mehring-Straße
Marthator
Kein Stadttor, sondern das westliche Ende der heutigen Franz-Mehring-Straße (bis 1945 Marthastraße) gegen den Sperlingsberg. Um 1960 abgerissen.
Martin-Luther-Straße
Sie stellt die Verlängerung des Jacobsplatzes nach Osten dar und führt bis zum Clara-Zetkin-Platz. Seit dem 1.8.1945 nach dem deutschen Reformator (1483-1546). Ursprünglich hieß der Straßenzug nach Osten Torgauer Straße. Erst am 1.1.1938 wurde deren innerer Teil in Ludendorffstraße nach dem Ersten Generalquartiermeister unter Hindenburg im 1. Weltkrieg Erich Ludendorff (1865-1937) umbenannt.
Marxens Hof
⇒ Stadtgut, Schmiedegasse
Mäuseturm
⇒ Stadtpark
Meergen, das
(N; Geol. Specialkarte Kgr. Sachsen 1884); auch Mohrichen, Mörigen oder Mierichen} Ehemaliges feuchtes Wiesengelände östlich des Läuseberges (zwischen Oelschützer Straße und Nemt). Name bedeutet "kleines Moor".
Meisterei
⇒ Scharfrichterei
Militärhospital
⇒ Altes Lazarett
Mittelfelder
Alte Flur nördlich der Stadt, stieß zwischen dem alten Weg nach Nischwitz (Alte Nischwitzer Straße nördlich der Artilleriekaserne) und dem Kieselberg "an die Nischwitzer Grenze".
Mittelschule Nord
⇒ Schulen (18.)
Moltkestraße
(1911-1947)} ⇒ Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße
Mozartstraße
Zwischen Clara-Zetkin- und Bgm.-Schmidt-Platz. Seit dem 1.8.1945 nach dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Ursprünglich - vor der Überbauung des Geländes - Teil eines alten "Weges nach Lüptitz" (heute Lüptitzer Straße), der 1897 noch als (Lüptitzer) Kommunicationsweg bezeichnet wird. Wahrscheinlich 1904 erhielt dann die neue bebaute Straße den Namen Kurze Straße (bis 1945).
Mühlbach
Rechter Zufluss zur Mulde. Er entspringt östlich von Sachsendorf im nördlichen Teil des Wermsdorfer Forstes, unweit der B 6, durchfließt nach Sachsendorf auch Burkartshain (bis hierhin Grenze des „Wurzener Landes“ gegen das Amt Grimma im 17./18.Jh.), Mühlbach und Nemt, umfließt den Wachtelberg südlich (heißt hier unterhalb des Golde-nen Tälchens auch Dehnitzbach) und mündet bei Dehnitz in die Mulde (⇒ Dehnitzer Lache). Für den Bereich der Dehnitzer Flur sind auch die Namen Dorfbach (die!), Hechtbach, Gründlingsbach oder Röhrwiesenbach überliefert. In erdgeschichtlich früherer Zeit ist er sicherlich weiter nördlich in die Mulde geflossen. Darauf weist der starke Grundwasserstrom zwischen Wurzen und dem Wachtelberg hin (⇒ Eierpfuhl [2.]; Wasserwerk).
Mühlbacher Straße (N)
Seit dem 1.1.1994. Geht vom Wolfstellenweg am Nordrand von Nemt in Richtung Mühlbach.
