Saarweg
(1934-1945)} ⇒ Johannes-Thomas-Straße
Sächsischer Hof
Wettinerplatz 1. Ehemalige Gaststätte; später für Unterrichts- und Verwaltungszwecke genutzt. Das Blick fangende mehrstöckige Gebäude im Südteil des Platzes blieb lange Zeit unbewohnt und ungenutzt. 2012/13 saniert und seitdem wieder Gatstätte.
Sahnsack, der (D)}
Wiesengelände in der Muldenaue, rechts der Mulde unterhalb der Mark Söllnitz und des Langen Grundes. Seit 1949 Anlage eines Brunnensystems zur Gewinnung von Uferfiltrat für das Wasserwerk 2 (1991 stillgelegt).
Salhausensche Mauer
In Resten noch erhaltene Mauer, mit der Bischof Johann von Salhausen den Crostigall und die südliche (Wenzels-) Vorstadt in die ummauerte Stadt einbeziehen wollte (⇒ Stadtmauer). Die Bauarbeiten begannen 1504, wurden aber 1512 aus finanziellen Gründen wieder eingestellt.} Die Mauer verlief vom Steinhof in östliche Richtung südlich der heutigen Beethovenstraße (dort noch in Resten am ⇒ Salhausenweg sichtbar) bis zum Johannishospital (⇒ Hospitaltor), weiter über den späteren Gottesacker (⇒ Alter Friedhof) bis zum Rondell (⇒ Rondelltor) und von dort nordwärts bis zum Ostausgang des Badergrabens.
Salhausenscher Reitweg
⇒ Berggasse
Salhausenstraße
(1933) ⇒ Erich-Weinert-Straße
Salhausenweg
Seit 2002 Name des Fußweges südlich der Beethovenstraße zwischen der Haugwitzstraße und dem Parkplatz auf dem Gelände des früheren ⇒ Steinhofs.
Salzstraße
⇒ Altstraßen
Sandgruben
Auf der Stadtflur gibt es sehr viele Grundstücke, auf denen in den vergangenen Jahr-hunderten, teilweise bis in die Gegenwart Sande als Baustoffe abgebaut wurden. Im unmittelbaren Stadtgebiet sind die Gruben meist schon wieder überbaut. Einige ehemaligen Sandgruben sind nennenswert: 1. Die ehemalige ⇒ Saugrube vor dem Eilenburger Tor; 2. Am Windmühlenweg (⇒ Deponie); 3. im Bereich des späteren Bgm.-Schmidt-Platzes; 4. auf dem Gelände der heutigen ⇒ Krankenkasse; 5. an der Schillerstraße (Ecke Rosa-Luxemburg-Straße). Auf Roitzscher Flur sind bekannt 6. die Sandgrube am ⇒ Heidenberg (südlich des Roitzscher Weges, "Michaels Sand-grube") und 7. die nördlich der Körlitzer Straße gelegene (bis Ende 1960 noch abgebaut, heute Standort des Obstkühllagerhauses). Auf Dehnitzer Flur haben Sandgruben existiert 8. zwischen Wachtelberg und Goldenem Tälchen (später Müllkippe der Wasserglasfabrik); 9. an der Oelschützer Straße (mehrere, teilweise bis nach 1950 genutzt) und 10. an der Stiefmutter oberhalb der Röhrwiesen (Gemeindesandgrube). Auf Nemter Flur können genannt werden 11. "Richters Sandgrube" südlich der Mühlbacher Straße (bis 1970); 12. die Grube am heutigen Sportplatz (bis etwa 1950); 13. östlich der ⇒ Sandspitze; 14. zwischen dem Läuseberg und Nemt (bis etwa 1960) u.a
Sandspitze
⇒ Rehfelder
Saugrube
Örtlichkeit (ehemalige Sandgrube) vor dem Eilenburger Tor (auf dem heutigen Gerhart-Hauptmann-Platz). Nach Schöttgen (1717) die Stelle, wo die Schweine der Wurzener vor ihrem Austrieb gesammelt wurden. Daher der Name.} Während des sogenannten "Saukrieges" 1558 sollen die Reiter des den Bischof befehdenden Hans von Carlowitz nicht weniger als 700 Schweine weggetrieben haben.
Schanze
Noch bis 1835 gebräuchliche Bezeichnung für das Gelände südlich des heutigen Clara-Zetkin-Platzes (Wasserturm). Eine Schanze soll hier 1542 während der "Wurzener Fehde" (Fladenkrieg) durch die kurfürstlichen Truppen errichtet worden sein, sicherlich um die Straßen nach Oschatz und Torgau beherrschen zu können.
Scharfrichterei
Auch Meisterei. Bei der Scharfrichterei noch um 1860 geläufig. Alte Nischwitzer Straße 11. Grundstück am Hang nördlich der Teppichfabrik. Bis in das 19. Jh. Wohnung des Scharfrichters
Scherdermühle
⇒ Mühlen (1.a)
Scheunengasse
(bis 19. Jh.)} ⇒ Beethovenstraße
Schiemannstraße
Seit dem 4.5.1994 im Gewerbegebiet Eilenburger Straße nach dem Unternehmer und Entwickler der ersten elektrischen gleislosen Straßenbahn Max Schiemann (1866-1933), der seit 1904 in Wurzen wirkte.
Schießhaus
(Geol. Specialkarte Kgr. Sachsen 1884)} ⇒ Schützenhaus
Schießmauer
Die nördlich des ⇒ Schützenhofes am Muldenufer gelegenen Mauerreste gehören zu einer Anlage, die Ende des 19. Jh. für die Wurzener Garnison (Jäger-Bataillon) errichtet worden war.
Schießhalle, Schießstand
Einrichtung der 1869 gegründeten "Freihandschützengesellschaft" in der Körlitzer Hohle. Die Schießhalle - noch 1869 mit einem Festschießen eingeweiht - ist 1884 auf den Karten nicht mehr verzeichnet. Es gab nur noch - und das bis zum 2. Welkrieg - den Schießstand.
Schießplatz
⇒ Exerzierplatz
Schillerstraße
Führt vom Wettinerplatz auf der überwölbten Rietzschke bis zur Rosa-Luxemburg-Straße. Seit dem 1.8.1945 nach dem deutschen Dichter Friedrich Schiller (1759-1805). Vorher seit dem 16.12.1886 Carolastraße nach der sächsischen Königin Carola (1833-1907).
Schinderanger
⇒ Abdeckerei, Scharfrichterei
Schinderborn
Örtlichkeit an der nördlichen Weichbildgrenze in der Nähe des Hochgerichtes. Wird im Zusammenhang mit der Protokollen der Weichbildbegehungen (seit 1580) mehrfach erwähnt. Namengebung steht im Zusammenhang mit dem Scharfrichter, der auch die ⇒ Abdeckerei betrieb.
Schindergraben
⇒ Mühlgraben
Schladebachs Gut, Schladebachsche Felder
⇒ Steinhöfe
Schlageterplatz (1933-1945)
⇒ Gerhart-Hauptmann-Platz
Schlippe, auch Schluppe, die
Zu "schlüpfen". Schmaler Durchgang durch die Stadtmauer bzw. zwischen Gebäuden. Heute noch sichtbare Schlippen durch die ehemalige Stadtmauer befinden sich an der Stelle der "Neuen Pforte" (⇒ Johannispforte) zwischen Johannisgasse und Kannengießergasse (führt heute durch Privatgrundstück), der ehemaligen Baderpforte sowie zwischen Schweizergartenstraße und Marxens Hof (⇒ Schmiedegasse). Nicht mehr vorhanden sind die Schlippen zwischen Wenzelstor und Badergraben sowie die Baulücke zwischen den Grundstücken Domgasse 11 und 13 (1991 überbaut).
Schloss
Amtshof 2. 1491-1497 unter Bischof Johann von Salhausen (1444-1518) erbaut; sicherlich an der Stelle einer älteren Anlage, über die nichts Näheres bekannt ist, nur, dass Bischof Johann I. von Eisenberg 1358 in seinem Testament 100 Schock breiter Prager Groschen für deren Befestigung festsetzt. Das spätgotische Ensemble besteht aus einem dreistöckigen Gebäude mit reich gegliederten Giebeln und mit je einem Rundturm an der Südost- und Nordwestecke. Durch den Schlossgraben (Zwinger) vom Plateau des Amtshofes getrennt. Zugang ursprünglich über eine Zugbrücke (Rollen für die Brücke über dem Eingang noch vorhanden). Inmitten des Erdgeschosses und des Mittelgeschosses Hallen mit Netzgewölben. Zugang zu den oberen Geschossen durch einen von außen nicht sichtbaren Wendeltreppenturm. Fenster des Mittelgeschosses mit Vorhangbögen. Über dem in der Mitte der Westfassade gelegenen Portal kunstvolles Wappen des Bauherren zwischen den Stiftspatronen, den hl. Johannes Evangelista und Donatus. Wie die Albrechtsburg in Meißen ein Beispiel für den Übergang von der mittelalterlichen Burg- zur Schlossarchitektur.} Ein drittes turmartiges Gebäude, das mit dem Schloss in Zusammenhang gebracht wird, gehörte nicht zu diesem Baukomplex, sondern befand sich in der Nähe des Domtores und begrenzte dort den zum Schloss gehörenden Wirtschaftshof (heute das Gelände des Amtshofes). Dieser Turm fiel dem Stadtbrand von 1631 zum Opfer. Mit dem Schloss verbunden ist das sogenannte Regierungshaus.} Im Schloss residierten zeitweise die Bischöfe von Meißen. Hier trat am 20.10.1581 Johann von Haugwitz als letzter Bischof zurück. Danach war bis zu Beginn des 19. Jh. das Schloss Sitz der kursächsischen Stiftsregierung, von 1819 bis 1835 Mittelpunkt des Amtes Wurzen und danach bis nach 1950 Sitz des Amtsgerichtes bzw. Kreisgerichtes, von da an bis 2002 Sitz der Polizei (VP-Kreisamt und Polizeirevier). Nach Verkauf 2002 Umbau zu Gaststätte und Hotel.
