Gänsegarten
(N) Früher gebrauchter Name für das Gelände sowohl am ⇒ Oberen Anger mit dem "ober-(st)en Gänseteich" als auch am ⇒ Hinteren (auch Unteren) Anger mit dem "unter(st)en Gänseteich." "Garten" bedeutet, daß die Gelände eingehegt oder eingezäunt waren. Die einst sicher umfangreiche und - wegen der exponierten Lage der "Gärten" - besonders auffällige Gänsehaltung brachte Nemt im Volksmund die Bezeichnung "Gänse-Nemt" ein.
Galgen, Hochgericht, Halsgericht
(1722) Das Wahrzeichen der hohen Gerichtsbarkeit der Stadt (seit 1481) stand an der nörd-lichen Weichbildgrenze (beim 6. Malstein). Der "Galgenhügel" lag im spitzen Winkel, der durch die Abzweigung des Großzschepaer Rasenwegs von der Collmener Straße gebildet wurde. Von Dilich 1628 am linken Rand seines Stadtpanoramas eingezeichnet. Letzte Erwähnung 1820, als der zum Tode durch das Rad verurteilte Häusler Carl Werner in der Ratsfronfeste Selbstmord verübt hatte und "unterm Galgen" beerdigt wurde. Die alte Wegscheide verschwand beim Bau der Flugplatzsiedlung.
Gartenstraße
Als Teil der geplanten "Gartenstadt Ost" 1910 von der "Wurzener Terraingesellschaft GmbH" angelegt. Sie verbindet heute die Rosa-Luxemburg- mit der Julius-Künzel-Straße.
Gärten, Gartensparten, Gartenvereine
Im Gegensatz zu den Stadtfeldern waren im alten Wurzen Gärten eingehegte kleinere Flurstücke in unmittelbarer Siedlungsnähe, die für Sonderkulturen und die Selbstversorgung der Haushalte genutzt wurden. In der mittelalterlichen und auch frühneuzeitlichen Stadt war dazu kaum Raum vorhanden, deshalb umgaben die Gärten ringförmig die Stadt. Sie waren sehr oft mit Lehmmauern ("Leimwänden"), Hecken oder Zäunen umgeben. Die einzelnen Grundstücke erhielten meist Namen - manchmal nach ihrem Besitzer (z.B. ⇒ Thorschreiber; "Franckes Garten", nach ihrer bevorzugten Nutzung ("Grasgarten", "Hopfgarten", "Gretzegarten" oder "Kretzebeetchen" am Steinhof [1812/13]), nach ihrer Lage ("Hältergarten" am Steinhof [nach dem Heller, den Fischbehältern]) oder nach ihrer Form bzw. ihrem Aussehen (z.B. Krümmlingsgärten).} Nach Niederlegung der Stadtmauer wurde auch das Gelände der ehemaligen Stadtbefestigungen gärtnerisch genutzt: am Schützengraben seit etwa 1720, nach Schöttgen 1717 auch das Rietzschketal unterhalb der Domfreiheit ("unten um die Riezschke herum, wo itzund die Gärten seyn"). 1810 stellte der Rat auf dem Kuhwerder Flächen für die so genannten Pflanzebeete zur Verfügung, die bis zum Beginn des 20. Jh. mehrmals vergrößert wurden. Bis 1925 blieben diese die älteste Gartensparte.} Das sprunghafte Bevölkerungswachstum nach 1870 und die Schrebergartenbewegung waren es jedoch, die auch in Wurzen die teilweise bis heute vorhandenen Gartenvereine entstehen ließen. Zuerst kamen neue Gärten im Norden der Stadt hinzu – Prießnitz bereits 1887, weitere Anlagen an der Infanteriekaserne und an der "Steudteschen Windmühle" (beide Standorte sind heute überbaut). 1910 wurde die Sparte Muldenaue an der Kuhmulde gegründet.} Kriegs- und Notzeiten waren abermals Anlässe zur Neuanlage von Kleingärten: 1916 Feldschlößchen, 1917 Dehnitzer Weg, 1921 Rodelbahn; 1945 "Siedler Roitzsch", 1946 das "Grabeland" (später "Sonnenblick"), 1947 Am Windmühlenweg.} Auch nach Überwindung der Nachkriegsnot war in Wurzen der Bedarf an Kleingartenflächen groß, und es entstanden neue Sparten: 1950 Am Doktorteich, 1958 "Süd", 1962 "An der Rietzschke", 1988 "An der Hohle". Bis in die unmittelbare Gegenwart hielt diese Entwicklung an, wobei allerdings zu beachten ist, dass den Gründungen von Vereinen die entsprechende Nutzung der Flächen oftmals weit vorausging: An der Hohle, 1990 "Insel" (Nutzung beginnt bereits um 1930!). Um 1988 war jede 4. Familie in Wurzen im Besitz eines Kleingartens. Hinzu kamen aber immer mehr auswärtige Besitzer und Pächter (z.B. aus Leipzig). Nach 1990 hat der Bedarf an Kleingärten nachgelassen und viele Gartenflächen sind ungenutzt
Gärtnergasse
Seit dem 1.11.1995 Postanschrift für die geplante Wohnbebauung auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Spaak (oder Bunke) zwischen Martin-Luther-Straße 8 und Schillerstraße 18. Zur Benennung ⇒ Schmiedegasse.
Gasanstalt
1859 als Steinkohlen-Gaswerk in Betrieb genommen. Nördlich des Bahnhofs gelegen. Die später entstandenen Gasometer noch bis nach 1970 erhalten. 1928/29 Einstellung der eigenen Gasproduktion wegen Anschluss an die Ferngasleitung. Gelände 2007 beräumt und mit Supermarkt sowie einer Verbindungsstraße zwischen Bahnhof und Dresdener Straße/ Kantstraße bebaut.