Mühle, die
(1766) Flur nördlich von Wurzen, westlich des Windmühlenweges und nördlich der Kleegasse. ( ⇒ Mühlen){/slider}
Mühlen
Wurzen wird in jüngster Zeit zuweilen als der älteste Standort für Mühlen in Sachsen genannt (Böhm 1990). Danach kann man bereits für das Ende des 10. Jh. Mühlen im heutigen Stadtgebiet vermuten. Urkundlich lassen sie sich solche allerdings erst für viel später nachweisen. Den Anfang machen die Wassermühlen.}
1. Wassermühlen am Mühlgraben: a) Die ursprünglich bischöfliche Mahl-, Walk- und Schneidemühle, unter Bischof Johann von Weißbach vor 1486 erbaut, zur Unterscheidung der später erbauten Neumühle oder Obermühle auch Untermühle genannt; ab 1568 an den Rat zu Wurzen verpachtet, deshalb auch Stadtmühle genannt; Dilich 1628 bezeichnet die Walkmühle am Mühlgraben als Scherdermühle; im 17. Jh. zeitweilig im Besitz des Amtes, deshalb auch Amtsmühle genannt; 1701 "Privatisierung", von da an wechselnde Besitzer; bis 1843 mit Eigengerichtsbarkeit ausgestattet; 1811 Zerstörungen durch Brand; 1847/54 Kauf durch Johann Friedrich Krietsch (Krietschmühle oder im Volksmund "Krietsche"), nach Aufhebung des Mahlzwanges 1869 Umwandlung der Lohnmühle in eine Handelsmühle und Entwicklung zum industriellen Großbetrieb mit Bäckerei (Bisquits); 1886 Umwandlung des Familienbetriebes in eine Aktiengesellschaft (Krietschwerke); 1917 Zerstörung durch Großfeuer, bis 1925 Bau der heutigen stadtbildprägenden Mühlengebäude (Weizen- und Roggenmühle; wegen des Aussehens beider Gebäude deshalb in der Gegenwart die ironisierende Bezeichnung "Keksdom"), dabei Überbauung der Bleiche; 1945 Enteignung, 1953 Nahrungsmittelwerke "Albert Kuntz", später Nahrungsmittelkombinat "Albert Kuntz" (⇒ Albert-Kuntz-Straße), Privatisierung 1990/91, heute Getreide AG und Dauerbackwaren GmbH; 1994 Abriss der letzten alten Mühlengebäude (Verwaltungen) am Ausgang des Rosentals; 1994/95 umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Dächern und Türmen der Mühlengebäude. 24.9.1997 Vernichtung des Bäckereigebäudes der Dauerbackwaren GmbH durch Großbrand. Neubau 1998.} b) Die Papiermühle am ⇒ Trauschkenstein. 1847 Bau der "Bergerschen Papiermühle", der Trauschkenstein wird zu diesem Zweck gesprengt; 1900 Kauf der Mühle durch Heinrich Beda sen.; nach Brand 1925 Einstellung des Betriebes und Kauf des Geländes durch die Teppichfabrik.} 2. Die Ober- oder Neumühle an der Mulde: Unterhalb von Schmölen am westlichen Flussufer gelegen, um 1500 unter Johann von Salhausen erbaut, dabei auch erste Erwähnung des Muldenwehres. 1568 Pacht durch die Stadt, ab 1701 mehrfacher Besitzerwechsel, 1871 Kauf durch Krietsch. 1887 Zerstörung durch Feuer, 1993 Abbruch der ruinösen Gebäude.} 3. Wassermühlen am Mühlbach: a) in Dehnitz (Dorfstraße 18): Bereits 1816 wird der Müller Friedrich Rudloff erwähnt, der als Pächter der Neumühle und als Besitzer der Dehnitzer Wassermühle auftritt. 1890 Zerstörung durch Feuer; der ehemalige Mühlgraben ist heute noch sichtbar. b) Die Untermühle in Nemt (Wiesengrund 2) könnte schon im 16. Jh. existiert haben. 1701 und 1831 brennt sie ab. Ab 1843 lässt sich ihre Geschichte relativ gut verfolgen. Die zweigängige Mühle wurde durch ein oberschlächtiges Mühlrad angetrieben. Das Gebäude war ein Fachwerkhaus mit Strohdach (kolorierte Skizze von Richard Püttner aus dem Jahre 1864 im Museum Wurzen). Manuel Vincente Höschel war der letzte Wassermüller. Nachdem er während des 1. Weltkrieges den Betrieb eingestellt hatte, verfiel die Mühle und wurde 1921 abgebrochen. c) Die Obermühle in Nemt (Alte Poststraße 17) ist wie die Untermühle bereits auf einem alten Kupferstich von 1753 zu sehen. Die zweigängige Mühle besaß ein