Schlossbrauerei oder Stiftsbrauerei
Das zum Schloss gehörende Brauhaus befand sich im Wirtschaftshof des Schlosses (Amtshof 1; heute Wohnungen). In diesem Gebäude befand sich im 19. Jh. die Zigarrenfabrik Hartenstein. 1878 brannte es aus. Beim Wiederaufbau wurde das ursprünglich an der Fassade zur Finsteren Gasse befindliche Wappen des Bischofs Johann von Schleinitz über dem Eingang im Amtshof angebracht.
Schloßplatz
(1869) ⇒ Amtshof
Schmiedegasse
Seit dem 1.11.1995 Postanschrift für die Wohnbebauung in Marxens Hof (⇒ Stadtgüter [1.b)]). Der Name wurde in Erinnerung an die 1992 abgerissene ⇒ Alte Schmiede (2.) und in Anlehnung an alte Benennungsmuster wie Schuhgasse oder Kannengießergasse gewählt.
Schmölen
Name slawischen Ursprungs: "Pechhütte". Ehemalige Gutssiedlung südlich von Bennewitz am westlichen Hochufer der Mulde. 1451 ging das Vorwerk mit der dazugehörigen Siedlung aus kurfürstlichem in bischöflichen Besitz über, 1519 durch Vererbung an adlige Besitzer. Mit Bennewitz 1950-1974 Ortsteil von Wurzen. Seitdem Ortsteil von Bennewitz.
Schneidemühle
⇒ Mühlen
Schönert-Mühle
⇒ Mühlen
Schönertstraße
(1912 bis nach 1945) ⇒ Julius-Künzel-Straße
Schöttgenstraße
Sie führt von der Torgauer Straße unmittelbar vor der Abzweigung des Roitzscher Weges nach Süden bis zur Rietzschken-Promenade. Seit dem 3.5.1927 nach dem in Wurzen geborenen Historiker, Theologen und Pädagogen Christian Schöttgen (1687-1751), der 1717 die "Historie der Chur-Sächsischen Stiffts-Stadt Wurtzen" verfasste.
Schroths Hof
⇒ Postgut, Stadtgüter (1.f)
Schrothstraße
(1882-1945)} ⇒ Kantstraße
Schuhgasse
Sie führt von der Nordwestecke des Marktes nach Westen bis zur Johannisgasse.}
Schulen
1. ⇒ Domschule (Stiftsschule).
2. ⇒ Stadtschule.
3. ⇒ Lateinschule.
4. ⇒ Mägdelein-schule.
5. ⇒ Bürgerschule. 6. ⇒ Knabenschule (Pestalozzischule). 7. ⇒ Mädchenschule (Diesterwegschule). 8. ⇒ Realschule. 9. ⇒ Töchterschule. 10. ⇒ Gymnasium. 11. ⇒ Handelsschule. 12. ⇒ Landwirtschaftsschule. 13. ⇒ Volkshochschule. 14. ⇒ Musikschule. 15. ⇒ Berufsschule. 16. ⇒ Förderschule. 17. ⇒ Sputnikzentrum.} 18. Schule Nord, volkstümlich auch Nordschule: Grund- und Mittelschule in der Friedrich-Ebert-Straße. 1974 im Neubaugebiet Nord errichtet. Deshalb auch die Namengebung 1992. Vorher seit 1974 Wilhelm-Pieck-Oberschule nach dem Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck (1876-1960, Präsident seit 1949)} Als Mittelschule 2007 geschlossen. Gebäude ab August 2007 von Ringelnatz-Grundschule, Musikschule und Volkshochschule genutzt
Schulgasse, -gäßchen
(bis 1881)} ⇒ Domplatz
Schulsternwarte "Giordano Bruno"
⇒ Sternwarte
Schultreppen
Am südwestlichen Steilhang des Domplatzes zum Rietzschketal hinab (⇒ An den Schultreppen). Die Schultreppen sind ein alter Verbindungsweg zwischen der ehemaligen Domfreiheit, die außerhalb der städtischen Verfügungsgewalt lag und der Amtsgemeinde Crostigall. Bis etwa 1880 setzte sich dieser Weg in der Schulgasse auf dem Gelände des Domplatzes fort. Östlich dieser Gasse stand bis nach 1880 die 1596 fertiggestellte Stadtschule oder Lateinschule. Seit 1881 westlich davon am Hang zum Rosental die Mädchen-Bürgerschule.
Schulweg
(N)} Alter FN, seit dem 1.1.1994 Postanschrift. Der Weg geht westlich des ehemaligen Gemeindeamtes von der Alten Poststraße nach Südosten ab und führt zwischen dem Friedhof und der alten Schule (Nr. 10; bis 1997 Kindergarten) vorbei den Hang nach Süden hinauf zur Oelschützer Straße.
Schutthaus oder Schütthaus
Jacobsgasse 23. Hier könnte der Standort der Jacobskirche zu vermuten sein. Auffällig ist das heutige Gebäude dadurch, dass es gegenüber der Straßenfront weit zurücksteht. Die Jacobskirche war die einzige Kirche innerhalb der Stadtmauer. Obwohl sie beim Stadtbrand von 1519 unversehrt blieb, war sie in der Mitte des 16. Jh. bereits baufällig, und das Areal wurde dem Rat übereignet. Nach den Zerstörungen während des 30j-ährigen Krieges ließ der Rat das Gelände lange unbebaut; während die Häuser in der Jacobsgasse wieder aufgebaut wurden, blieb hier ein großer Schutthaufen liegen. So kam es hier zu dem Namen. Er bezieht sich also nicht auf das "Schütten (von Korn)" in einem Speicher (⇒ Kornhaus). Ab 1715 wird der Rat durch kurfürstliche Mandate gedrängt, wüstliegende Grundstücke wieder zu bebauen. Um der drohenden Enteignung zu entgehen, sah sich der Rat schließlich 1728 genötigt, "den hohen Befehlen zu gehorsamen und ein nutzbares Gebäude mit nicht gar großen Kosten aufzuführen". Allerdings war der Bau erst 1731 beendet.
Schützengraben
⇒ Stadtgraben
Schützenhaus
Für 1592 wird bereits ein Schießhaus auf dem Bürgerwerder erwähnt. Dilich stellt es in seiner Stadtansicht von 1628 als Fachwerkhaus im Vordergrund dar. 1764 befand sich das Schießhaus mit Schießmauer am Anfang der Bleiche, im selben Jahr wurde es durch Hochwasser zerstört. Deshalb errichtete die Schützengilde bis 1798 oberhalb des Fährhauses, auf dem so genannten Fährwinkel, ein neues Gebäude. Der große Eisgang vom Februar 1799 zerstörte es wieder. Noch im gleichen Jahr erwarb die Gilde ein Grundstück nördlich vom Fährhaus. Das hier errichtete Gebäude widerstand den Naturgewalten, nur Schießstand und Zielerhäuschen wurden 1850 ein Opfer des Hochwassers. 1878 erhielt das Schießhaus seine heutige Gestalt. Fortan trug es den Namen Schützenhaus und war auch eine beliebte Ausflugsgaststätte. Als der Wirt Plappert darin Räume den Wurzener Sozialdemokraten zur Verfügung stellte, gab es die Schützengilde auf und errichtete dicht daneben bis 1905 ihren Schützenhof.} Auch das Schützenhaus wurde um diese Zeit vergrößert und z.B. mit einem Turnhallenanbau versehen (1903). Gaststättenbetrieb bis 1955. Seit 1963 gewerbliche Nutzung des Geländes. Abriss 2005 in Vorbereitung des Neubaus der ⇒ Muldenbrücke.
Schützenhof
Die von der Bürgerschützengilde bis 1905 errichtete Anlage am Muldenufer auf dem Bürgerwerder mit Schießständen und Schießwand. Nachdem 1945 die Schützengilde verboten und enteignet worden war; wurde der Schützenhof bis 1990 von der "Gesellschaft für Sport und Technik" zur Schießausbildung genutzt, auch die Kreisgeschäftsstelle der Massenorganisation war in dem Gebäude untergebracht. Nach Restituierung der Bürgerschützengilde 1991 zog diese wieder in das Gebäude ein. 1995 Einweihung der sanierten Anlage.
Schützenwiese
⇒ Bürgerwerder
Schützstraße
Seit dem 4.5.1994 im Gewerbegebiet Eilenburger Straße nach dem Unternehmer Johann Friedrich August Schütz (1808-1887), der 1840 in Wurzen die Tapeten- und Teppichfabrikation begründete.