Gassen, Straßen, Wege
Der zunächst noch unbefestigte, später auch gepflasterte Weg zwischen den Gebäude-reihen der Stadt hieß bis ins 19. Jh. grundsätzlich Gasse: Domgasse, Eilenburger Gasse, Finstere Gasse, Schuhgasse, Stroh- oder Johannisgasse usw. Auch bei neuangelegten Straßen hielt man sich zunächst an die traditionelle Bezeichnung: Lindengasse oder Lange Gasse (heute Straße des Friedens) im 18. bzw. noch Mitte des 19. Jh.} Außerhalb der Stadt wurden die durchgängig unbefestigten Verbindungswege zwischen den Orten Wege genannt: Weg nach Collmen, Nischwitzer (Fahr-)Weg (heute Alte Nischwitzer Straße), Dehnitzer oder Roitzscher Kirchweg, Lüptitzer (Kommunications-) Weg (heute Lüptitzer Straße). Der bis ins 18. Jh. häufig gebrauchte Name ⇒ Rasenweg verweist auf die Beschaffenheit dieser wichtigen und alten Verbindungswege. (Vgl. auch Altstraßen)} Mit Straße wurden seit dem Ende des 16. Jh. bis zu Beginn des 19. Jh. eigentlich nur die überregionalen und durch den Landesherrn ausgebauten Verbindungen bezeichnet: Heerstraße (noch 1813 für die heutige Dresdener Straße), Poststraße (seit Beginn des 18. Jh. für die Trasse Liststraße-Bahnhofstraße). Hinzu kommt nur noch die Alte Fährstraße, die durch die sumpfige Aue führte und deshalb sicher auch befestigt war. Straße bedeutet auch "befestigter Weg" (von lat. via strata). Erst nach 1850 werden auch in der sich ausdehnenden Stadt die "Gassen" zu "Straßen": Eilenburger Straße, Lange Straße, Rietzschkenstraße (vorher jeweils Gasse). Alle neu angelegten Straßen werden auch gleich mehr oder weniger befestigt; wo das nicht geschieht, bleibt die ursprüngliche Bezeichnung Weg erhalten (Dehnitzer Weg). Die Bedeutung der Gasse verengt sich auf "eng, schmal, altstädtisch". Die Neubenennungen "Schmiedegasse" und "Gärtnergasse" (1995) folgen diesem Benennungsaspekt, obwohl beide Straßen Neuanlagen sind.} Mit der Ausdehnung der Stadt und den damit verbundenen Eingemeindungen kommt es mitunter zur Namenskonkurrenz (Nemter Weg ⇔ Nemter Straße) und irreführenden Doppelungen, sodass Umbenennungen notwendig wurden (z.B. 2007).
Gasthöfe, Gaststätten
An alten Fernstraßen gelegen, hatte das Beherbergungs- und Gastereigewerbe in Wurzen schon am Ausgang des Mittelalters Tradition. Trotzdem wissen wir erst seit dem 17. Jh. Sicheres über Häuser in der Stadt, die mit dem Gewerbe verbunden waren.} Die ersten Adressen waren Ausspannen für Mensch und Tier zugleich und tatsächlich Gast-"Höfe": Zum Goldenen Adler (Markt 11; 17. Jh.-1827), Zum Goldenen Löwen (Markt 9; vom 17. Jh.-1923), die Posthalterei (Postgut am Crostigall; 1694-1806); Steinhof zum schwarzen und weißen Kreuz (seit Ende 16. Jh.?), das Neue Haus (um 1600, seit 1712 bis Ende 18. Jh.), Zur Goldenen Rose (Crostigall 9). Vom Ratskeller einmal abgesehen, dienten diese "Wirtschaften" nicht oder erst in zweiter Linie der städtischen bzw. bürgerlichen Geselligkeit, hauptsächlich lebten sie vom Fern- und Handelsverkehr (Messen und Märkte!), und die Wirte wachten über die Privilegien, deren sich ihr Haus erfreuen konnte} Das 19. Jh. veränderte die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für das Gewerbe erheblich und damit auch das Bild der traditionellen Gasterei. Aus den Gasthöfen wurden Gaststätten. Bürgerliche Vereine und politische Gruppen nutzten "Stadt Leipzig" (Liststraße 1), Blüthgens Restaurant (Färbergasse 3) oder den Ratskeller im Rathaus. Das rasche Bevölkerungswachstum, vor allem die Zunahme der Arbeiterschaft ließen in den neuen Stadtteilen und am Stadtrand neue "Lokale" entstehen: Feldschlößchen (Bgm.-Schmidt-Platz 14), Zur Bauhütte (Mozartstraße 1, später "Friedensburg"), Schweizerhaus (Lüptitzer Straße 52). Das Bürgertum versammelte sich im Fremdenhof zur Börse, im Schweizergarten oder im Victoria. Vor der Stadt, an ihren Ausfallstraßen, entstanden eine Reihe von Ausflugslokalen: Pfeffermünze (später Bürgergarten, Straße des Friedens 14), Zur Flasche (Dehnitzer Weg 14), das Schützenhaus und Dreibrücken (zeitweise Tivoli), das "Parkschlößchen", der Gasthof Dehnitz. In den Wohngebieten öffneten zahlreiche Kneipen: "Zur Goldenen Krone" (Badergasse 10), "Zur Guten Quelle" (Schuhgasse 6), "Moritzburg" (Lessingstraße 2), "Zur Wartburg" (Kantstraße 16) und viele mehr.