unterschlächtiges Wasserrad. Der Mühlenbetrieb wurde um die Jahrhundertwende eingestellt, nachdem das Mehlmahlen schon früher aufgehört hatte. Ursprünglich floss der Mühlbach unter den Gebäuden (Scheune und Schweinestall) hindurch. Die Regulierungen am Mühlbach und am Kornhainer Bach um 1930 haben die hydrografische Situation grundlegend verändert} Windmühlen sind in und um Wurzen erst relativ spät nachweisbar. Seit dem 18. Jh. sind für den Hochflächenrand nördlich der Stadt Standorte bekannt. Es sind die Vorgänger der Mühlen, die in der 2. Hälfte des 19. Jh. entstanden und teilweise bis ins 20. Jh. existierten.} 1. Auf dem Kieselberg (⇒ Windmühlenweg) nördlich von Wurzen sind drei Standorte nachzuweisen: a) Die Veitsche Bockwindmühle (Flur Wurzen Nr. 1394). 1859 kauft der Müller Johann August Töpfer das Grundstück, auf dem er bereits die Mühle erbaut hatte. 1887 kauft Carl August Veit die Mühle auf Abbruch; dieser erfolgt 1902. Seit 1934 Nutzung des Geländes durch eine Gärtnerei. Heute im Neubaugebiet Nord II aufgegangen} b) Die Steudesche Windmühle (Flur Wurzen Nr. 1022). 1848 kauft Friedrich Seidel aus Burkartshain das Grundstück und erbaut die Mühle. Ihre Wetterfahne mit den Initialen "F.S." und der Jahreszahl 1848 befindet sich im Museum der Stadt. Mehrfacher Besitzerwechsel, 1875 Kauf durch Friedrich Moritz Steude, Verkauf durch dessen Witwe 1920 an die Stadt, die sie verpachtet. 1930 Stillegung nach Sturmschaden, 1935 Abbruch} c) Die Gruhlsche Windmühle (Flur Wurzen Nr. 1405). 1875 Antrag auf Umsetzung der Windmühle von Calbitz nach Wurzen. Antrag wird zunächst abgelehnt, da das genannte Grundstück von der Muldentalbahn beansprucht wird. Friedrich Gustav Gruhl wird 1879 als "Mühlenbesitzer" genannt. 1880 besteht das Grundstück laut Kaufvertrag nur noch aus Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude. Gelände heute in Nord II aufgegangen}
2. Die Windmühle Roitzsch. Vermutlich um 1835 als Bockwindmühle erbaut. Seit 1864 im Besitz der Familie Willig. Bis 1978 (?) in Betrieb. Die Mühle stand auf einem Steinsockel, auf dem sie mit Hilfe einer Rollbahn in den Wind gedreht werden konnte (Paltrock-System). Reste der Mühle nach 2000 abgebrochen und nach Schkorditz gebracht, dort wieder aufgebaut (2015).} 3. Die Holländerwindmühle Dehnitz auf dem Wachtelberg. Vor 1870 erbaut, brannte sie 1876 vollständig aus und wurde im gleichen Jahr wieder aufgebaut. 1884 Einbau eines vertikalen Wasserrohr-Dampfkessels (nach einem Patent der Wurzener Firma Schütz & Hertel), zusätzlich wird ein Paltrock-Windrad angebracht. 1925 Einstellung des Mühlenbetriebs und Verkauf der technischen Einrichtung. Fortführung der mit der Mühle verbundenen Bäckerei bis zu Beginn der 50-er Jahre. Mühle heute ruinös} Am Ende des 19. Jh. tauchen in Wurzen auch die Dampfmühlen auf. Die Anlage zwi-schen Dresdener Straße und Eisenbahnlinie hieß nach ihrem Besitzer Schönertmühle. Gustav Schönert erwarb die bereits bestehende Fränkelsche Mühle vor 1875 und baute sie weiter aus. 1902 Kauf durch die Krietschwerke. 1924 Zerstörung durch Brand. 1931 wurde das Gelände durch die Maschinenfabrik G.A. Schütz (MAFA) erworben (bis in die Gegenwart deshalb der Name "Mühlenhof").{/slider}
Mühlenteich
Oberhalb der Krietschwerke durch Aufstauen des Mühlgrabens in der Mitte des 19. Jh. angelegt, um die nötige Fallhöhe für das Turbinenhaus der Mühlenwerke herzustellen. Das Gewässer wurde von den Rudersportlern genutzt, hier befand sich auch die Anlegestelle des Motorbootes. Durch den Mühlenneubau nach 1917 verlor der Teich seine alte Bedeutung und durch den Kanalbau nach 1925 sein Wasser. Der Rest blieb bis nach 1970 erhalten. Heute zugeschüttet und Parkplatz.