Schwarzer Weg
⇒ Am Güterbahnhof
Schweizergarten, auch (Kreis-)Kulturhaus "Schweizergarten"
Badergraben 18/ Schweizergartenstraße 2. Seit den 1970er Jahren des 19. Jh. Gaststätte am Badergraben mit Garten (an der späteren Schweizergartenstraße), durch den bis 1883 noch die Rietzschke floss. 1889 Neubau und Erweiterung nach Osten. Seit 1938 im Osten durch den Petersweg begrenzt. Gaststätte und Saal wurden nach 1950 mehrmals umgebaut. Seit 1956 "Kulturhaus", später "Kreiskulturhaus". Gaststätte seit 1991 geschlossen. Seit 1995 Jugendclub. Saal wird für Kultur- und Tanzveranstaltungen weiter genutzt. 1994 Abriss der Kegelbahn im Hof. Schrittweise Sanierung des Saalkomplexes bis 2001. Sanierung des historischen Blauen Saals 2005/06.} Die Namengebung hat nichts mit den angeblichen "Schweizer-Garden" der Bischofszeit zu tun, sondern stammt aus der Mitte des 19. Jh., als das deutsche städtische Bürgertum in der "Schweiz" seinen Idealstaat verkörpert sah. Der "sogenannte Schweizergarten" wird in der Erbsache Weselowski ab 1834 erstmals erwähnt. Vorher (1812) wird von den "Beutlerschen Gärten" gesprochen. (⇒ Stadtgüter [1.l])
Schweizergartenstraße
Seit dem 13.9.1883 nach dem Restaurant Schweizergarten, dessen Garten sich ursprünglich an beiden Ufern der Rietzschke erstreckte. Ihre Verlegung nach Norden sowie ihre Überwölbung bis 1883 geschah im Zusammenhang mit der Anlage der Straße. Der ehemalige Garten wurde 1937/38 durch den Bau des Sparkassengebäudes und die Anlegung des Petersweges (heute August-Fleischer-Straße) beseitigt. Am 1.1.1938 wurde die Straße nach dem in der Schweiz ermordeten deutschen Diplomaten Wilhelm Gustloff umbenannt. Seit dem 1.8.1945 hieß sie Leninstraße nach dem russischen Revolutionär und Begründer der Sowjetunion Wladimir Iljitsch Lenin (eigentl. Uljanow; 1870-1924). Rückbenennung am 1.5. 1991.
Schweizerhaus
Lüptitzer Straße 52. Ursprünglich Schäferei und Ausflugsgaststätte (1888 - nach 1930). Der "Schweizer" Baustil durch Umbauten im 20. Jh. nicht mehr sichtbar.
See, die (Dehnitzer)
Verlandendes Altwasser südwestlich von Dehnitz, Rest eines alten Muldenarmes im Bereich des ⇒ Bruchs.
Seetzenstraße
(1924 - etwa 1946)} ⇒ Eduard-Schulze Straße
Seldtestraße
(1933-1945)} ⇒ Albert-Kuntz-Straße
Siechhaus
- Dresdener Straße 20. Das Fachwerkgebäude (Fachwerk heute verputzt) wurde vom Rat 1726/27 errichtet, als das Johannishospital für die Bedürfnisse der Stadt zu klein geworden war}
- Das von Dilich 1628 auf dem Kuhwerder eingezeichnete Siechhaus gehört sicher zu den Gebäuden, die in der Pestchronik von 1608 erwähnt werden. Sie wurden wegen der im Mai 1607 ausbrechenden Seuche errichtet.
Siedlerweg
⇒ Am Stadtwald
Soldatenwinkel
⇒ Alter Friedhof
sowjetische Garnison
Als am 5.5.1945 die Rote Armee Wurzen besetzte, beschlagnahmten die Militärbehörden die ehemalige Artilleriekaserne in der Juelstraße. Bis zum Februar 1993 waren dort verschiedene Militäreinheiten stationiert. Auch die zivilen Wohngebäude am Rosenweg und an der äußeren Eilenburger Straße wurden von den sowjetischen Militärangehörigen bzw. von ihren Familien genutzt
Sperlingsberg
Zwischen Barbaragasse und Badergraben. Wie Unter der Tanne eigentlich nur ein Verbindungsweg.
Spie(ge)lberg
Kein Berg im eigentlichen Sinne, sondern der Terrassenrand zur Muldenaue vor dem Eilenburger Tor, heute Gerhart-Hauptmann-Platz. Noch Schöttgen bestätigt 1717, dass die Stelle wenig bebaut war. Durch Sandabbau am Hang war die Saugrube entstanden.} Der Flurname wird von Ebert (1930) von lat. speculare "spähen, Ausschau halten" hergeleitet. Hier oben, wo man auch heute noch einen weiten Blick nach Westen in die Aue hat, könnten die bischöflichen Bediensteten die Bewegungen auf der hier den Hang heraufführenden alten Straße beobachtet haben. Die alte bischöfliche Zollstation (⇒ telonium Wurczense) kann hier vermutet werden.
Spitzbergweg
Wie der benachbarte Siedlerweg Teil der Flugplatzsiedlung. Er setzt etwa den alten Großzschepaer Rasenweg fort, der vom Spitzberg über die Pletzschwitzer Felder kommend beim Halsgericht auf den Weg nach Collmen (Collmener Straße) stieß. Der alte Weg wurde durch die Flugplatzsiedlung an dieser Stelle beseitigt.
Spitze
Mehrfach Bezeichnung für "spitz" zulaufende Grundstücke auf der Stadtflur. Sie lagen meist in Wegegabelungen, oder ihre Grenzen waren durch markante Oberflächenlinien vorgegeben (Wege, Hänge, Gewässer), z.B. die ⇒ Stadtschreiberspitze, am Galgen oder zwischen Nemter und Oelschützer Straße.
Sporthallen
1. ⇒ Stadtsporthalle. 2. Heinrich-Heine-Straße 20. Die Turnhalle entstand bis 1911 durch die Mitglieder der Arbeiter-Turn- und Sport-vereins "Frisch auf" (⇒ Gewerk-schaftshaus). 1991/93 umfangreiche Sanierung durch die Stadt. 3. ⇒ GutsMuths-Halle. 4. Püttnerstraße. Sporthalle der Diesterwegschule. 1993/94 durch die Stadt erbaut} Weitere wichtige Sporthallen befinden sich in der Pestalozzischule, der Mittelschule Nord, der Berufsschule und ab 1996 im Neubau des Gymnasiums} Nicht mehr als Sporthalle genutzt wird das Gebäude in der Dresdener Straße 43 (bis 1945 Halle des Turnvereins 1847)
Sportplätze
1. ⇒ Jahn-Sportplatz. 2. ⇒ Albert-Kuntz-Stadion. 3. ⇒ Stadion der Jugend.} 4. Tennisanlage im Stadtpark. Bei der Erweiterung des ⇒ Stadtparkes um 1890 durch die Stadt im nördlichen Teil angelegt. 1919 Gründung des "Sport-Clubs Wurzen 1919", der die Anlage wenig später in eigene Verwaltung übernahm. 1920/22 Anlage von zwei Tennisplätzen und Bau eines Klubhauses, 1928 Anlage eines dritten Tennisplatzes. 1953 Beseitigung von Schäden (u.a. durch Brand). 1995/96 Sanierung des Vereinshauses (Wurzener Tennisclub)
Sputnikzentrum
1964 entstandenes Objekt für die Feriengestaltung der Wurzener Schulen auf dem Freigelände nördlich der GuthsMuts-Halle (Bungalows, Sportanlage). Der Name ist eine für die damalige Zeit typische Bildung: Nach dem russischen ??????? "Begleiter". Der Name wurde in der Folgezeit auch auf das später entstandene Schulgebäude am Roitzscher Kirchweg übertragen (bis 1996 Grundschule „An der Sternwarte“).
Staatsbank
⇒ Wurzener Bank (1.)
Stadion der Jugend
Lüptitzer Straße 24. Erste Planungen für einen Stadion-Neubau bereits kurz nach 1952, als die Fußballmannschaft von "Empor Wurzen" Sachsenmeister geworden war. Erste Baumaßnahmen 1955/57. Ausbau zog sich bis in die 1970-er Jahre hin und blieb in manchem unvollkommen
Stadtapotheke
Domgasse 1. Auffälliger Eckbau zur Wenceslaigasse gegenüber dem Rathaus. Das Gebäude besitzt sehenswerte Kellergewölbe aus den Anfängen der Apotheke. Sie ist seit 1650 hier nachweisbar. Nach 1995 umfangreiche Sanierungen
Stadtbad
⇒ Bad
Stadtfelder
Grundstücke innerhalb oder auch außerhalb der alten ⇒ Weichbildgrenze, die im Besitz von Wurzener Bürger waren und von diesen agrarisch genutzt wurden. Der Besitzstand in den 40-er Jahren des 19. Jahrhunderts war die Grundlage für die endgültige Festsetzung der Wurzener Flurgrenze 1843/45.