} Zu Beginn des 20. Jh. hatte auch der Wirtschafts- und allgemeine Tourismus Hotels und Gästehäuser entstehen lassen: Fremdenhof zur Börse, Hotel "Stadt Berlin" (Martin-Luther-Straße 22), Hotel Pippig, Hotel zur Post, "Sächsischer Hof" (Wettinerplatz 1). Im Stadtinnern verbreitete sich auch die Kaffeehauskultur: Café Möbius oder Praetsch, Café Wettin, Café zum Reichskanzler, Café National, schließlich die bekanntesten wie Café Sanne, Café Wehe, Café Schulz (später „Palmengarten"). Hinzu traten ausgesprochene "Speisehäuser": Thüringer Hof (Albert-Kuntz-Straße 50), "Stadt Chemnitz" (Dresdener Straße 16b), "Stadt Dresden" (Kantstraße 29), später noch Fischers Bier- und Speisehaus (vormals "Marienburg", Marienstraße 33) u.a. Kennzeichen der meisten Häuser war, dass sie oftmals nur einige Jahre existierten, manchmal öffneten sie wieder unter einem neuen Namen} Nach 1945 kam es langfristig gesehen in der Gastronomie-Branche zu einem Entwicklungsbruch, wenn auch nicht zu einem Stillstand. Eigeninitiativen konnten sich immer weniger entfalten. Die Zahl der geöffneten Gaststätten ging deutlich zurück. Das Inbetriebhalten traditioneller Gaststätten machte der HO und dem KONSUM mehr und mehr Schwierigkeiten. Als eine originelle Bereicherung der Gastronomielandschaft durch Privatinitiative zeigte sich in den 1980-er Jahren die Ringelnatzklause im ehemaligen Gasthof Dehnitz.} In der Gegenwart zeigen sich in der Branche mehrere Entwicklungstendenzen ab. Am zahlreichsten sind die Regional- oder Nationalitätengaststätten: "Schwarzwaldstuben" (Altstadt 36, durch die räumliche Nähe an die Tradition der Ratsgarküche anknüpfend, 1995 wieder geschlossen), "La Grotta Pizzeria" (Badergraben 2), China-Restaurant "Hongkong" (früher Feldschlößchen), Restaurant "Athen" (Marienstraße 33, bis 2013), Restaurant "Poseidon" (bis 1997; früher Thüringer Hof), "Ela ela" (Drei Brücken, bis 1999), ein Chinarestaurant auch im ehemaligen Gasthof Roitzsch (1995 geschlossen), "Pizzeria Rustica" (Straße des Friedens 30). Von noch geringer Anzahl sind Speisegaststätten, die deutsche und örtliche Tradition fortsetzen wollen: Getränke- und Speisebar (Barbaragasse 21), Ringelnatz-Gaststätte (Crostigall 22, seit 2005 „Gasthaus im Crostigall“), "Zum Jägerhof" (Friedrich-Engels-Straße 16), „Zur Altstadt“ (1996/97). Nicht wegzudenken sind die kleinen Speisebars wie Janas Bistro (Mozartstraße 2; bis 2006) oder Höffis Menü (Liegenbank 2). Erhalten haben sich auch eine Zeitlang traditionelle Kneipen: "Zur Waage" (Dresdener Straße 35, bis 2001) und "Zur Wartburg" (Kantstraße 16)} Eine ganz junge Entwicklung sind neue gastronomische Einrichtungen, die an ortsgeschichtliche Besonderheiten mit ihrem Namen erinnern wollen: "Wettinhaus" in der früheren Parkgärtnerei ; "Zur Alten Druckerei" (Domgasse 11, bis 2001); Café am Park (seit 2005); Café St. Wenzel; Zur Alten Brauerei (Markt 7); das Restaurant im Schloss, auch der „Landgasthof Dehnitz“ (seit 2005)
Gaud(e)litz, die; Gaudlitzhäuser
Bis ins 19. Jh. Sondergemeinde nördlich des Crostigalls und wie dessen gesamter nördlicher Teil unter Amtshoheit. Das dort befindliche Freigut (das spätere Postgut) war seit 1579 im Besitz Heinrichs von Gaudlitz (auf Nischwitz). Durch Aufsiedelung der Gutsflur seit 1598 entstanden die Gaudlitzhäuser (an der heutigen Postgasse). 1843 kam die Gaudlitz zur Stadtgemeinde
Gebhardtpromenade
Ehemaliger Fußweg von der Schützenwiese (Bürgerwerder), nördlich der Bleiche und südlich der Pflanzbeete entlang bis zur Mühlgrabenbrücke unterhalb der Parkstraße (heute Geschwister-Scholl-Straße). Mit dem Neubau der Mühlenwerke (1918-1927), dem Kanalbau (1925-1927) und der Erweiterung der Teppichfabrik über den Mühlgraben hinaus nach Westen (nach 1930) wurde die Promenade Stück für Stück beseitigt. Von ihrer einstigen Kastanienbepflanzung sind nur noch Reste nördlich der Muldenbrücke und im westlichen Teil des Mühlenwerksgeländes erhalten. Benannt nach dem Friedensrichter Gebhardt, der die Promenade nach 1870 anlegte
Gehrendorf, Göhren(dorf), Mark Göhrendorf
Wüste Mark in der Muldenaue nordwestlich von Wurzen. 1348 war dort das Domkapitel begütert. Die Flur wurde nach Wüstwerden des Dorfes (Ende 15. Jh.) von Grubnitzer und Wurzener Bürgern genutzt, gehörte aber mit Ober- und Erbgerichten ins Amt Grimma. Sicher haben dieser letzte Umstand und die Tatsache, dass sich der Wurzener Anteil stark verringerte, dazu beigetragen, dass die Mark 1843 nicht zur Stadtgemeinde Wurzen kam, sondern zum jenseits der Mulde liegenden Grubnitz.
Gelaborn oder Quickborn
Quellbrunnen nördlich der Gaudlitzhäuser am Ausgang der Färbergasse, der in das Rosental (Postteich) abfloss. 1870 bei der Einebnung des Rosentalgeländes beseitigt. Seinem Wasser wurde - zur Osterzeit geschöpft - kräftigende Wirkung auf Neugeborene und Wöchnerinnen nachgesagt
Geleitshaus
Nördlich des Mühlgrabens in der Nähe der Brücke an der Mühle gelegen. Von hier aus ging der alte Fährweg (alte Fährstraße) durch die Aue bis zur Fähre (1580-1828). Sitz des (kurfürstlichen) Geleitsmannes. Beim Bau der Muldenbrücken 1830/31 beseitigt, sein Ersatz war das Chausseehaus an der ehemaligen Fährstelle.