Mühlgraben
Ehemaliger Nebenarm der Mulde. Er erhielt seinen Namen von den Mühlen, die seit etwa 1490 an seinen Ufern nachweisbar sind. Mit der Nutzung des Gewässers hängt auch der Bau des Muldenwehres oder Neumühlenwehres zusammen, von wo der Mühlgraben seinen Anfang nahm. Er floss in nördliche Richtung auf Wurzen zu und verzweigte sich noch vor dem Einfluss der Rietzschke (⇒ Gelbe Lache, Wüstes Gerinne). Nur der stadtnahe Arm, an dem die Mühlen lagen, führte die Bezeichnung. Nördlich der Bleiche (nach der Vereinigung mit dem Wüsten Gerinne) hieß er Kuhmulde, unterhalb der Meisterei auch Schindergraben, an der Fleischerdrauschken (nachdem er sich wieder mit der Gelben Lache vereinigt hatte) Fleischergraben. Bis 1925 gestaltete er wesentlich den Auenbereich der Stadt und bildete den Vorfluter für ihre Entwässerung. Der Kanalbau entzog dem Mühlgraben den notwendigen Wasserzufluss. Nach 1970 wurde er im Bereich der Filzfabrik vollständig und an den Mühlenwerken teilweise verfüllt.
Mühlgrabenwehr
⇒ Muldenwehr
Mühlgrabenbrücke
⇒ Brücken
Mühlwerder (Naumann)
⇒ Werder
Mulde
Die Vereinigte Mulde erreicht bei ca. 113 m NN die Nemter Flur. Zwischen Dehnitz und Schmölen durchbricht der Fluss ein letztes Mal markant die Porphyre des kristallinen Untergrundes (Wachtelberg, Schafberg). Von hier aus nach Norden weitet sich der Talboden zur bald kilometerbreiten Aue. Dabei verliert die Mulde rasch an Fließgeschwindigkeit und beginnt stark zu mäandrieren. Ihre geringere Transportkraft äußert sich zugleich in Anlandungen, die ein Verzweigen und Verwildern des Flusses zur Folge haben (⇒ Insel, Heger, Werder). Gleichzeitig entstehen Furten, die früher wichtig für das Überqueren des Flusses waren.} Hochwässer konnten bis in 18. Jh. immer wieder den Flusslauf verlegen, so dass Ortsangaben in der Aue manchmal schwierig sind. Wasserbauliche Maßnahmen seit dem 18./19. Jh. haben den Fluss allerdings in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, die Aue weithin trockengelegt und eine stärkere landwirtschaftliche Nutzung und auch eine stärkere Be- und Verbauung möglich gemacht. Letzteres hat wesentlich zu dem katastrophalen Ausmaß der Hochwässer von August 2002 und Juni 2013 beigetragen.} Die Mulde war seit 1017 die Grenze zwischen den Bistümern Merseburg und Meißen.} Vom 5.5. bis 1.7.1945 bildete der Fluss die Demarkationslinie zwischen den amerikanisch und sowjetisch besetzten Teilen Sachsens.