Stadtgefängnis
Im Rathaushof. Nachdem mit dem Abriss des Eilenburger Tores die sogenannte Ratsfronfeste nicht mehr zur Verfügung stand, konnte nur noch dieses Gebäude, das älter als das heutige Rathaus ist, als Gefängnis der Stadt genutzt werden. Das heute noch erhaltene separate Gebäude aus dem 17. Jh. ist dreiteilig und nimmt eine Fläche von ca. 6,60 x 3,00 m ein. Eiserner Ofen, vergitterte Fenster, Verschlusseinrichtungen mit Klappe und Gucklock erinnern noch an seine einstige Bestimmung
Stadtgemeinde
⇒ Viertel..., Wurzen
Stadtgraben
Eigentlich Schützengraben nach den Wurzener Schützen, die hier nach Niederlegung der Mauer ihre Übungsstätte bekamen. Nach 1945 wurde der bis dahin gebräuchliche Name durch den heute amtlichen (der aber auch schon manchmal benutzt wurde) ersetzt.
Stadtgüter
1.: Die außerhalb des Mauerringes, aber innerhalb des städtischen Weichbildes gelegenen Grundstücke, die in Bebauung und Bewirtschaftung agrarisch geprägt waren. Bis in die Mitte des 19. Jh. erwarben die Besitzer mit einem Stadtgut auch das Wurzener Bürgerrecht. Einige der späteren Stadtgüter gehen auf alte, meist bischöf-liche Vorwerke zurück, die - oft verlehnt - ab Ende des 16. Jh. in bürgerlichen Besitz übergingen. Zu den Stadtgütern gehörten z.T. recht umfängliche Anteile an der sogenannten Stadtfelderflur, die auch außerhalb der ⇒ Weichbildgrenze liegen konnte. Gegen Ende des 19. Jh. begann die Parzellierung des Grundbesitzes, und die meisten Stadtgüter - oft jetzt schon mit Fuhrbetrieb, Viehhandel oder einer Gastwirtschaft gekoppelt – verschwanden. Folgende Stadtgüter sind nennenswert:}
- Crostigall 49 (⇒ Steinhof zum schwarzen und weißen Kreuz; Schreitersches Gut, Schladebachs Gut). Ursprünglich in bischöflichem Besitz. Um 1580 wird dann ein Erhardt von Haugwitz (!) genannt. Spätere Besitzer sind u.a. Jacob Zenner, Super-intendent Christoph Daniel Schreiter (seit 1670). Ab 1812 im Besitz der Familie Schladebach. Schon im 17. Jh. wichtiger Gasthof. Das Gut blieb schriftsässig und im Besitz der Eigengerichtsbarkeit bis 1843. 1968 Abriss der Wirtschaftsgebäude wegen Ausbaus der Beethovenstraße, nur das Wohnhaus ist erhalten. Seit den 1950-er Jahren Bebauung der östlich und südlich vom Gut gelegenen Schladebachschen Felder mit Wohnungen}
- Jacobsplatz 7-11 (Steinhof vor dem Jacobstor, Marxens Hof). Ursprünglich bischöfliches Vor-werk, das eventuell 1495 mit dem allodium gemeint sein könnte, das ante oppidum "in der alden Stat" lag und zu diesem Zeitpunkt verlehnt war (tenet in feudum dictus Zigeritz ["behält zu Lehen besagter Ziegeritz"]). Bewahrte seinen Status als Freigut auch nach Übergang in bürgerlichen Besitz bis 1657. Als Rathsvorwerk nach 1700 verpachtet. Umfasste das gesamte Gelände zwischen Jacobsplatz und Rietzschke. Bis 1800 müssen bereits Teilungen stattgefunden haben. Der südliche Teil ist 1803 im Besitz von Johann Carl Weselowski, der die Posthalterei vom Crostigall nach hier verlegte (bis 1815). 1854 kam das Gelände an Franz Theodor Marx (deshalb bis in die Gegenwart Marxens Hof, der sich bis zur Schweizergartenstraße erstreckt). 1994/96 Bebauung des freien Innenbereichs (⇒ Schmiedegasse). Der nördliche Teil umfasste die Gebäude des alten Steinhofs (Jacobsplatz 7 und 9, später "Stadt Hamburg", Umbau zu Gewerberäumen 2005) sowie das Gelände der ehemaligen ⇒ Alten Schmiede (2.)} Die Wirtschaftsgebäude an der Schmiedegasse wurden 1995 abgerissen und auf dem Gelände ein Parkplatz für die Wurzener Bank (2.) angelegt.}
- Jacobsplatz 27/28 (Eckhardts Erben, das Goldene Faß, volkstümlich nach 1945 auch nach den Pächtern "[bei] Gringmuth[s]). Auch hier kann das 1495 erwähnte allodium vermutet werden. Seit 1640 ist die Familie Eckhardt, deren Mitglieder in der Geschichte der Stadt zeitweise eine herausragende Rolle spielten (Bürgermeister, Stadtrichter, Stadtverordnetenvorsteher) bereits vor dem Jacobstor begütert. Im 18./19. Jh. Gastwirtschaft mit Ausspanne Das (Goldene) Faß. Landwirtschaftliche Nutzung des Geländes und der Gebäude bis 1973. Abriss der Gebäude, die vom Anfang des 19. Jh. stammen, 1992. Bebauung des Geländes bis 1995. (⇒ Stadtgut [2.])}
- Gerhart-Hauptmann-Platz 5 (Stadtgut Hentschel). Standort ist wohl mit dem bischöflichen Vorwerk gleichzusetzen, das bereits 1114 in der Gründungsurkunde für das Wurzener Kollegiatstift als ⇒ telonium Wurczense erwähnt wird.} 1602 von Ernst Bennewitz bebaut. Ab 1841 mehrfacher Besitzerwechsel, 1880 Teilung des Besitzes. Vorderer Teil seitdem Stadtgut Hentschel, der hintere (Alte Nischwitzer Straße 1) zuletzt Kästnersches Gut. Das Stadtgut Hentschel wurde um 1960 abgerissen. Heute Parkplatz}
- Crostigall 9 (Gasthof Zur [Goldenen] Rose). Zu 1554 erstmals erwähnt. Gasthof mit Ausspanne um 1800. Landwirtschaftlicher Betrieb bis 1886, danach Parzellierung des Grundbesitzes. Gebäude um 1980 abgerissen. Heute Parkplatz}
- Crostigall 42 (Postgut, Schroths Hof). Im alten Gaudlitzschen ⇒ Freigut auf dem Crostigall, des-sen Flur schon seit 1598 aufgesiedelt wurde (⇒ Gaudlitz), befand sich 1696 bis 1808 die kursächsische Posthalterei (⇒ Post und Postgut). 1857 erwirbt es der Weißgerbermeister Friedrich Christian Schroth (daher bis in die Gegenwart Schroths Hof)}
- Crostigall 14 (Stadtgut Schumann). Die Geschichte dieses Gutes reicht bis in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zurück: 1554 als "Freyhaus vor dem Wencelstor" im Besitz eines Christoph Lotter. 1687 wurde das heute noch vorhandene Wohnhaus errichtet (⇒ Ringelnatzhaus). 1791 "Marschallsches Forwerk". 1848 verkauft Karoline verw. Hauptmann von Petrikowsky geb. Weselowski (!) das Gut an Adolph Morgenstern (⇒ 1.l). 1915 kommt es in den Besitz von Schumann; 1943 Aufgabe des Gutsbetriebes}
- Torgauer Straße 1 (Hahnefeldsches Gut). Vermutlich seit der 2. Hälfte des 18. Jh. Fleischermeister Hahnefeld erwirbt es 1863 aus dem Besitz des Kaufmannes Lessig. In den Jahren 1874 bis 1889 wird der recht umfängliche Grundbesitz mehrfach geteilt und parzelliert. Er erstreckte sich zwischen heutiger Martin-Luther- und Rudolf-Breitscheid-Straße}
- Straße des Friedens 34 (Rothmannsches Gut). Die Baulichkeiten sind heute noch vorhanden. Sie stam-men z.T. aus der 1. Hälfte des 19. Jh. 1914 geht der Besitz von Wilhelm August Rothmann durch Kauf an die Teppichfabrik über. Seit 1953 Nutzung durch die LPG "Ernst Thälmann" in Bennewitz, seit Ende der 1970er Jahre durch die Stadtwirtschaft Grimma und zuletzt durch die Abfallwirtschaft Wurzen}
- Friedrich-Ebert-Straße 1-3. Bis 1921. U.a. im Besitz des Druckereibesitzers Friedrich Gustav Jacob}
- Dresdener Straße 16. Um 1700 bereits vorhanden. Grundbesitz im Bereich des ⇒ Rondells. Bebauung erfolgt um die Jahrhundertwende. Ehemalige Gaststätte ("Kronprinz" bzw. "Stadt Chemnitz"). An der Straßengabelung eine Fuhrwerkswaage, später bis in die Mitte des 20. Jh. Tankstelle}
- Dresdener Straße 7. Um 1800 zum Besitz von Johann Carl Weselowski (⇒ Jacobsplatz 7-11) gehörig. 1855-1869 im Besitz von Adolph Morgenstern. Mehrfacher Besitzerwechsel. Bis 1910 landwirtschaftlicher Betrieb. In diesem Jahr erwirbt das Gelände August Zimmermann, der dort die bekannte Möbelfirma begründet. Ein Teil der alten und verfallenden Wirtschaftsgebäude brannte im November 2006 nieder. Grundstück seit 2011 mit einem Supermarkt bebaut.}
- Bahnhofstraße 19. In der Mitte des vorigen Jh. Später das "Restaurant Fehre"}
- Costigall 36/38. Vielleicht das von Koch genannte "Göderitzsche Gut". 1842 als Besitzer August Röthel genannt. Nach Verkauf 1878 Parzellierung des Geländes, das sich bis zur Postgasse erstreckte. Später Gaststätte "Goldener Ring".}
- Altstadt 41. Einige Baulichkeiten (gewölbter Keller unter der Scheune) weisen auf hohes Alter hin. Vielleicht besteht auch ein Nutzungszusammenhang mit Jacobsplatz 27/28. Noch im 20. Jh. Viehhandel}
- das "Zopfsche Gut" auf dem Gelände zwischen Barbaragasse, Unter der Tanne, Badergraben und Wenceslaigasse. Seit Beginn des 19. Jh. nachweisbar. Ein großer Teil des Geländes wurde 1851 von Moritz Rahn erworben. ]} 1904-1906 entstand die jetzige Bebauung (Jugendstil) entlang des Badergrabens und der Wenceslaigasse mit dem stadtbildprägenden "Modehaus Rahn" (nach 1945 "Konsum-Kaufhaus“).}
- das so genannte Färbehaus am Teichdamm, unmittelbar nördlich der Stadtmühle gelegen.} Das Anwesen hatte vergleichsweise nur geringen Landbesitz, der sich an der unteren ⇒ Rietzschke bis zum Mühlgraben erstreckte. Der Name weist darauf hin, dass das Gelände im Zusammenhang mit den Färbern und der benachbarten ⇒ Bleiche zu sehen ist. 1684 erwarb Christoph Marschall aus Leipzig vom "Schwarz- und Schönfärber" Martin Jahn "Hauß und Hof Platz und Farbegerechtigkeit". Bis 1834 war die Bezeichnung Färbehaus üblich. 1854 wurden das Färbehaus und der unmittelbar benachbarte Grundbesitz von Friedrich Krietsch erworben. Auf dem nördlichen Teil siedelte sich die Wollwäscherei Schroth (⇒ Bad, Badeanstalt [2.d]) an}
2. Stadtgut: Seit dem 1.1.1994 Postanschrift für die Neubebauung auf dem Gelände des ehemaligen Stadtgutes Eckhardt zwischen Jacobsplatz 27 und der Straße des Friedens 11.