Gelbe Lache, auch Alte Saue
Ursprünglich volkstümlich für Bleichbach, um 1650 Säuegraben, im 19. Jh. amtlich für den westlichen Arm des Mühlgraben-Fließengefüges, Flurgrenze zur Mark Göhrendorf, mündete nördlich des Trauschkensteins (Papierfabrik) wieder in den Mühlgraben (Kuhmulde). Beim Kanalbau 1925/27 endgültig beseitigt. Letzte Gewässerreste sind der ⇒ Gura-See und ein verlandendes Gewässer nördlich der Teppichfabrik. Der Fußweg, der vom Gura-See am Gelände der früheren Teppichfabrik vorbei zur Brücke an der Rodelbahn führt, markiert grob den einstigen Verlauf der Gelben Lache
Georg-Schumann-Straße
Sie führt von der Lüptitzer Straße hinter dem Stadthaus nach Norden bis zum Garten-verein „Sonnenblick“. Seit dem 1.8. 1945 nach dem KPD-Funktionär und Kämpfer gegen den Nationalsozialismus Georg Schumann (1886-1945). Vorher seit dem 19.10.1934 Zeppelinstraße nach dem Erbauer des ersten starren Luftschiffes, dem Grafen Zeppelin (1838-1917). Allerdings betraf diese Namengebung nur ihren äußeren Teil im Bereich der sogenannten Flugplatzsiedlung. Der Teil bis zur Lüptitzer Straße blieb bis zu dessen Bebauung in den 1960-er Jahren ein Feldweg.
Georgstraße
(1886-1938) ⇒ Karl-Liebknecht-Straße
Gerberhäuser
(1600) Im 16. Jh. entstandene Häuserzeile östlich der Kuhmulde, an der sogenannten Pferdeschwemme. Hier traf die vom Schlossberg herunterkommende Weichbildgrenze der Stadt auf den Mühlgraben (der hier auch Kuhmulde genannt wurde). Heute die Muldengasse
Gerhart-Hauptmann-Platz
Erstreckt sich westlich der Albert-Kuntz-Straße den Terrassenhang hinab bis zur Berggasse und der Alten Nischwitzer Straße. Seit dem 1.8.1945 nach dem deutschen Schriftsteller Gerhart Hauptmann (1862-1946). Vorher seit dem 31.5.1933 Schlageterplatz nach dem von französischen Besatzungstruppen erschossenen Rheinländer Leo Schlageter (1893-1923). Bis dahin seit dem 19. Jh. Eilenburger Platz. Diese Stelle vor dem Eilenburger Tor erwähnt Schöttgen 1717 als Saugrube, von hier soll der Sand zum Bau des Wurzener Schlosses geholt worden sein. In der Saugrube wurden die Schweine der Wurzener Bürger vor ihrem Austrieb gesammelt. Der Platz liegt in einer Altstraßentrasse (⇒ An der Mulde und Alte Nischwitzer Straße). Untergegangen ist der Name für den Platz vor dem Feuerwehrdepot; Werl nennt 1869 hier noch den Holzmarkt.} Umfangreiche Neubebauung im oberen Teil zur Albert-Kuntz-Straße und Kannengießergasse hin 1995/97. Im Zuge dieser Bebauung entstand 1996/97 auch das Doppelparkdeck inmitten des Platzes (bis in die 1960er Jahre noch alte Wohnbebauung).
Germania-Apotheke
Wettinerplatz 2; seit 1991 Apotheke. Vorher Drogerie (seit 1912), Gebrauchtwarenhandel (1980-er Jahre). Die für Drogerie und jetzige Apotheke namengebende Figur war früher im zum Platz offenen Dach-Eckerker an die Wand gemalt
Gericht (Naumann)
⇒ Beim Gericht
Gesässe (Naumann)
⇒ Trauschken
Geschwister-Scholl-Straße
Führt von der Kutusowstraße nach Westen bis zur Alten Nischwitzer Straße. Bildet die Südgrenze des Stadtparkes. Deshalb 1880 Parkstraße benannt. Seit 1947 (?) nach den Geschwistern Hans (geb. 1918) und Sophie (geb. 1921) Scholl, die als führende Mitglieder der Münchener Widerstandsgruppe "Weiße Rose" 1943 von den Nazis hingerichtet worden sind
Gewandhaus, Ratsgewandhaus
Gewerkschaftshaus
Mehrzweckgebäude mit Turnhalle in der Heinrich-Heine-Straße 20.} 1911 von den Mitgliedern des Turnvereins "Frisch auf" erbaut. 1927/28 mit finanzieller Beteiligung der Stadt erweitert (Aufstockung des Hauptgebäudes) und Umwandlung in ein "Sport- und Gewerkschaftsheim". Nach 1933 Enteignung des Anteils des Vereins. Nutzung als Arbeitsdienstlager. Nach 1945 "Gewerkschaftshaus", Sitz des FDGB bis 1990. Danach teilweise leerstehend. Nutzung durch Gastronomie und Vereine.
gleislose Gütertransportbahn, auch Industriebahn Wurzen
Von der Firma Max Schiemann & Co. (seit 1904 in Wurzen ansässig) für die Mühlenwerke erbaute Transportbahn.} Zwischen den Mühlenwerken am Mühlgraben und dem König-Albert-Schacht 1904-1914, zwischen Mühlenwerken und Roggenmühle am Güterbahnhof bis 1928 in Betrieb.
Goetheschule
Zwischen 1949 und 1991 Name der (erweiterten) Oberschule in der Eduard-Schulze-Straße. Das Gebäude der ehemaligen Handelsschule wird seit 1996 von der Diesterweg-Grundschule genutzt.
Goethestraße
Im nach 1880 entstandenen "Ostviertel" der Stadt zwischen Dresdener Straße und Clara-Zetkin-Platz. Seit dem 1.8.1945 nach dem deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Vorher seit dem 11.10 1888 Kaiser-Wilhelm-Straße, nach dem preußischen König und deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797-1888). Heute eine der wichtigsten Straßen für den Durchgangsverkehr.
Goldene 13
Volkstümlich für Johannisgasse "13". Gebäude aus der Mitte des 19. Jh. zwischen Johannisgasse, Schuhgasse, nördlicher Schlossmauer (Finstere Gasse) und dem Hang zur Kannengießergasse. Ursprünglich Fabrikgebäude (Tapetenfabrik Schütz), nach 1920 Obdachlosenhaus. Im Erdgeschoss bis 1991 Vorbereitungsküche der HO. Baulicher Verfall seit den 1960er Jahren. Abriss 2000. Gelände heute Freifläche.