Muldenaue
1.: Allgemein die Tallandschaft nördlich der Wurzener Muldenbrücken (LSG), an der die Stadt allerdings nur geringen Anteil hat. Die Aue war bis ins 18. Jh. durch rasch wechselnde topografische Verhältnisse geprägt und ein weitgehend sumpfiger Bereich. Vom ursprünglichen Auewald hat sich um Wurzen nichts erhalten. 2. ⇒ Gärten
Muldenbrücke
⇒ Brücken
Muldengasse
Zwischen Berggasse und An der Mulde. Name kann schon sehr alt sein, er ist aber erst im 19. Jh. nachweisbar. Vorher (noch bei Schöttgen 1717) hieß die Stelle Gerberhäuser. Hinter diesen an der Kuhmulde befand sich eine Richtstätte der Stadt: Hier wurden die Delinquenten "gesäckt" (im Sack ertränkt).
Mulden-Terrasse
Name eine Gaststätte nördlich vom Steinhof und oberhalb des Mühlgrabens (Gelände seit 1880 mit der Krietschvilla bebaut).
Muldentalbahn
1877 fertiggestellte Eisenbahnstrecke zwischen Glauchau und Wurzen. Sie überquerte auf einem Damm zwischen Nemt und dem Wachtelberg das Mühlbachtal und mit einer Brücke die Strecke Leipzig-Dresden (südliche Auffahrrampe heute noch vorhanden). Sie berührte das damalige Wurzen im äußersten Osten und endete am Muldentalbahnhof oder Nordbahnhof an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße (Amtsgericht). Eine Weiter-führung der Strecke zerschlug sich. 1879 wurde deshalb die Strecke in den "Südbahnhof" eingebunden und der Streckenteil im Norden der Stadt abgebaut. 1945 bis 1967 noch Betrieb der Teilstrecke Wurzen-Grimma. Vollständiger Rückbau 2004/05 ⇒ Muldentalradwanderweg} Mit veränderter Trassenführung konnte erst 1927 die Strecke Wurzen-Eilenburg in Betrieb genommen werden.
Muldenthalbahnstraße
(1877-1890) ⇒ Rudolf-Breitscheid-Straße
Muldentalradwanderweg
2003/04 nach Rückbau der Gleise auf der Trasse der früheren ⇒ Muldentalbahn geschaffener asphaltierter Radweg zwischen Wurzen-Dehnitz und Grimma.
Muldenwehr
1. auch Neumühlenwehr: } 1500 in Zusammenhang mit dem Bau der Neumühle bei Schmölen erstmalig erwähntes Wehr. Es sicherte der Neumühle und dem Wurzener Mühlgraben regelmäßigen Wasserzufluss. Beim Kanalbau 1923/25 erhöht. 1983 durch Betonschwelle ersetzt} 2. eigentlich Mühlgrabenwehr: südlich der so genannten ⇒ Insel, das den Wasserzufluss für die Mühle am Trauschkenstein (Papiermühle) sicherte.
Museum
Domgasse 2. Renaissance-Bürgerhaus aus dem 16. Jh.; nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg 1666-1668 neu errichtet. Sehenswerter Volutengiebel an der Domgasse, Arkadengang im Hof, innen hölzerne Wendeltreppe. Zahlreiche Umbauten im 19. und 20. Jh. Nach 1945 wurde der historische Zustand annähernd wieder hergestellt, gleichzeitig Einbau einer spätgotischen Toreinfahrt in der Johannisgasse. Nach den unterschiedlichen Besitzern wurde das Haus verschieden benannt: Haus des Kaufmanns Sommer (18. Jh.-1825/26), (von) Lossowsches Haus (bis 1920). 1940 erwarb es die Hermann-Ilgen-Stiftung.} Die Grundlage der Sammlungen des Museums wurde durch das private Ortsmuseum des Druckereibesitzers Otto Jacob und die Sammlung des Wurzener Geschichts- und Altertumsvereins (seit 1909) gelegt. Das Städtische Museum vereinte 1927 im alten Rathaus beide Sammlungen mit Beständen aus dem Besitz der Stadt sowie privaten Stiftungen. 1948 Wiedereröffnung des Städtischen Heimatmuseums im sanierten Gebäude Domgasse 2 nach Kauf von der Hermann-Ilgen-Stiftung. 1960 Kreismuseum; 1993 Kulturgeschichtliches Museum der Stadt Wurzen, 2004 Teil des städtischen Kulturbetriebes} Zwischen 1970 und 1986 zahlreiche „Rekonstruktions“-Maßnahmen, die den Verfall der Bausubstanz jedoch nicht aufhalten konnten. 1996-1999 grundlegende Sanierung im Rahmen der Stadtsanierung. 1998-2001 Neugestaltung der ständigen Ausstellung unter Einbeziehung der Ringelnatzausstellung (bis 1998 im ⇒ Ringelnatzhaus).