Stadthaus
Friedrich-Ebert-Straße 2. Das Mannschaftsgebäude der ehemaligen Jäger- bzw. Infanteriekaserne wurde nach 1920 und der Entmilitarisierung der Stadt von dieser übernommen und umgebaut. Es wurden Wohnungen eingerichtet und vor allem Räume für die Stadtverwaltung geschaffen. Im Südteil des Gebäudes entstand 1926/27 der Sitzungssaal der Stadtverordneten mit einem Panoramarelief der Stadt (1929). Seit 1952 beherbergte das Gebäude im größeren Teil den Rat des Kreises Wurzen. Die Stadtverwaltung benutzte nur noch den südlichen Teil. Dadurch wurde 1994 der Muldentalkreis Eigentümer des ehemals städtischen Gebäudes. Die Stadt war deshalb gezwungen, 1997 das Schulgebäude auf dem Domplatz (⇒ Bürgerschule; Gymnasium) gegen das Stadthaus einzutauschen.
Stadthausvorplatz
Bis 1920 der Innenhof der ⇒ Infanteriekaserne. Keine Postanschrift, sondern nur Stellenbezeichnung. Heute öffentlicher Parkplatz.
Stadtmauer
Es ist zu vermuten, dass mit Begründung der Rechtsstadt um den heutigen Markt auch die Ummauerung der Stadt erfolgte. Um 1300 war sicherlich der (innere) Mauerring mit den 3 bzw. 4 ⇒ Stadttoren vorhanden. Diese Mauer lief von der Nordostecke des Schlosses nördlich der Gasse An der Mauer bis zur Eilenburger Gasse (heute Albert-Kuntz-Straße), entlang des Stadtgrabens bis zum Jacobsplatz, bildete dann die Westseite des heutigen Platzes und lief nach Süden bis zum Badergraben, nördlich der Rietzschke verlief sie von hier ab nach Westen bis zur Wenceslaigasse, westlich dieser Gasse stieß sie dann an den befestigten Hang des Domberges. Von dieser Mauer sind nur noch ganz geringe Reste vorhanden: sichtbar südlich des Rathaushofes und nicht mehr sichtbar als Teile heutiger Gebäude an der Wenceslaigasse und an der Albert-Kuntz-Straße. Bereits unmittelbar nach dem 30-jährigen Krieg wurden große Teile der Bruchsteinmauer niedergelegt, um Baumaterial zum Wiederaufbau der Stadt zu gewinnen (⇒ Neues Haus).} Bereits im 15. Jh. waren die vor der Mauer liegenden Stadtteile so stark angewachsen, dass Bischof Johann von Salhausen auch ihre Ummauerung in Angriff nahm. Aber der äußere Mauerring wurde nie vollendet, 1512 stellte man die Bauarbeiten aus finanziellen Gründen ein. Diese Mauer verlief vom ⇒ Steinhof südlich der heutigen Beethovenstraße nach Osten bis zum sogenannten Rondell (entlang des ⇒ Salhausenwegs), von dort nach Norden bis zum Badergraben, umschloss also die ganze Wenzelsvorstadt. Reste dieser Mauer sind noch vorhanden an der Haugwitzstraße, auf dem ehemaligen Alten Friedhof und im Hof des Grundstücks Dresdener Straße 5.
Stadtmühle
⇒ Mühlen
Stadtpark
Ca. 16 ha umfassendes Gelände im Norden der Stadt zwischen Geschwister-Scholl-, Kutusow-, Juel- und Alter Nischwitzer Straße. Am 10.6.1879 beschloss der Verschönerungsverein unter Vorsitz des Stadtverordneten Juel die Anlage des Parks. Der erste Baum wurde am 12.10.1879 gepflanzt („Fischereiche“). 1888 entstand als Stiftung eines Kegelklubs neben der an der Alten Nischwitzer Straße gelegenen "Steingruppe" (Steinberg) aus Natursteinen ein runder Aussichtsturm (volkstümlich Mäuseturm, Rapunzelturm; heute nicht mehr begehbar). Nördlich davon befand sich ein Konzertplatz; diese Fläche ist heute als Blumenanlage mit Springbrunnen und Bänken gestaltet. Wurzener Industrielle stifteten aus Anlass des 800-jährigen Jubiläums des Hauses Wettin ein Gebäude im nördlichen Teil des Parkes (Wettinhaus), das seit 1890 die Wohnung des Stadtgärtners enthielt (heute Gaststätte). Der vordere, älteste Teil des Parks erhielt bis 1896 noch zwei Teiche, deren Verbindung auf einer Bogenbrücke überquert werden konnte (heute nur noch der größere Teich vorhanden). Am nördlichen Ufer des Teiches erhebt sich eine Grotte aus Tropfsteinnachbildungen. Unmittelbar daran an schloss sich noch bis 1945 ein Wildgehege, nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Wildpark, wie der nördliche und jüngere Teil des Parks zeitweise genannt wurde und in dem sich heute die Tennisanlage befindet. Ein Bismarckstein befand sich bis zum Ende des 2. Weltkrieges am westlichen Ufer des großen Teiches. Er war eine Stiftung der Stadt, die den Park 1883 übernommen hatte.} Zu Ehren des Initiators der Parkanlage wurde im Südwesten des Parks am 6.9.1906 das Jueldenkmal eingeweiht. 1974 wurde es entfernt und an seinem Standort der sogenannte ⇒ Ehrenhain errichtet.
Stadtschreiberspitze
(1766) Grundstück zwischen heutiger (äußerer) Torgauer Straße (südlich des Tonneborns) und Körlitzer Hohle, auf dem Gelände des Bundessortenamtes. Das nach Süden "spitz" zulaufende Grundstück gehörte sicher zur Ausstattung des Stadtschreiberamtes.
Stadtschule
Seit dem 15. Jh. eine Knabenschule in Ratsträgerschaft vor dem Wenzelstor (deshalb auch Wenzelsschule), in der Nähe der Wenceslaikirche. 1542 wird diese "teutsche" Schule geschlossen und mit der alten Stiftsschule auf der Domfreiheit vereint (⇒ Lateinschule)
Stadtsporthalle
Friedrich-Ebert-Straße 2. Größte Sporthalle der Stadt. 1893 als Exerzier- und Reithalle des Jäger-Bataillons (⇒ Infanerie-Kaserne) eingeweiht. Bis nach 1950 unterschiedliche zivile Nutzung, zuletzt Zwischenlager für die Mühlenwerke. Seit 1953 Nutzung durch Sportgruppen. 1954 "Oswin-Pötzsch-Halle" nach dem Arbeitersportler und stellvertretenden Vorsitzenden des Rates des Kreises Wurzen Oswin Pötzsch (1908-1953). Seit 1960 (?) "Stadtsporthalle". Mehrmals Umbauten und Modernisierungen, zuletzt 1992/94
Stadttore
1. ⇒ Domtor. 2. ⇒ Eilenburger Tor. 3. ⇒ Jacobstor. 4. ⇒ Wenzelstor
Stadtviertel
⇒ Viertel
Stadtwald
Aufforstungsgebiet im südlichen Teil des früheren ⇒ Exerzierplatzes. Name offiziell seit dem 16.4.1999, als am "Tag des Waldes" der Förderverein Mittleres Muldegebiet mit den ersten Baumpflanzungen begann. Nördlich davon hatte der Verein schon am 30.10.1997 mit Aufforstungsarbeiten begonnen.