Goldenes Faß
- ⇒ Stadtgüter (1.c).
- Altstadt 36. Gaststätte um 1930 bis zum 2. Weltkrieg. Vorher 1886-1926 Ratsgarküche. 1995 "Schwarzwaldstuben".1996 „Zur Altstadt“.
Goldenes Tälchen
Das tief eingeschnittene Mühlbachtal östlich von Dehnitz bis zum Eisenbahndamm. Ehemaliges Freibad (⇒ Bäder).
Göringstraße
(1933-1945) ⇒ Beethovenstraße
Gottesackerkirche
⇒ Heiliggeistkirche
Graupen, die
(1766) Altes Flurstück an der "Lüptitzer Grenze", westlich des Breiten Berges (auf dem Gelände des späteren Exerzierplatzes).} Der Name (aus dem Slawischen) verweist auf die charakteristische Beschaffenheit der Feldflur, die von auffrierendem Porphyrgrus bestimmt war.
Grenzgraben
(N) Rechter Zufluss der Mulde. Der Bach entspringt am Hübelbusch westlich von Burkartshain (oberer Lauf heute verrohrt), fließt in westliche Richtung (teilweise südliche Flurgrenze von Nemt) und mündet an der Sonnenmühle in die Mulde. Der Bach wird schon 1284 in der Beschreibung der Grenzen des Wurzener Landes erwähnt: Item ab hoc loco usque ad ripam quae vocatur Cremeze ("ebenso von diesem Ort [der Kirche von Burkarts-hain] bis zu dem Bach, der Cremeze genannt wird"). Unter Umständen könnte er eine alte Gaugrenze, nämlich die von Neletici gegen Chutici, markieren. Dafür sprechen sowohl das Alter seines Namens (aus dem Slawischen, "Grenze"?), als auch der "Sonnenmühlwall" (Alte Schanze) nördlich seiner Mündung in die Mulde (bereits auf Oelschützer Flur)
Grenzstraße
Seit dem 1.1.1994 für eine Erschließungsstraße im Gewerbegebiet Eilenburger Straße. Benannt nach ihrer Lage an der Flurgrenze zu Nischwitz. Seit dem 1.11.1995 nur noch Postanschrift für die südlich benachbarten Wohnblöcke. Die ursprüngliche Grenzstraße heißt nunmehr Nischwitzer Breite.
Großzschepaer (Rasen)Weg
⇒ Rasenweg, Alt-straßen
Grubnitz
Dorf (Rundling) nordwestlich von Wurzen, jenseits der Mulde in der Aue. Ersterwähnung 1335 als Grobanwitz. Name slawischen Ursprungs: "Ansiedlung der Leute des Gruban". Wie Bennewitz zum Erbamt Grimma gehörig. Trotzdem besaß das Stift bis ins 19. Jh. hier zahlreiche Rechte. 1950-1974 Ortsteil von Wurzen, jetzt von Bennewitz.} Die Grubnitzer und Wurzener Bürger nutzten bis ins 19. Jh gemeinsam die Flur der Mark Göhrendorf.
Grubnitzer Weg
Fußweg durch die Muldenaue von der alten Linde an der Krietschmühle bis an die Mulde vor der Grubnitzer Brücke, wurde 1925 eingezogen
Gründlingsbach
⇒ Mühlbach
Gura-See
Teich westlich der Mühlenwerke in der Aue, von Bergt 1931 noch als "Schwanenteich" an der Gebhardt-Promenade bezeichnet. Er stellt den letzten Rest der Gelben Lache dar, die bis hierher nach Westen ausgreifend bis 1925 die Flurgrenze der Stadt in der Aue bildete. Bis nach 1950 schloss sich nach Norden ein jetzt verfüllter Graben bis zur Straße An der Mulde an. Bezeichnung zunächst volkstümlich. "Gura" ist entstanden als Kopflautwort aus Vor- und Familiennamen des damaligen Generaldirektors der Krietschwerke Gustav Rathgen (1870-1944)
Gustloffstraße
(1938-1945) ⇒ Schweizergartenstraße
GutsMuths-Halle
1900 fertiggestellte Sportstätte des 1884 gegründeten Männer-Turnvereins in der heutigen Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße. 1991-1993 Nutzung als Fabi-Verkaufsraum. Jetzt wieder Sporthalle
Gymnasium
1.: Das alte Gymnasium in der Straße des Friedens 12 wurde 1881 fertiggestellt, 1883 erfolgte die Übernahme durch den sächsischen Staat und die Umwandlung in ein humanististisches Gymnasium. 1908 Ausmalung der Aula durch Max Seliger. 1945 Lazarett der Wehrmacht und Kommandantur der Roten Armee. Seit 1947 Berufsschule (heute Berufliches Schulzentrum)} 2.: Das Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasium südlich der Lüptitzer Straße. Baubeginn 8.6.1994 nach bundesweitem Architektenwettbewerb. Einweihung 19.2.1996.
Hampeschwerd (Naumann), Hampu(t)sch Werder, Humsch
Erstmalig zu 1509 erwähnte Flur in der Muldenaue, zu Lautzschen "an der toten Mulde" gehörend, zwischen Nischwitz und Nepperwitz, nördlich vom Göhrendorf, also außerhalb der Stadtflur gelegen. Name kommt vom Wurzener Bürger Wenzel Hampusch, der die Flur zeitweise zu Lehen hatte. Schöttgen 1717: "Er mag an der Mulde unweit denen Grubnitzern Püschern gelegen haben, ist aber von dem Wasser weggerissen und anderswo angelegt worden."
Handelslehranstalt, Höhere Handelslehranstalt, Handelsschule
Die vom Wurzener Handelsschulverein 1890 ins Leben gerufene Einrichtung besaß zwei Gebäude, das ältere, 1903 fertiggestellte, in der heutigen Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße (nach 1950–1994 Kindergarten) und das 1926 fertiggestellte in der heutigen Eduard-Schulze-Straße (seit 1949 Oberschule, heute Diesterweg-Grundschule).