Musikschule
Die 1959 gegründete Musikschule erhielt 1990 das Gebäude Theodor-Körner-Straße 4 als Sitz (ehemaliger Kindergarten, ⇒ Kleinkindbewahranstalt). Seit August 2007 nutzt sie das Gebäude der früheren Mittelschule Nord.
Mutschmannstraße
(1933-1945)} ⇒ Marienstraße
Naturbühne
(D) Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks 1953/54 geschaffene Kulturstätte in einem alten Steinbruch an der Westseite des Wachtelbergs. Bühne, Orchestra und amphitheatrisch gestalteter Zuschauerraum wurden vorwiegend von Mitgliedern der Chöre aus Wurzen und Umgebung errichtet. Einweihung Juni 1954. Nutzung für Chorauftritte, Kino- und Theaterveranstaltungen. Ende der 1960er Jahre kaum noch Nutzung und Verfall der Anlage. Nach 1980 Rückbau und Renaturierung.
Nedli(c)ke, die
⇒ Nelke(born)
Neichener Weg
⇒ Orchideenweg
Neletici
Wort slawischen Ursprungs (die "Sesshaften"?). Name dreier Kleingaue (östlich der Saale bei Halle; an der Mulde bei Wurzen; an der Elbe südlich von Torgau N. parvum). Das Wurzener Gebiet wird 961 genannt: altera regio Neletici, ubi est Vurcine civitas ("die andere Landschaft Neletici, wo der Burgward Wurzen liegt"). An den alten Gaunamen erinnerte bis ins 19. Jh. der Nelkeborn am Steinhof.
Nelke, Nelkeborn
Quellbrunnen westlich unterhalb des Steinhofes, dessen Wasser in den nahegelegenen Mühlgraben abfloss. Hier begann der Dehnitzer Kirchweg. Beim Bau der Filzfabrik verschwand auch der Nelkeborn.
Nemt
Dorf südöstlich von Wurzen zu beiden Seiten des Mühlbachs. 1292 erstmals als Nymut erwähnt. Nach Ebert (1930) kann dieser Name sekundär und urspünglich auf den nördlichen Teil des Ortes bezogen gewesen sein (slaw.: etwa "Deutschendorf"); im Crimmitzschweg könnte nach Ebert der ursprüngliche Ortsname enthalten sein (Südteil um die Kirche). Naumann (1962) interpretiert den Namen als Patronymikon ("Ort des Nemota")} Das Vorwerk (⇒ Hofestatt [2.]) und das Dorf gehörten zuerst zu verschiedenen Rittergütern (1441 Püchau, 1450 Roitzsch, 1465/72 Kühnitzsch). Ab 1472 befindet es sich in bischöflichem Besitz. 1714 erscheint es unmittelbar zum Amt Wurzen gehörig. Seit 1.1.1994 Stadtteil von Wurzen.
Nemter Straße
Seit 1938 Fortsetzung der Liststraße in Richtung Nemt. Bis dahin begann die Nemter Straße bereits an den Bahnschienen am Wurzener Bahnhof. Die Trasse gehört zum alten Poststraßensystem (⇒ Alte Poststraße). Der äußere Teil wird noch 1766 Nembter Weg genannt.