Stalinstraße
(1945 bis nach 1960) ⇒ Straße des Friedens
Steffanswerd
(Naumann) ⇒ Werder
Steinbrüche
Auf der Stadtflur durchragen die unter den pleistozänen und tertiären Sedimenten lagernden Vulkanite des Rotliegenden nur an wenigen Stellen ihre Deckschichten. Das ist auf dem Crostigall, am Wachtelberg, hinter dem ehemaligen Dehnitzer Gasthof (jeweils Pyroxengranitporphyr) sowie am sogenannten Gemeindesteinbruch an der Oelschützer Straße und am Läuseberg (hier jeweils Quarzporphyr) der Fall. Zwischen Wurzen und Dehnitz hat die Mulde durch Tiefenerosion den Granitporphyr an den Talhängen angeschnitten. Steinbrüche hat es mit Sicherheit seit dem Mittelalter im unmittelbaren Stadtgebiet gegeben. Auf dem Crostigall lassen sich heute noch zwei nachweisen: der sogenannte Hohlweg und das Pandurenloch. Am Wachtelberg sind heute noch mehrere Stellen durch früheren Steinbruchsbetrieb der Dehnitzer Bauern überprägt. Am Bootshaus befindet sich der nach der ehemals am westlichen Muldeufer liegenden Neumühle benannte Neumühlensteinbruch. Steine zum Bau von Gebäuden wurden bis ins 20. Jh. abgebaut.
Steinhof
Im Mittelalter vor dem Mauerring an den Zugängen zur Stadt liegendes "steinernes" Gebäude (lat. curia lapidea) bzw. „Vor“werk, das in die Stadtbefestigung mit einbezogen war. Zwei Steinhöfe sind bis zur Gegenwart - wenn auch nur in Resten - erhalten: Der Steinhof zum schwarzen und weißen Kreuz ("ufm Crostigall") und der Steinhof vor dem Jacobstor (Jacobsplatz 7-11)
Steinerne Maske
Bis 2004 rechts neben dem Nordportal der Wenceslaikirche eingelassen. Eine primitive handtellergroße Gesichtsdarstellung, reliefartig aus einem harten Sandstein herausgearbeitet. Verschieden gedeutet, u.a. als "Neidkopf" (Bergt). Die archaische Formgebung lässt vermuten, dass der Stein bereits vor Bau der Kirche vorhanden war und aus nicht genau erklärlichen Gründen in die Außenwand der Kirche eingemauert wurde. 2005 bei der Außensanierung des Gebäudes nach innen versetzt
Steinfürtchenbach
⇒ Kornhainer Bach
Stephanstraße
Im Zusammenhang mit der Einweihung des jetzigen Hauptpostamtes 1890 nach dem ersten Reichspostmeister Heinrich von Stephan (1831-1897) benannt, der anlässlich dieses Ereignisses in Wurzen weilte. Verbindet nördlich der Eisenbahnlinie die Bahnhofstraße mit dem Dehnitzer Weg.
Sternwarte, Schulsternwarte "Giordano Bruno"
1966 von Wolfgang Maurer, damals Lehrer an der Pestalozzi-Oberschule, zusammen mit Schülern am Ostende der Schillerstraße errichtetes Gebäude mit Unterrichtsraum, Beobachtungsplattform und –kuppel. In ihm fand bis 1990 der Astronomie-Unterricht für viele Schulen des Kreises Wurzen statt. Durch Bebauung des benachbarten Geländes in seiner Funktion eingeschränkt. Die Benennung nach Giordano Bruno (1548-1600) erst zu Beginn der 1970-er Jahre. Ausstattung 1998 ins Gymnasium überführt} Seit 1998 Nutzung durch die Aquarienfreunde, die das Gebäude zu einem Vereinshaus umgestaltet haben.
Stiefmutter, die
FN; eine Hanglage nördlich des Mühlbachs zwischen Oelschützer Straße und Nemt. Der Boden besteht hier aus sandigen und kiesigen Sedimenten, die eine schnellere Austrocknung der Bodenkrume bewirken. Diese "stiefmütterliche" natürliche Ausstattung führte offensichtlich zur Namengebung.
Stiftsbrauerei
⇒ Schlossbrauerei
Stiftsschule
⇒ Domschule (1.)
Stiftsgebäude
Sammelbezeichnung für alle Gebäu-de auf der ehemaligen Domfreiheit, die im Zusam-menhang mit dem Wurzener Kollegiatstift standen, z.B. die Häuser von Inhabern der verschiedenen Stiftspfründen (Kustodie, Alte Kaserne u.a.)
Stiftsterritorium
Eigentlich das sogenannte Wurzener Land, nachdem 1581 der letzte Bischof von Meißen zurückgetreten und von da an eine kursächsische Stiftsregierung die Verwaltung übernommen hatte. Aus der Sicht der Stadt das Gelände, das außerhalb der städtischen Weichbildgrenze lag, auf dem aber durchaus Wurzener Bürger oder der Rat begütert sein konnten (z.B. die Mark Trauschkau oder die Worthauer oder Pletzschwitzer Felder).
Stollwerckstraße
Seit dem 13.05.1998 für die Allee durch das Gelände der früheren ⇒ Artilleriekaserne vom alten Haupteingang an der Juelstraße nach Norden. Die Namengebung erfolgte in Würdigung der Stollwerck AG, die als Eigentümer der Wurzener Keksfabrik den Wiederaufbau des 1997 durch Brand vernichteten Betriebes sicherte.
Straße des Friedens
Nördlicher Teil des Straßen- bzw. Wegeringes, der die spätmittelalterliche Stadt umzog und als Siedlungsrand bis ins 19. Jh. bestand. Heutiger Name seit 1961.} Vorher seit dem 1.8.1945 Stalinstraße nach dem Generalissimus Josef Wissarionowitsch Stalin (eigentlich Dshugaschwili; 1879-1953), offenbar auch weil von 1945 bis 1947 die sowjetische Kommandantur an dieser Straße (im ehemaligen Gymnasium) ihren Sitz hatte. Bis dahin hieß die Straße seit dem 30.3.1933 Hindenburgstraße nach dem Generalfeldmarschall im 1. Weltkrieg und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934). Der ursprüngliche Name war Lange Straße (sicher seit ihrer Bebauung nach 1870) bzw. Lange Gasse (noch bei Werl 1869) bzw. Lindengasse (Flurbuch von 1766 "Linden-Gaße"; nach ihrer Anlage als Promenade zu Beginn des 18. Jh. durch den Stadtrichter Reinhardt). Führt heute vom Ostausgang des Jacobsplatzes bis zum früheren Eingang der Teppichfabrik an der Alten Nischwitzer Straße. Die Linden vom Anfang des 18. Jh. wurden in der 2. Hälfte des 19. Jh. durch Kastanien ersetzt. Nach dem Abbruch des Altwerkes der einstigen Teppichfabrik (2005/06) und im Zuge des Straßenneubaus in der Muldenaue (⇒ Westtangente, Muldenbrücken) wurde die Trasse der Straße nach Westen durch das ehemalige Werksgelände bis zur neuen Umgehungsstraße in der Aue verlängert.
Straße der Jugend
(nach 1960 - 1991)} ⇒ Rosenweg
Straße des 7. Oktober
(1949-1991) ⇒ Hermann-Ilgen-Straße
Straße
⇒ Gassen ...
Straßenbahn
⇒ gleislose Gütertransportbahn
Strohgasse
(bis 1502)} ⇒ Johannisgasse
Subkustodie
⇒ Archidiakonat
Südring
Seit dem 1.1.1994 für die U-förmige Straße im Eigenheimviertel "Süd" zwischen Oelschützer und Nemter Straße.
Südstraße
(1927-1945) ⇒ Käthe-Kollwitz-Straße
Superintendentur
Bis 1879 westlich der Alten Kaserne am Rand des Domplatzes. Offenbar bildete sie mit dem südlich benachbarten Gebäude ⇒ St. Barbara ursprünglich eine bauliche Einheit. Mit diesem wurde die Superintendentur 1879 abgerissen, um Platz für einen Schulneubau (⇒ Bürgerschule und Mädchenschule) zu schaffen.
Tausche, die (Klinkhardt 1991)
Volkstümlich für die 1945 in der Barbaragasse 2 eröffnete "Tauschzentrale". Der Name blieb auch erhalten, als die Einrichtung nach der Währungsreform 1948 in "An- und Verkauf für Gebrauchtwaren" umgewandelt und 1952 auf die Liegenbank 1 verlegt wurde.
Teichdamm (bis Mitte 19. Jh.)