Halsgericht
(1722) ⇒ Galgen
Hans-Schemm-Schule
1935 (?)-1945 Name der Allgemeinen Volksschule für Mädchen am Domplatz. Nach einem der NS-Aktivisten unter der deutschen Lehrerschaft (später bayrischer Kultusminister), der die Gleichschaltung der Lehrerverbände mit der NSDAP betrieb. Auch die vom Leipziger Lehrerverein unterhaltene Comenius-Bücherei wurde 1935 nach Hans Schemm (1891-1935) umbenannt.
Haugwitzstraße
Zwischen Am Steinhof und Beethovenstraße (Kreuzung an der Deutschen Bank), im oberen Bereich nur Fußweg. Seit dem 19.10.1934 nach dem letzten und zumeist in Wurzen regierenden katholischen Bischof von Meißen Johann von Haugwitz (1524-1595, Bischof 1555-1581). An der Haugwitzstraße begann die Bebauung der Schladebachschen Felder
Hauptstraße
⇒ Roitzscher Hauptstraße
Hausinschriften
Von den früher sicher häufig vorhandenen Inschriften (Sprüche, Widmungen oder Devisen) an Giebeln, Fassaden oder Eingängen von Gebäuden sind in der Gegenwart nur noch zwei nennenswert: SUPREMA LEX SALUS AEGROTI (am Giebel vor Stephanstraße 1, bis 1996 Einrichtungen des Gesundheitswesens) - (lat.) "Das höchste Gebot [ist] das Wohl des Kranken"; mente et malleo (Dehnitzer Weg 2, ehemals Villa des Steinbruch-besitzers Zachmann) - (lat.) "Mit [Hilfe von] Verstand und Hammer". (⇒ Barbara)
Haus Klinkhardt, Klinkhardt-Bau
Seit 2011 volkstümlich für das Gebäude Dresdener Straße 34a (1890-2009 Wohnhaus der Unternehmerfamilie Klinkhardt (® Klinkhardtstraße). 2011 saniert und seitdem Nutzung als Gesundheitszentrum.
Hauszeichen
Figürliche oder geometrische Objekte aus Holz, Stein, Stuck oder anderen Materialen, die an der Außenfassade von Häusern, oft über dem Haupteingang, angebracht worden sind. Damit wurde Verschiedenes bezweckt: eine besondere Kennzeichnung des Hauses, seine Widmung an einen Patron (Heiligen), Hinweise auf den Beruf des Besitzers oder auf die Nutzung des Gebäudes u.a} 1. Die Steinstatue der hl. Barbara, die sich heute im Museum befindet, war bis 1879 an der Außenfas-sade des Gebäudes auf dem Domplatz angebracht, das auch nach der heiligen ⇒ Barbara benannt wurde und vor der Reformation dem Inhaber der Barbarapfründe zustand. 2. Albert-Kuntz-Straße 1. "Der Soldat mit dem Nickel (einem Kaninchen)", heute am Hauptgiebel angebracht (Hinweis auf die Kürschnerei?). 3. Markt 11. "Zum Goldenen Adler". Der doppelköpfige vergoldete Adler befindet sich mit Inschrift über dem Hauseingang des ehemaligen Gasthofes. 4. Albert-Kuntz-Straße 2. Das so genannte "Fischerwappen" (1543). 5. Wenceslaigasse 10. Das sogenannte "Baderwappen" an der einstigen ⇒ Baderei.} Auch verschiedene Wappen der Meißnischen Bischöfe und von Adelsfamilien erfüllten die Funktion von Hauszeichen. Ein Beispiel dafür, wie in der Gegenwart an diese Tradition anzuknüpfen versucht wird, ist die Gestaltung des Eingangsbereichs am Neubau Postgasse 6: Zwei Terrakottaköpfe (Mutter und Kind) bringen eine Widmung zum Ausdruck, die durch die Inschrift "Mutter Marlies 1995" (Ehefrau des Bauherren) verstärkt wird
Haydnstraße
Eine der kurzen Sackgassen, die von der Zillestraße nach Norden abgehen. Seit dem 1.8.1945 nach dem Komponisten der Wiener Klassik Joseph Haydn (1732-1809). Vorher seit dem 19.10.1934 Büchnerweg nach dem Kampfflieger des 1. Weltkrieges Franz Büchner (1898 abgestürzt über Leipzig 18.3.1920)
Hechtbach
⇒ Mühlbach
Heerstraße
(1700) Die Dresdener Straße in Höhe der Wenceslaikirche, noch um 1813. Im Flurbuch von 1766 wird die gesamte heutige Dresdener Straße so genannt.
Heger
Bis ins 18. Jh. Bezeichnung für Anlandungen (Ablagerungen) der Mulde, die - oft von Flussarmen umflossen - Inselcharakter annahmen. Solche Anlandungen wurden oft von den Hochwässern wieder verändert oder beseitigt, so dass ihre Lokalisierung fast unmöglich ist. In früheren Jahrhunderten wurde kaum zwischen Heger, ⇒ Insel und ⇒ Werder unterschieden
Heidenberg
(R) Die Benennung der Eigenheimsiedlung zwischen Wurzen und Roitzsch, zwischen Roitz-scher Weg und Rietzschke, geht auf einen älteren Flurnamen zurück. In der ehemals benachbarten Kiesgrube (Michaels Sandgrube) wurden 1926 bronzezeitliche Funde (Herdgruben) gemacht
Heiliggeistkirche, auch Gottesackerkirche
Kapelle auf dem ehemaligen Alten Friedhof; 1976 abgerissen. Bauzeit nicht genau bekannt, im Bodenraum des Westgiebels war 1581 angegeben. Sicher im Zusammenhang mit der Anlage eines neuen Gottesackers (1548) erbaut. Aus Backsteinen errichteter Hallenbau mit achteckiger Ostendung; acht spitzbogigen Fenstern und einem Rundfenster, innen Flachdecke. 1581 Einbau von Altar und Empore, 1600 hölzerne Kanzel. Mehrfach Erneuerungen (1675, 1750, 1820/25). 1813 Lazarett. Nach 1872 Nutzung durch die katholische Gemeinde der Stadt. Viele Gruftplatten (heute zumeist im Dom) bezeugen die Verwendung als Begräbniskapelle. Nach 1945 fortschreitender Verfall
Heinrich-Heine-Straße
Führt vom Nordostende des Bgm.-Schmidt-Platzes nach Osten bis zum Sportplatz am Gewerkschaftshaus. Seit dem 1.8. 1945 nach dem deutschen Dichter Heinrich Heine (1797-1856). Vorher seit dem 4.12.1909 Fischer-straße nach dem in Wurzen geborenen sächsischen Bergmeister Wilhelm Fischer (1796-1884), Ehrenbürger der Stadt wegen seines außergewöhnlichen sozialen Engagements.