Nemter Weg
(R) 1.: Führt von der Windmühle Roitzsch nach Nemt (⇒ Apfelweg). 2. ⇒ Nemter Straße
Neubaugebiet Nord
Die Bezeichnung entstand bereits um 1960; sie wurde besonders verwendet, als 1983/84 die Neubebauung am nördlichen Stadtrand fortgesetzt wurde. Der Bereich zwischen Georg-Schumann- und Friedrich-Ebert-Straße war schon 1958-1965 bebaut worden (Nord 1). 1983 entstand Nord II zwischen Friedrich-Ebert- und Theodor-Körner-Straße, 1984 Nord III bis zur Kutusowstraße. Nord II und III bestehen ausschließlich aus dem Typenbau WB 70.
Neumühle
⇒ Mühlen
Neue Pforte
Neues Haus
(1712)} auch Zeughaus, (des Raths) Gewandhaus (vor 1500), das Kanzler Zahnsche Haus (1833) oder Funcksches Haus bzw. Erbe} Bis 1908 dreigeschossiges hochragendes Barockgebäude am Ende der Johannisgasse und am Hang zur Kannnengießergasse. Nach Brand 1908 Grundstück bis heute unbebaut.} Ursprünglich Standort des (Alten) Zeughauses der Stadt, das "zu Bischof Caspars Zeiten" (Bischof Kaspar von Schönberg 1451-1463) gebaut worden war und zur Aufbewahrung des städtischen Wehr- und Feuerlöschgeräts sowie als Warenlager genutzt wurde. 1519 abgebrannt, 1523/27 wieder aufgebaut (Dilich 1628 "New- oder gewandhauß"). Um 1600 Bier- und Weinschank mit Beherbergung (ein Ort "gröbster Völlerei, des Lasters und der Unzucht"). 1631 beim Stadtbrand zerstört. Die Trümmerstätte diente nach dem 30-jährigen Krieg zu Baumaterialgewinnung. 1711/12 vom Rat wieder aufgebaut, wobei die Stadtmauer bis zum Eilenburger Tor zur Steingewinnung abgetragen wurde. 1723 Verkauf, seither Wohnsitz von Stiftsbeamten (z.B. Giebelhausen, Kanne, Zahn); 1816-1828 lebte hier Ferdinand von Funck.} 1840 erwarb August Schütz aus Hannover das Gebäude aus dem "Kanzler Zahnschen Erbe" und begründete in ihm die Wurzener Tapetenfabrik. Von da an starke bauliche Veränderungen. In der Nacht vom 22. zum 23.4.1908 brannte das Gebäude ab. 1910 teilweise Neubebauung des ehemaligen Fabrikgeländes. Nutzung zu Wohnzwecken und für Gewerbe (zuletzt bis 1990 Vorbereitungsküche der HO). 1996/97 Auslobung eines Investorenwettbewerbes zur Neubebauung. Heute Parkplatz.
Neue Stadt
⇒ Viertel
Neumühle
⇒ Mühlen
Neumühlenwehr
⇒ Muldenwehr (1)
Neumühlen-Steinbruch
(Geol. Specialkarte Kgr. Sachsen 1884) Am rechten Terrassenrand nördlich der Mündung der Dehnitzer Lache in die Mulde.
Niederbüsche
(N)} ⇒ Hirtenteich ...
Nischwitz
Dorf (ehemaliges Sackgassendorf) nördlich von Wurzen am Mühlgraben.} Ersterwähnung 1342 als Niszewitz. Sicher ist für 1412 ein Tammo von Nischwitz bezeugt. Name slawischen Ursprungs: "Ansiedlung der Leute des Negoš". 1950-1974 Ortsteil von Wurzen, seit 1993 von Thallwitz.} Nischwitz gehörte zu den 6 alten Präbenden des Wurzener Stifts. Bis ins 16. Jh. treten im Ort zwei Adelsgeschlechter auf: die Herren von Nischwitz (1393-1558) und von Gaudelitz (1465-1653). Danach war das Dorf (zum größeren Teil amtssässig zu Wurzen gehörend) dem im Ort befindlichen Rittergut untertan, das - durch diesen Besitz schriftsässig im Amt Wurzen - mit dem Erwerb anderer Dörfer (Deuben, Dehnitz) gleichzeitig Grimmaer Amtssasse wurde
Nischwitzer Breite
Seit dem 1.11.1995 für die an der Flurgrenze zu Nischwitz von der Eilenburger Straße nach N ins Gewerbegebiet führende Erschließungsstraße.