⇒ Rosental
telonium Wurczense (1114), praebenda s. theolonii (1223)
Der "Wurzener Zoll" (telonium) erscheint 1114 als bischöfliche Ausstattung für das neu gegründete Kollegiatstift. Darunter sind zunächst die Zolleinnahmen zu verstehen, die den Kanonikern des Stifts neben anderem zum Unterhalt zustanden. Diese Einnahme zum Unterhalt eines Kanonikers (Pfründe von lat. praebenda "das zu Gewährende, das einem Zustehende") galt als "heilige" Sache, weshalb sie auch 1223 als sancti theolonii ("des heiligen Zolls") bezeichnet wird; theo- ist gleichsam verstärkend an griech. de?? "Gott" angelehnt. An der Wurzener Burg muss es also eine Zollstelle gegeben haben, an der Abgaben erhoben wurden. Es spricht manches dafür, dass diese Zollstelle am heutigen Gerhart-Hauptmann-Platz (⇒ Stadtgüter [1.d]) gelegen hat, wo die Straße von einer Muldenfurt aus der Aue den Terrassenhang heraufführte und Anschluss an die ⇒ Altstadt fand
Terrassenhäuser
Volkstümliche Bezeichnung für die 1999/2000 entstandene dreiflügelige Wohnanlage (Domgasse 15 a-c) auf einem ursprünglichen Gewerbegelände am Südhang des Dom- und Schlossberges oberhalb des Rietzschketals. Auffällig und umstritten wegen der ungewöhnlichen Dachformen, die an einen fliegenden Vogel erinnern sollen.
Thallwitzer Weg
Seit dem 28.10.1998 für die Neuanlage im Wohn- und Dienstleistungszentrum "Eilenburger Straße". Beginnt westlich der Eilenburger Straße an der Weichertstraße, führt nach Nordwesten, umschließt die künftige Eigenheimsiedlung und führt wieder zum westlichen Ende der Weichertstraße zurück.
Theodor-Körner-Straße
Seit 1953 nach dem Dichter der Befreiungskriege Theodor Körner (1791-1813). Ursprünglich innerer Abschnitt der Collmener Straße (bis zur Einmündung der Zillestraße), die die Albert-Kuntz-Straße nach Norden fortsetzt.
Theodor-Uhlig-Straße
Seit 1928 (?) nach dem in Wurzen geborenen Musiker, Musikschriftsteller und Freund Richard Wagners Theodor Uhlig (1822-1853; Geburtshaus Dresdener Straße 3, 2004 angerissen). Führt von der unteren Lessingstraße nach Norden bis zur Liscowstraße.
Thiemesche Brandstelle
Unbebautes Grundstück am westlichen Ende der Liegenbank zur Johannisgasse; noch 1826 so benannt. Standort des "Thiemeschen Malz- und Brauhauses" (auch "Tobias Thiemes Malzhauses", 1631), von dem in der Nacht zum 5. April 1631 ein verheerender Stadtbrand ausging (Brandtafel Johannisgasse 3, heute im Museum). Das Wüstliegen des Grundstücks ist u.a. auf das Verbot für den Besitzer zurückzuführen, als Verschulder der Brandkatastrophe das Haus wieder aufzubauen. Nutzung der Fläche später als Lagerplatz (Tabakhandel) bzw. als Stall- und Packhof (so 1813), im 20. Jh. als Garten. Seit 1973 Grünfläche.
Thomas-Mann-Straße
Seit dem 1.8.1945 nach dem deutschen Schriftsteller und Romancier Thomas Mann (1875-1955). Sackgasse, die von der Zillestraße nach Süden abgeht. Vorher seit dem 19.10.1934 Rumeyweg nach einem im 1. Weltkrieg gefallenen Kampfflieger.
Thonkeiten (Naumann), Thon-Keuten, die (1766)
Flurstück südwestlich des Breiten Berges (heute am Rande des ehemaligen Exerzier-platzes westlich der Lüptitzer Straße). Im 18. Jh. Nutzung durch "Gemeinde-Huthung". Hier befanden sich auch städtische Ton- und Lehmgruben (⇒ Töpfe-graben). Ebenso wie am benachbarten Ziegelteich stehen hier unteroligozäne Tone bis zu einer Mächtigkeit von 4,5 m an.
Thorschreiber
(1766)} Ein "Obst- und Grase-Garten" westlich des Mühlgrabens. Heute etwa nördlich des Geländes der früheren Teppichfabrik zu lokalisieren. Das Grundstück stand offensichtlich dem Akzise-Schreiber (im ⇒ Eilenburger Tor bzw. am Rondell) zu.
Thüringer Hof
Albert-Kuntz-Straße 50. Traditionsreiche Gaststätte im Wurzener Norden. Zunächst "Weinstube zum Luftschiff" (1886/87), 1888-1992 "Thüringer Hof", 1992-1995 "Hardels Restaurant und Café", seit 1995 griechisches Restaurant "Poseidon", seit 1999 Weinrestaurant „Reblaus“
Tiergehege
⇒ Stadtpark
Töchterschule
Als Privatschule, die auch Mädchen eine über das Bürgerschulniveau hinausgehende Bildung ermöglichen sollte, 1890 begründet. Erste Unterrichtsstätte in der Schweizergartenstraße 14. Seit 1892 war die Töchterschule in einem eigens dazu erbauten Haus am Park (heute Geschwister-Scholl-Straße 4) untergebracht. Die Einrichtung wurde später mit der "höheren Abteilung" der Mädchen-Bürgerschule verbunden und nach dem 1. Weltkrieg in die Volksschule eingegliedert
Tonschlemme
Vor der Bebauung des Rietzschketales östlich des Wettinerplatzes Stelle am Südufer der Rietzschke, wo die Gerber den von ihnen benötigten Ton aufbereiteten. Etwa im heutigen Kreuzungsbereich von Goethe- und Schillerstraße gelegen.
Tonneborn
An der äußeren Torgauer Straße gelegener Brunnen, der über Jahrhunderte das Wasser für die Stadt lieferte. Etwa 6 m über dem Niveau des Marktes gelegen, floss von hier das Wasser in Holzrohren bis in die Stadt. Heute ist noch östlich der Straße und hinter den Gebäuden des Bundesamtes für Sortenwesen (Torgauer Straße 100) ein Erdhügel zu sehen mit einem gemauerten Giebel, an dem sich der durch eine schmiedeeisernerne Tür verschlossene Eingang befindet. Die Wasserschüttung muss beträchtlich gewesen sein, was sicher den geologischen Verhältnissen hier geschuldet ist. Über dem Brunnenschacht war anfangs ein Fass (Tonne) gesetzt. Daher der Name.} Der benachbarte König-Albert-Schacht enthält ebenfalls beträchtliche Mengen Wasser, die seit 1984 noch für das Heizwerk genutzt wurden. Stadteinwärts waren früher etliche Grundstücke stark vernässt, was auf das vordringende Wasser vom Tonneborn zurückzuführen ist. (⇒ auch Eierpfuhl [2.])
Töpfergraben (Naumann)
Stelle lässt sich nicht mehr eindeutig lokalisieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist sie im Bereich der ⇒ Thonkeiten unterhalb des Breiten Berges zu suchen. Dort und am südlich davon gelegenen ⇒ Ziegelteich stehen unmittelbar an der Oberfläche unteroligozäne Tone an. Im Gelände des Ziegelteiches gewannen die Wurzener Töpfer seit etwa 1730 ihr Material. 1852 wurden die Töpfer vom Rat angehalten, wieder in den Thonkeiten ("Tongeuten") Ton zu graben. Die Töpfergilde stellte den Antrag, "daß unterhalb der Erlenpflanzung ein Quergraben zur Auffangung des am Berge herabfließenden Wassers gehoben, und ihnen dadurch das Thongraben erleichtert werde"
Torfgraben
(N; Geol. Specialkarte Kgr. Sachsen 1884)} Stelle im ehemaligen Feuchtwiesengelände am Kornhainer Bach südlich des Haselwaldes (Flurgrenze zu Mühlbach). Hier wurde in früheren Zeiten von Nemtern Torf gestochen.
Torgauer Platz
(bis 1935) ⇒ Clara-Zetkin-Platz
Torgauer Straße
- (innerer Teil) ⇒ Martin-Luther-Straße.
- (äußerer Teil): Führt vom Clara-Zetkin-Platz zunächst nach Osten bis zur katholischen Kirche, von dort nach Nordosten bis zur Wüsten Mark Warthau, dieser letzte Abschnitt wird 1766 noch als Zschornischer Weg bezeichnet. Es ist der alte Weg nach Torgau.
Turmgasse
(R) seit 2007 für den Weg von der Roitzscher Hauptstraße in Richtung alter Wasserturm.