Heinrichstraße
(1892-1933) ⇒ Lessingstraße
Heinz-Gries-Straße
Seit 2010 Name der Zufahrtsstraße zwischen der neuen Verlängerung der Straße des Friedens auf dem Gelände der früheren Teppichfabrik und der Dauerbackwaren GmbH. Nach dem Unternehmer Heinz Gries (* 1935, Griesson-de Beukelaer).
Heiz(kraft)werk
Eigentlich nur ein Heizwerk. 1982/83 zwischen Torgauer Straße und dem Neuwerk des ehemaligen Motorenwerks erbaut. Der 120 m hohe Schornstein bestimmte bis seiner Sprengung am 25.11.2000 maßgeblich die Stadtsilhouette. In Spitzenzeiten wurden hier pro Stunde 25-30 t Rohbraunkohle verfeuert und in 8 Dampf-erzeugern 80 t Dampf erzeugt. Das Werk diente bis 1992 zur Wärmeversorgung der örtlichen Industrie und der Neubauviertel im Norden der Stadt (Nord II und III), die bis 1984 erbaut wurden. Seit 1992 erfüllt diese Aufgabe das neuerrichtete Blockheizwerk in der Querstraße.
Heisten, die
(1728) Die hochgelegenen Fußsteige zu beiden Seiten des Hohlweges im Crostigall.
Hellerlöcher
Bezieht sich wahrscheinlich auf die Fischteiche auf dem Heller
Hellerhäuschen
Auf dem Heller lagen die drei bischöflichen Fischhälter (ehemalige Altwässer der Mulde), die nach dem 30-jährigen Krieg im Besitz von Dr. Christoph Daniel Schreiter waren (⇒ Doktorteich). Oberhalb der Teiche am Hang befand sich das Hellerhäuschen, das bei Dilich 1628 deutlich zu erkennen ist
Herberge zu Heimat
Clara-Zetkin-Platz 11. 1889 neben dem Armenhaus der Stadt (August-Bebel-Straße 40, nach 1994 Obdachlosen- und Spätaussiedlerheim) erbautes Gebäude, das der Unterbringung wandernder Handwerksgesellen und Arbeitslosen diente. Nach 1945 zeitweise Nutzung durch die Landwirtschaftsschule und bis 1990 durch den Kreislandwirtschaftsrat. Bis 2002 Sitz des Amtes für Landwirtschaft des Muldentalkreises.} "Herberge zur Heimat" hießen auch vergleichbare Einrichtungen Johannisgasse 8 (bis 1889) und Jacobsplatz 2.
Herbert-Norkus-Straße
(1933-1945) ⇒ Lessingstraße
Hermann-Ilgen-Straße
1. (1930-1945) ⇒ Walther-Rathenau-Straße. 2.: Führt von der Dresdener Straße zum Bahnhof. Seit dem 1.5.1991 nach dem in Wurzen geborenen Apotheker Geheimrat Hermann Ilgen (1856-1943), Ehrenbürger der Stadt. Vorher seit 1949 (?) Straße des 7. Oktobers, dem Gründungstag der DDR. Ursprünglich seit dem 1.4.1895 zu Ehren des Reichskanzlers Bismarck Reichsstraße. Diese führte noch nicht bis zum Bahnhof, ein Werksgelände lag bis 1923 noch zwischen der Straße und dem Bahnhofsvorplatz.
Herz-Jesu-Kirche
1896-1899 östlich der Straßengabelung Torgauer Straße/Roitzscher Weg errichteter Kirchenbau für die nach 1890 stark angewachsene katholische Gemeinde. Am Himmelfahrtstag 1910 durch Bischof Schaefer geweiht. Eines der drei bunten Fenster im Altarraum hat die Stadt Wurzen gestiftet.
Hindenburgallee
(1927-1933)} ⇒ An der Mulde
Hindenburgstraße
(1934-1945) ⇒ Straße des Friedens
Hinterer Anger
(N) Seit dem 1.1.1994 für die Straße, die von der Alten Poststraße in Nemt nach Roitzsch führt. Nach dem FN benannt. Der "Hintere Anger" mit dem "Unteren Gänseteich" liegt westlich der Straße am Ortsausgang.
Hirschbergstraße
Teil der geplanten Gartenvorstadt Ost, führt am Friedhof entlang von der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße bis zur Dresdener Straße. Seit dem 14.2.1908 nach dem Wurzener Bürgermeister Karl Richard Hirschberg (1820-1896)
Hirtenhäuser
Anwesen vor dem Eilenburger Tor, in der Nähe der Saugrube, bei der das Vieh der Stadt vor dem Austrieb versammelt wurde (noch im 18. Jh.).