Nordbahnhof
Nordbahnstraße
(1879-1889) ⇒ Kleiststraße
Nordlicht
Name der Gaststätte bzw. des 1985 eröffneten Jugendclubs in der Theodor-Körner-Straße (Nord III).
Nordschule
⇒ Schule Nord
Nordstraße
(1908-1945)} ⇒ Kleiststraße
Nordweg
Nördlich der Flugplatzsiedlung seit 1943 (?) angelegt. Hier entstanden Notquartiere für Ausgebombte und Flüchtlinge bzw. Vertriebene. Ein Teil der Unterkünfte wurde erhalten und immer wieder erneuert. Heute führt die Straße von der Lüptitzer Straße bis zur Paul-Geißler-Straße.
Oberer Anger
(N) Wiesengelände am südöstlichen Ortsrand von Nemt (im Winkel zwischen Dammühlenweg und Alter Poststraße) mit dem "oberen Gänseteich".
Obermühle
⇒ Mühlen (2.; 3.c)
Obstbaulehrgarten
1901 von Prof. Hugo Weineck an der äußeren Torgauer Straße 100 für die Obstbauausbildung an der Landwirtschaftlichen Kreisschule (⇒ Landwirtschaftsschule) begründet. 1935 Erwerbsgartenbetrieb. 1952-1955 Ausbildungsstätte der Spezialschule für Obst- und Weinbau in der DDR. 1957-1990 Versuchstation der "Zentralstelle für Sortenwesen" und Erweiterung auf 30 ha. 1990 Übernahme durch das Bundesamt für Sortenwesen.
Ochsenstücken
(Naumann), Brumm-Ochsen-Stücken, die (1766)} Vier Grundstücke zwischen Tonneborn und Körlitzer Hohle, die den Bürgern zur Verfügung gestellt wurden, "so die Gemeinde Rinder ausfüttern". Das Gelände war wie die benachbarte ⇒ Stadtschreiberspitze "Commun Guth".
Ochsenwiese
(R) FN, nördlich der Straße Im Winkel, auch Brummochsenwiese. Hinweis auf einen Nutzer, der den Gemeindebullen zu halten hatte.
Oelschützer Straße
Geht vom Ende der Liststraße ab nach Süden. Alter Ortsverbindungsweg, der im 18. Jh auch als "Weg nach Mügeln" auftaucht. Bis etwa 1840 heißt er dann Oelschützer Weg.
Oelschützer Weg
(bis 1840) ⇒ Bahnhofstraße, Oelschützer Straße
Orchideenweg
Seit 2008 in der Eigenheimsiedlung "Süd" zwischen Nemter und Oelschützer Straße. Vorher seit 1994 Neichener Weg.
Oswin-Pötzsch-Halle
⇒ Stadtsporthalle
Osswald Werder
(Naumann) ⇒ Werder
Osterblume
⇒ Wachtelberg
Osterblumenweg
Seit 1.1.1994 für den Feldweg, der von der Straße Am Wachtelberg zur Windmühle auf dem Wachtelberg führt. Bis zur Erweiterung der Bahnanschluss-Anlagen der Wasserglasfabrik in den 1970-er Jahren führte dieser Weg weiter den Berg wieder hinab bis zur Oelschützer Straße. Vom Mühlengelände führt ein Fußweg zum Gipfel des Wachtelbergs hinauf, wo die (geschützte!) Gemeine Kuhschelle wächst. Deshalb war bei der Neubenennung (wegen der Eigenheimbebauung am Anfang des Weges) zunächst "Kuhschellenweg" vorgesehen, es setzte sich aber der volkstümliche Ausdruck für die Pflanze durch.