Trauschkau
Wüste Mark am östlichen Rand der Muldenaue zwischen Wurzen und Nischwitz, ubi iitur ad Talewitz (wo man nach Thallwitz geht). Ersterwähnung 1114 in der Gründungsurkunde für das Wurzener Kollegiatstift. Nach ihr war das Lehn Truskow eines miles (Ritters) Piso und seines Sohnes in die Verfügungsgewalt des Bischofs zurückgefallen, der damit jetzt das Stift ausstattete. Im 14. Jh. befinden sich Dorf und Vorwerk im Besitz einer Familie, die sich nach dem Ort nennt (1306 Friczo de Traskowe). Im 15. Jh. gelangt zumindest das Vorwerk durch Heirat in den Besitz des Vaters von Reinhard von Krostigal; dieser verkauft 1424 das "Gesässe Trauschkau" an die Stadt Wurzen. Obwohl Bischof Rudolf diesen Eigentumswechsel bestätigt, erhebt kurze Zeit später ein Marcus Trawßkau einen "Rückführungsanspruch", der erst 1455 durch eine Abfindung, die die Stadt zahlt (36 Schock "Landeßwerung), abgewehrt wird. Der Besitz der Stadt erstreckte sich wohl nur auf das Vorwerk, denn die zum Ort gehörigen "Auen" (Droßkau, Trosk) erhielten 1520 die Wurzener Fleischerinnung (Fleischerdrauschken) und 1525 der Rat aus dem Besitz derer von Nischwitz.
Trauschken, die
Flur in der Muldenaue nördlich der Gartensparte An der Rodelbahn, zwischen Mühlgraben und Auenrand (⇒ Trauschkau).
Trauschkenstein
Einstiger Felsblock am Auenrand, der sicher für die Laufänderung des Mühlgrabens nach Nordwesten unterhalb der Juelstraße verantwortlich war. Die alte Kleegasse führte bis zum Trauschkenstein. Noch 1839 wird er als eine vom Rat der Stadt genehmigte Badestelle erwähnt. Beim Bau der Bergerschen Papiermühle (⇒ Mühlen) 1847 wurde der Stein gesprengt.
Trauschkenweg
Führt in die Trauschken. Er zweigt kurz vor Einmündung der Juelstraße in die Alte Nischwitzer Straße von dieser ab und führt vom Terrassenrand hinunter in die Aue. Er endet heute an der Kläranlage.
Trebelshainer Weg
(R) Flurweg östlich von Roitzsch. Führt südlich der Rietzschke durch die Obstanlagen in Richtung Trebelshain
Türmerwohnung
⇒ Wenceslaikirche
Turmgasse
(R.) Seit dem 1.10.2007. Vorher Hauptstraße 7 bis 9. Nach dem Turm des früheren Feuerwehrgebäudes.
Umformerstation
⇒ Elektrizitätswerk
Unter der Tanne (1664)
Schmale Gasse, die vom Badergraben den Hang nach Südwesten hinauf bis zur Barbaragasse führt.
Untermühle
⇒ Mühlen
Victoria-Kurve
Auffällige Doppelkurve der Dresdener Straße zwischen Walther-Rathenau- und Kantstraße. Im Volksmund benannt nach dem ehemals dort bestehenden Hotel "Victoria" (seit 1886), in dem vor 1933 zahlreiche politische Veranstaltungen stattfanden und in dem nach 1945 das Wurzener Theater ("Neues Theater") seine Spielstätte hatte. Die Kurve fällt schon bei Grundrissen des 18. Jh. auf
Viehmarkt
Noch 1852 wird dieser Name für den Jacobsplatz verwendet
Viertel
Bis weit ins 19. Jh. hinein war Wurzen in vier unterschiedlich große Bereiche eingeteilt. Daher die Bezeichnung "Vier"tel. Das waren das Stadtviertel innerhalb der Mauer mit dem Markt und den von ihm abgehenden Gassen, vor den Toren das ⇒ Eilenburger Viertel (auch Eilenburger Vorstadt), das ⇒ Jacobsviertel mit der Altstadt und das ⇒ Wenzelsviertel (auch Wenzelsvorstadt oder Neue Stadt) mit dem ⇒ Crostigall.} Den einzelnen Vierteln standen die ("ehrenamtlichen") Viertelsmeister vor, denen der Rat über seine Amtsführung Bericht erstatten musste und die dem Rat rechenschaftspflichtig und für die Durchsetzung der Ratsbeschlüsse in ihren Vierteln verantwortlich waren.
Villa Arafat
Nach Yassar Arafat (1929-2004), dem Begründer und Präsidenten der Palästinensischen Befreiungsorganisation. Volkstümlich für ein nach 1980 errichtetes Gebäude in der Lüptitzer Straße, das als Unterkunft für ausländische Arbeitskräfte bzw. Praktikanten des damaligen Motorenwerks genutzt wurde. Unter den Bewohnern befanden sich zeitweise Personen aus arabischen Staaten. Das Gebäude beherbergt seit 1998 die ⇒ Förderschule für geistig Behinderte.
Villa Bechtold
Geschwister-Scholl-Straße 3.
Villa Beda
Alte Nischwitzer Straße 4.
Villa Finke
(D)} Lindenweg 2. 1902 erbaut. Schöne bleigefasste Jugendstilfenster. Kutscherhaus im Fachwerkbau. 1980-1986 Kinderkrippe, heute Kinderheim
Villa Juel
Alte Nischwitzer Straße 3.
Villa Klug
(D) Am Wachtelberg 10. 1904 für Richard Klug nach einem Entwurf des Architekten Fritz Schumacher gebaut. Englischer Landhausstil, der Umgebung angepasst. Schöne Jugendstiltür, Rundbogenfenster, attraktive Eingangshalle
Villa Marx, "Villa Kuntabunt"
(D) Am Wachtelberg 6. 1910 für den Prokuristen der Chemischen Werke (Wasserglasfabrik), Kurt Theodor Marx, errichtet; gehörte später zur Firma Klug (Wasserglasfabrik). 1993-1995 von der IG Rock als Unterkunft genutzt. Sehr bald ein Treffpunkt der alternativen und autonomen Szene, daher auch Namengebung Villa Kuntabunt, auch nur die Villa. Im Juli 1995 geschlossen} Nach Eigentümerwechsel Sanierung bis 2003.
Villa Zachmann
Carl-Magirius-Straße 2 a. Für den Steinbruchsbesitzer Friedrich Zachmann 1902 er richtetes Wohngebäude in großem Gartengelände. 2008 abgerissen. ⇒ Hausinschriften
Volkshochschule
Die 1945 ins Leben gerufene städtische Volkshochschule (seit 1949 Kreisvolkshochschule) hatte bis 1993 keine eigenen Unterrichtsräume. Die Geschäftsstellen waren im Laufe der Zeit in verschiedenen Gebäuden untergebracht. Seit 1992 nutzt die VHS das städtische Gebäude Lüptitzer Straße 2 (bis 1990 Internat der Goethe-Oberschule).
Volksschwimmhalle
⇒ Bad
Vor dem Eilenburger Tor
⇒ Eilenburger Viertel
Vor dem Jacobstor
⇒ Jacobsviertel
Vor dem Wenzelstor
⇒ Wenzelsviertel, Wenzelsvorstadt
Vorschuleinrichtungen
Einrichtungen in kommunaler oder freier Trägerschaft, in denen Kinder im Vorschulalter betreut werden. In Wurzen sind solche Einrichtungen seit der Mitte des 19. Jh. vorhanden. Zeitweise wurden für die Zwecke der Kinderbetreuung auch "Restaurationen" genutzt, z.B. der ⇒ Schweizergarten (1886), das Hotel "Victoria" (1888/ 1889; erster Fröbelscher Privatkindergarten) oder der "Bürgergarten" (1889/91). Im Laufe der Zeit konnten die Träger wechseln}
- Kindergärten:
- Kleinkind(er)bewahranstalt. Städtische Einrichtung seit 1851 in der heutigen Theodor-Körner-Straße 4. 1883 Übergabe des Neubaus an den Frauenverein. Nach 1945 Städtischer Kindergarten I (bis 1980).
- Städtischer Kindergarten II in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße (1946-1992).
- Der Kindergarten" in Trägerschaft der ev.-luth. Kirchgemeinde (seit 1945) in der Liststraße 11.
- in der Lüptitzer Straße 4 (seit 1960). e) Am Wachtelberg 12 (1953-1990).
- im ehemaligen Rittergut Roitzsch (1948-1990; vorher Erntekindergarten).
- Schulweg 10 in Nemt (seit 1966; vorher seit 1964 Erntekindergarten).
- "Ellen Kuntz" im ehemaligen Nahrungsmittelkombinat (1954-1995).
- in der Teppichfabrik (1949-1993 in der ehemaligen Juelschen Villa, Alte Nischwitzer Straße 3).
- im ehemaligen Motorenwerk Lüptitzer Straße (1972-1991).
- im Kreiskrankenhaus (1954-1993)}
- Kinderkrippen für Kinder bis 3 Jahre:
- Alte Nischwitzer Straße 2 (1966-1995).
- im Krankenhaus (1954-1993).
- Heinrich-Heine-Straße 3 (1950-1993).
- "Mauz und Hoppel" in der Torgauer Straße 27 (1953-1998; seit 1994 in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt).
- Lindenweg 2 in Dehnitz (1980-1986), heute Kinderheim in Trägerschaft der Volkssolidarität}
- Kinderkombinationen: Kindergarten und Kinderkrippe in einer Einrichtung.
- Eduard-Schulze-Straße 5 (seit 1982; heute Kindertagesstätte "Sonnenschein" in Trägerschaft des DRK).
- Friedrich-Ebert-Straße 31 (seit 1985; heute Kindertagesstätte "Knipsenland" in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt).
- Torgauer Straße 48 (seit 1990; heute Kindertagesstätte "Spatzennest" in Trägerschaft des DRK)