Hirtenbrunnen, Hirtenbüscher, Hirtenteich
(D) Örtlichkeiten auf dem Gelände des späteren Goldenen Tälchens. Der Hirtenteich ist 1925/26 in ein Freibad umgewandelt worden. Um ihn herum, an den Talhängen und vor allem südlich des Teichs befanden sich die Hirtenbüscher oder Dehnitzbüscher. Der Hirtenbrunnen oder -born ist eine noch heute sichtbare Quelle am südlichen Talhang oberhalb der ehemaligen Gaststätte im Goldenen Tälchen. Er wurde früher gelegentlich auch nach dem Nemter Kantor und Lehrer Kantor-Voigtmann-Brunnen genannt
Hochgericht
⇒ Galgen
Hofbreite, Hof Breite
(Schöttgen 1717) Andere Bezeichnung für die Fleischendrauschken, Teil des Gutes Trauschkau
Hofestatt
1.: Die von Schöttgen 1717 erwähnte "Hoff-Stadt" ist im Bereich des heutigen Gerhart-Hauptmann-Platzes zu suchen. Schöttgen selbst vermutet hier ein altes "Schloß, worin die Grafen und ersten Bischöfe residiret". Der Name könnte allenfalls erinnern an die alte bischöfliche Zollstation am Weg zur Mulde (das ⇒ telonium Wurczense 1114) bzw. an einen alten Wirtschaftshof, den Bischof Johann von Salhausen 1503 der Präbende s. Barbarae übereignete (um Körlitz auszulösen) und dessen Platz im 19./20. Jh. vielleicht das Stadtgut Hentschel einnahm (Ende der 1950er Jahre abgerissen, heute Freifläche)} 2. (N): Flur östlich von Nemt zwischen Kornhainer Bach und dem Mühlbach (Mühlbacher Straße). Weist auf ein ehemaliges Vorwerk hin, das 1472 in bischöflichen Besitz überging
Hohle
Eigentlich Hohlweg. Teil des alten Körlitzer Weges (deshalb auch Körlitzer Hohle) östlich von dessen Abzweigung von der Torgauer Straße. Ende des 19. Jh. Schießstand, bis zum 2. Weltkrieg von den Wurzener Freihandschützen genutzt (⇒ Schießstand). Nach 1950 verfüllt. Weg heute noch z.T. vorhanden} Hohlwege sind hier anthropogene ("vom Menschen verursachte") Oberflächenformen: Die meist unbefestigten Wege wurden durch Wagenräder immer wieder aufgewühlt, in den Radrinnen am geneigten Gelände setzte die Abspülung ein, im Laufe der Zeit entstanden dann ausgedehnte Hohlformen.
Holzmarkt
Bei Werl 1869 an der Stelle des heutigen Feuerwehrdepots eingetragen. Entstehung unbekannt. Name kennzeichnet die Funktion des Platzes (offenbar Verkauf von Holz zur Brennstoffbevorratung).
Hopfgarten
Verschiedene Grundstücke wurden Hopfgarten genannt. Relativ sicher zu lokalisieren sind der H. südlich des Steinhofes (etwa am heutigen Gartenverein Am Doktorteich) und der H. am Retzschitzer Eierpfuhl (hinter der katholischen Kirche).
Horst-Wessel-Schule
1933-1945 Name der "Staatlichen Oberschule für Jungen" (ehemaliges ⇒ Gymnasium [wo auch Mädchen unterrichtet wurden!]). Gebäude wird heute durch das Berufliche Schulzentrum genutzt.
Horst-Wessel-Straße
(1933-1945) ⇒ Friedrich-Ebert-Straße
Hospitaltor
Kein eigentliches Tor, sondern die Öffnung der Salhausenschen Stadtmauer am Ausgang der Wenceslaigasse, am Johannishospital, wo die Poststraße die Stadt erreichte. Hier befand sich im 18. Jh. ein Schlagbaum ("Wenzelsschlag"), vor dem die Reisenden die ⇒ Akzise entrichten mussten. Heute Kreuzungsbereich Bahnhof-/ Beethovenstraße.
Hübelbusch
(N) Südlichster Teil der Nemter Flur; flache und breite Erhebung (133 m) zwischen Burkartshain und Oelschütz. Hier entspringt der Grenzgraben.
Humsch
⇒ Hampeschwerd
Ilgen-Denkmal
Bronzebüste auf Steinsockel mit Schrifttafel. 1936 vor dem Stadthaus aufgestellt. 1943 entfernt. Büste und Tafel wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen.
Immelmannweg
(1934-1945)} ⇒ Robert-Koch-Straße
Im Winkel
(R) Straße an der Grenze zwischen Wurzener und Roitzscher Flur nördlich des Roitzscher Weges. Um 1924 von einer Siedlergemeinschaft beim Bau von Eigenheimen angelegt. Name ursprünglich inoffiziell "Siedlerstraße". Heutige Bezeichnung Anfang der 1930-er Jahre nach einem alten Flurnamen.
In der Rolle
(1542) Heute nicht mehr zu identifizierende Stelle im Außenbereich der ummauerten mittelalterlichen Stadt. Eventuell ist eine Stelle beim späteren Jacobstor gemeint.
Industriestraße
Seit dem 28.10.1998 für die Verbindungsstraße zwischen Lüptitzer und Torgauer Straße im früheren Neuwerk des Motorenwerks ("Mittelstandszentrum")
Infanteriekaserne
Als Jäger- (König-Albert-)Kaserne 1889 in der damaligen Kasernenstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße 2) bezogen. Nach Heeresreform 1900 Unterkunft für Stab und 1. Bataillon des Kgl. Sächs. 14. Infanterie-Regiments 179. Von den Kasernengebäuden erhalten sind heute noch die Mannschaftsunterkünfte (⇒ Stadthaus), die Exerzierhalle (⇒ Stadtsporthalle), die Wache (⇒ Alte Wache [1.]), die Kleiderkammer (Rechtsanwaltskanzlei u.a.), das Kasino (der ehemalige Muldentalbahnhof, bis 2013 Amtsgericht) und die Wohngebäude Friedrich-Ebert-Straße 4 und 6 (letztes 2005 abgerissen). Seit 1920 Nutzung durch kommunale Einrichtungen
Insel
Von zwei Armen des Mühlgrabens umflossenes Gelände zwischen früherer Teppichfabrik und der ehemaligen Papiermühle, unmittelbar unterhalb des Alten Parks. Im Zusammenhang mit dem Gut und Gesässe Trauschkau 1495 bereits als "im Flusse Mulde" liegend erwähnt. Seit den 30-er Jahren des 20. Jh. Anlage von Kleingärten. Der Inselcharakter ist heute durch Schleußenbau (Entwässerung der Neubaugebiete Wurzen Nord 1961/62) weitgehend verlorengegangen. (⇒ Werder)